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Wögingers Katze: Wie der ÖVP-Klubobmann Verantwortung interpretiert

Kann man gleichzeitig Verantwortung übernehmen und keine Verantwortung übernehmen? August Wöginger hat es versucht. Es hat nicht funktioniert.

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Der Physiker Erwin Schrödinger stellte in den 1930er-Jahren ein berühmtes Gedankenexperiment an, mit dem er die paradoxe Welt der Quantenmechanik zu beschreiben versuchte. Schrödingers in einer Kiste eingesperrte Katze kann in der Theorie gleichzeitig tot und lebendig sein. Ihr Zustand entscheidet sich erst, wenn jemand nachsieht.

Nicht nur in der Physik, sondern auch in der Justiz lassen sich Phänomene von scheinbar größter Widersprüchlichkeit beobachten. Der diffuse Zustand zwischen Schuld und Unschuld heißt im österreichischen Rechtssystem Diversion. Bei einem nicht allzu schweren Delikt kann ein Angeklagter einer strafrechtlichen Verurteilung entgehen, wenn er Bußgeld zahlt und „Verantwortung übernimmt“. Es gibt keine klaren Regeln, wie man das macht. August Wöginger hat es so angelegt: „Ich sehe die Sache heute mit ganz anderen Augen.“ Und: „Mit dem heutigen Wissen würde ich das in dieser Form nicht mehr tun. Es tut mir wirklich leid.“ Das klingt eher nach: „Hätte ich gewusst, dass ich erwischt werde, hätte ich es schlauer angelegt.“ Und nicht nach recht viel Verantwortung. Warum das ein Problem ist?

Josef Redl

Josef Redl

ist Redakteur im Wirtschafts-Ressort.