Wie Drogendealer hundert Kilo Kokain in Maseratis nach Österreich schmuggelten
Mitglieder einer kriminellen Gruppierung, die im Raum Salzburg agierte, schmuggelten kiloweise Kokain und Waffen in Luxusautos aus Spanien nach Österreich. Die Polizei ermittelte in dem Fall knapp zwei Jahre lang. Nun wurden vier der Hauptverdächtigen verurteilt. Die jüngsten Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Doch was ist genau passiert?
Das im Bundeskriminalamt (BK) beheimatete Büro zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität klärte gemeinsam mit dem Landeskriminalamt Niederösterreich und Ermittlern aus Braunau am Inn eine Tätergruppierung auf, bestehend aus österreichischen, kroatischen und syrischen Staatsbürgern. Diese schmuggelte binnen eines Jahres mehr als 100 Kilogramm Kokain, andere synthetische Drogen sowie Faustfeuerwaffen aus Belgien und Spanien nach Österreich und verkaufte sie weiter. Gegen 58 Beschuldigte wurde nun ein Verfahren eingeleitet, 15 Verdächtige wurden festgenommen und teils rechtskräftig zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.
Luxus-Mercedes eines jungen Kurden als Ausgangspunkt
Ausgangspunkt der Ermittlungen waren Erpressungsdelikte sowie ein verübter Anschlag auf einen Sportwagen, durchgeführt von einem kurdisch-syrischen 30-jährigen Sportwagenhändler. Der Mann war 2015 nach Österreich geflüchtet, hatte ursprünglich „aufgrund seines Fußballtalents gute Zukunftsprognosen in Österreich“, so die führenden Ermittler vor Journalisten. Laut eigener Aussage geriet der Verdächtige wegen falscher Freunde ins kriminelle Milieu. Zuvor war er in Kroatien wegen Dokumentenfälschung in Haft, danach wurde er nach Österreich überstellt.
Die Ermittler wurden auf ihn aufmerksam, weil er den beauftragten Anschlag auf einen Sportwagen in einem videoüberwachten Bereich einer Tankstelle verübt haben soll. Zwar hatte sein Fluchtfahrzeug kein Kennzeichen, da er jedoch einen besonders exklusiven Mercedes fuhr, den es im Raum Oberösterreich/Salzburg nur selten gibt, konnte der 30-Jährige identifiziert werden. Während seiner Untersuchungshaft soll er über Messengerdienste auf zwei geschmuggelten Handys Mittäter kontaktiert, sie vor den Ermittlern gewarnt und versucht haben, ihre Aussagen zu beeinflussen. Dank dieser Kontaktaufnahmen konnten weitere Komplizen identifiziert werden. Er wurde rechtskräftig zu zehn Jahren unbedingter Haft verurteilt. Wie es mit seinem Aufenthaltsstatus danach weitergeht, ist offen. Zuvor war er bereits zu vier Jahren Haft verurteilt worden.
Maserati mit 25 Kilo Koks im Kofferraum
Durch die Einvernahme des kurdisch-syrischen Verdächtigen konnten Ermittler eine im Hintergrund agierende, hochprofessionell organisierte Tätergruppe identifizieren, die den Kokainhandel in Salzburg dominierte. Das Rauschgift wurde mit teuren Sportwagen kiloweise im Kofferraum über Málaga nach Salzburg transportiert und in angemieteten Büros gelagert. Der 30-Jährige kümmerte sich gemeinsam mit weiteren Subverteilern um den Weiterverkauf der Drogen in Österreich.
Neben dem Suchtgifthandel werden der Gruppierung weitere schwerwiegende Straftaten vorgeworfen, darunter Sexual- und Gewaltdelikte, Waffenschmuggel, Urkunden- und Dokumentenfälschungen sowie Geldwäsche. Bei den Waffen handelte es sich vor allem um umgebaute Schreckschusspistolen oder alte sowjetische AKs – also alte russische automatische Kalaschnikows. Ermittlungen zufolge wurden diese auch in Nachbarländer wie der Schweiz weiterverkauft.
Die Gruppierung stand zudem in engem Kontakt mit dem europaweit dominierenden montenegrinischen Drogenclan „Škaljari“, von dem sie ebenfalls Drogen bezog.
Auch Ex-Informanten und Wiener „Starkoch“ involviert
Teil der Gruppierung waren neben dem Syrer mehrere weitere Personen. Unter den Verurteilten befanden sich auch ehemalige V-Männer der Polizei, die versucht haben sollen, Ermittlungen in der Causa zu beeinflussen. Ebenfalls involviert war ein Wiener „Starkoch“, dessen Lebensgefährtin ihn Ende 2024 wegen häuslicher Gewalt bei der Polizei angezeigt hatte. Bei ihrer Einvernahme gab sie zudem an, dass der Gastronom 16 Kilogramm Kokain in seiner Wohnung lagerte und mit der Droge handelte. Er wurde 2025 zu einer sechsjährigen Freiheitsstrafe rechtskräftig verurteilt.
Da sich im Laufe der Ermittlungen viele Mitglieder der Gruppierung zerstritten hatten, legten zahlreiche Angeklagte sowohl bei polizeilichen Einvernahmen als auch vor Gericht umfassende Geständnisse ab – in der Hoffnung auf Strafmilderung.
Der Kopf der Bande hielt sich in Dubai auf und konnte nach Österreich überstellt werden, ebenso wie ein weiterer Beschuldigter, der sich in Deutschland in Haft befand. Am 12. Jänner wurden beide gemeinsam mit zwei weiteren Hauptbeschuldigten zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.