FPÖ-Spitzenkandidat Manfred Haimbuchner (L) und FPÖ-Bundesparteiobmann Herbert Kickl

FPÖ-Spitzenkandidat Manfred Haimbuchner (L) und FPÖ-Bundesparteiobmann Herbert Kickl

© APA - Austria Presse Agentur

profil-Morgenpost
09/23/2021

Wie geheim darf die Impfung sein?

Wir tun es, die Krone tut es: Impfstoff-Schnüffeln. Es ist unangenehm und doch politisch relevant, die Frage nach dem Impfstatus zu stellen.

von Clemens Neuhold

„Bist Du schon geimpft?“ – „Nein.“ – „Wenn die Traumfrau kommt und sagt, geimpft können wir heiraten?“ – „Bin schon verheiratet.“ – „Und wenn eine zweite Traumfrau kommt?“ – „Haram.“

Das Migrantenmagazin Biber schickt einen Reporter durch Favoriten. Im Wiener Bezirk leben überdurchschnittlich viele Impfmuffel. So frontal haben wir die Gretchenfrage nicht auf die Straße getragen. Wir haben stattdessen die FPÖ zum „Impfstriptease“ (FPÖ-Wien Chef Dominik Nepp) gebeten. Bisher galt die FPÖ sozusagen als Favoriten unter den Parteien, wenn es ums Impfen geht.

Schnüffeleien

„Sind Sie geimpft?“ Zugegeben: Manche Fragen erzeugen Bauchweh. Fühlen sich aufdringlich an. Doch gerade bei der Impfung ist das Private auch politisch, weil der Schutz des Kollektivs von privaten Entscheidungen mit abhängt und Politiker öffentliche Personen sind. So erfuhren wir, dass der Bürgermeister von Wels, Andreas Rabl, geimpft ist und an die Sicherheit des Impfstoffes glaubt; der genesene Chef der FPÖ-Oberösterreich, Manfred Haimbuchner, sich wohl impfen lässt, sobald sein Antiköperspiegel unter eine kritische Schwelle fällt; der ebenfalls genesene Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer bereits die dritte Impfung anpeilt. „Ich bin aufgrund der Faktenlage überzeugt, dass die Impfung schützt.“ Unsere Story deckte sich mit den Recherchen der „Kronen-Zeitung“, die ebenfalls Impfstoff schnüffelte und zum Schluss kam: Außer FPÖ-Chef Herbert Kickl ist der Großteil der blauen Spitzenpolitiker offenbar geimpft. Das dürfen FPÖ-Sympathisanten schon wissen, die sich durch die - nach außen hin impfskeptische Haltung – ihrer Partei bestärkt sahen, den Stich zu verweigern.

Ketchup oder Preiselbeeren

Im profil empfiehlt Hofer impfskeptischen Menschen übrigens, sich aus „seriösen Quellen“ zu informieren. Damit kann er unmöglich den oberösterreichischen „Wochenblick“ meinen, der „Corona“ als Schwindel bezeichnet oder – Achtung: Fake News – von einem 13-jährigen Mädchen berichtet, das am Tragen des Mund-Nasen-Schutzes gestorben sei. Wie unsere Faktencheckerin Katharina Zwins und unser Experte für Rechtsaußen-Medien, Jakob Winter, nun aufzeigen, fütterten blaue Landesräte den Wochenblick seit 2018 mit Inseraten aus öffentlichen Geldern im Wert von über 100.000 Euro (lesen Sie die Geschichte hier). 

Impfen sollte nicht Glaubens-, sondern Wissensfrage sein. Eine dezidierte Glaubensfrage haben wir Hans Figlmüller vom gleichnamigen Schnitzelimperium gestellt: Ketchup oder Preiselbeeren? Seine Antwort fällt überraschend aus. Weniger überraschend in seinem Gastro-Segment: 80 bis 90 Prozent der Gäste sind geimpft. Deswegen hat keine allzu große Angst vor einer Verschärfung der Zutrittskontrollen auf „1 G“ – Zutritt nur für Geimpfte. „Besser 1G als 0G – null Gäste und geschlossen“, tischt er uns eine Wiener Wuchtel zum Schnitzel auf (zum Interview geht's hier).

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