Illustration eines Kindergarten
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Trotz verprassten Fördergeldern: Stadt Wien hält zu diesem Kindergarten

Nach massiven Missständen verlieren mehrere private Kindergärten in Wien öffentliche Fördergelder. Warum bleibt einer verschont? Eine Spurensuche.

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Die Stadt Wien muss an allen Ecken und Enden sparen: Es werden Gelder im Bereich der Drogenprävention gekürzt, bei der Sozialhilfe für subsidiär Schutzberechtigte, es gibt Sparmaßnahmen bei der Obdachlosenhilfe. Seit einem Jahr liefert sich das Land Wien ein Match mit Niederösterreich um Gastpatienten in Wiener Spitälern – und all das mit dem Argument, das Geld sei knapp, man müsse eben sparen. Bei den Förderungen der Privatkindergärten in Wien hingegen schmeißt die Gemeinde Wien nahezu unkontrolliert Geld aus dem Fenster – direkt in eine Blackbox.

Bereits zu Beginn des Jahres hat der Stadtrechnungshof in einem knapp 600 Seiten starken Bericht massive Missstände in acht privaten Kindergartenvereinen festgestellt, die jahrelang allesamt mit Steuergeldern gefördert wurden. 13 Standorte und 760 Kinder sind betroffen, wo zuweilen das Verpflegungsgeld pro Kind und Tag im Schnitt bei einem Euro lag. Dafür wurden mit öffentlichen Kindergarten-Fördergeldern die kuriosesten Posten bezahlt: etwa die Anschaffung einer Kettensäge, Tankrechnungen für Privatautos, Energy Drinks, scharfe Heringe, Matjesfilets, Damenbinden, Herrensocken, Blutdruckmessgeräte, Luxushandtaschen im Wert von über 1000 Euro. „Der Bericht des Stadtrechnungshofs liest sich wie eine Mischung aus Krimi und Satire“, sagt Julia Malle, Bildungssprecherin der Wiener Grünen.

Vergangene Woche gab Wiens Neos-Vizebürgermeisterin und Bildungssprecherin Bettina Emmerling bekannt, dass diesen acht Kindergärten die Förderung entzogen wurde. Ein Kindergarten jedoch, den der Stadtrechnungshof ebenfalls unter die Lupe genommen hat und „der die größten Mängel aufweist, ist immer noch nicht geschlossen“, sagt Harald Zierfuß, Klubobmann der Wiener ÖVP, auf deren Initiative der Stadtrechnungshof einige konkrete Betreiber geprüft hat. „Und wir fragen uns, warum.“

Im Familienbetrieb

Es handelt sich dabei um den Kindergartenverein Abendstern. In den vergangenen zehn Jahren wurde diese Einrichtung drei Mal geprüft, und jedes Mal stellte man schwerwiegende Mängel und Fördermittelmissbrauch fest: Mit öffentlichen Geldern wurden Flugreisen nach Istanbul bezahlt, ebenso überhöhte Gehälter (mehr als 400.000 Euro für die Obleute), 123.000 Euro für Reinigungsarbeiten an eine Firma, die gar keine Gewerbeberechtigung hatte, oder 71.000 Euro an eine Scheinfirma.

Nina Brnada

Nina Brnada

ist Redakteurin im Österreich-Ressort. Davor Falter Wochenzeitung.