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profil-Morgenpost
12/10/2020

In dubio pro Deo?

Guten Morgen!

von Gernot Bauer

Wie eine Umfrage der Branchenplattform "Kosmetik transparent" unlängst ergab, nahm im Corona-Lockdown der Gebrauch von Deos ab – allgemein, nicht nur bei Covid-Erkrankten. Mehrwöchiges Homeoffice bringt offenbar ein gewisses Maß an Verwahrlosung mit sich. Aus der Deo-Reduktion kann geschlossen werden, dass viele Video-Konferenzen von ungepflegten Büroangestellten im Schweiße anderer Angesichter absolviert werden. Ursprung dieser hübschen Formulierung ist wie so oft das Alte Testament. Gott teilt Adam nach dem Sündenfall mit: "Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen." Vorbei war es mit der Gaudi. Man muss sich Gott in dieser Situation wie unseren Bundeskanzler vorstellen, wenn dieser hinter seiner Plexiglas-Kanzel Verhaltensregeln verkündet.

Aus der Umfrage von "Kosmetik transparent" erfahren wir auch, dass seit dem Lockdown mehr Männer Bart tragen. Nach allem, was wir aus Darstellungen der Kunstgeschichte wissen, trug Adam zumindest vor dem Sündenfall keinen Bart. Er war glattrasiert wie der Bundeskanzler oder auch Spider-Man in einer Verfilmung aus dem Jahr 2019, in der Sebastian Kurz die Hauptrolle spielt.

Bekennende Bartträger in der Spitzenpolitik sind in zwei von zwei von profil recherchierten Fällen großgewachsene ältere Herren mit feinen Umgangsformen, die im Zivilberuf Universitätsprofessoren waren. Einer ist bereits Bundespräsident, der andere für den Job auch geeignet. Bildungsminister Heinz Faßmann wäre das erste nicht in Österreich (Düsseldorf! Wer wohnt schon in Düsseldorf?) geborene Staatsoberhaupt – nach Karl Renner, Theodor Körner und Adolf Schärf. Und die profil-Morgenpost würde es exklusiv vorausgesagt haben.

Alexander Van der Bellen und Heinz Faßmann sind eher die Dreitagesbartträger. Ein richtiger Vollbart ist ja auch unpraktisch – wie es Harald Schmidt 2017 im profil-Interview schilderte: "Das Essen hängt Ihnen überall drin."

Harald Schmidt war ausgebildeter Gelegenheitsschauspieler. Seine berühmteste Rolle gab er als Lucky in Becketts Tragikomödie "Warten auf Godot" 2002 in Bochum (auch keine Weltstadt). Eine bemerkenswerte Aufführung des Stücks fand 1993 mitten im Bosnienkrieg am Nationaltheater Sarajewo statt. Regie führte Susan Sontag. Über Leben und Werk der bejubelten Pop-Ikone und gefürchteten Geistesgröße sind drei neue Bücher erschienen. Ein "vorweihnachtliches Lesefest" nennt profil-Literaturkritiker Wolfgang Paterno die Lektüre.

Desodorieren Sie, wie Sie wollen!

Gernot Bauer

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