René Schimanek soll Verfasser der Todesanzeige sein und wird sich vor dem Landesgericht Krems verantworten müssen
FPÖ-Politiker wegen Wiederbetätigung angeklagt: René Schimanek soll Todesanzeige mit SS-Symbol veröffentlicht haben
Auf den ersten Blick ist es nur eine Todesanzeige. Schwarz auf Weiß: Name, Daten, ein Abschied. Doch buchstäblich hinter den Zeilen steckt ein rechtsextremes Symbol. Die Todesanzeige des verstorbenen Hans Jörg Schimanek wird nun zum Ausgangspunkt strafrechtlicher Ermittlungen, nachdem profil vor einem Jahr darüber berichtet hat.
Die Staatsanwaltschaft Krems hat gegen seinen Sohn René Schimanek Anklage wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung erhoben. Das wurde am Freitag bestätigt. Am 23. Dezember 2024, einen Tag nach dem Tod seines Vaters Hans Jörg Schimanek senior sei René Schimanek persönlich in der Gemeinde erschienen, um über sein Ableben zu informieren. Einige Tage später habe er die Bürgerservicestelle per Whatsapp kontaktiert, die Todesanzeige hatte er als PDF-Dokument geschickt und darum gebeten, dass diese auf der Homepage der Gemeinde hochgeladen wird. Dem Bürgermeister zufolge sei zunächst niemandem in der Gemeinde die darin enthaltene Symbolik aufgefallen. Erst nachdem der Fall öffentliche Aufmerksamkeit erlangt hatte, hätten sich mehrere Personen in der Gemeinde gemeldet und auf das SS-Symbol hingewiesen.
René Schimanek war bis Anfang 2024 Büroleiter von FPÖ-Nationalratspräsident Walter Rosenkranz, danach blieb er als FPÖ-Stadtrat in Langenlois politisch aktiv. Im Zentrum der Anklage steht die Todesanzeige seines am 22. Dezember 2024 verstorbenen Vaters Hans Jörg Schimanek senior, dieser war langjähriger Funktionär der Freiheitlichen. Auf seiner Todesanzeige fand sich ein Symbol, das in rechtsextremen Milieus als Ersatzzeichen für verbotene NS-Symbolik gilt: die Irminsul-Rune. Laut Anklageschrift soll René Schimanek die Todesanzeige verfasst und veranlasst haben, dass die Parte auf der allgemein zugänglichen Homepage der Stadtgemeinde Langenlois veröffentlicht wird.
Nach Angaben der Oberstaatsanwaltschaft Wien wird die Anklage ausschließlich in diesem Punkt erhoben. Die Rune sei nicht als harmloses Symbol, sondern als gezielt gesetztes Zeichen mit klarer ideologischer Bedeutung zu verstehen. Laut dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) handelt es sich bei der Irminsul-Rune um ein frühmittelalterliches Heiligtum der Sachsen, das wie eine Säule aussieht. Es soll ein Gegensymbol zum christlichen Kreuz sein. Die Irminsul galt auch als Symbol der SS-Forschungseinrichtung „Deutsches Ahnenerbe“, auch „SS-Ahnenerbe“ genannt. Die Einrichtung war maßgeblich am Kunstraub der Nationalsozialisten beteiligt oder führte brutale Experimente an Menschen in Konzentrationslagern durch.
Schimanek bleibt FPÖ-Stadtrat
Die Ermittlungen gegen Schimanek reichen jedoch weiter zurück. Im November 2024 durchsuchten Ermittler ein Forsthaus in Langenlois, in dem er zu diesem Zeitpunkt hauptgemeldet war. Das Objekt stand im Zusammenhang mit Untersuchungen zur rechtsextremen deutschen Gruppierung „Sächsische Separatisten“, in die auch zwei Neffen Schimaneks involviert gewesen sein sollen. Sie befinden sich nach wie vor in Untersuchungshaft. Bei der Hausdurchsuchung wurden Munition sowie mehrere NS-Devotionalien sichergestellt. Diese Funde sind nicht Teil des strafrechtlichen Vorwurfs im engeren Sinn, sie sind aber Teil der Anklageschrift. Die Staatsanwaltschaft beantragt die Einziehung der Devotionalien, darunter auch ein Hitler-Bild, das bei Schimanek gefunden wurde.
Im Februar 2025 ersuchte Schimanek um die Auflösung seines Dienstverhältnisses als Büroleiter von Walter Rosenkranz. Öffentlich kommentiert wurde dieser Schritt nicht näher. In Langenlois bleibt Schimanek vorerst FPÖ-Stadtrat, bestätigte Bürgermeister Harald Leopold (ÖVP) gegenüber profil: „Solange es keine rechtskräftige Verurteilung gibt, werde ich ihn nicht zum Rücktritt auffordern.“
Die Anklage ist noch nicht rechtskräftig; ob Schimanek dagegen vorgeht, bleibt abzuwarten.