Verbände rechnen mit weiter steigenden Lebensmittelpreisen
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Hausgemachte Teuerung: Wieso die öffentliche Hand die Inflation ankurbelt

Die Inflation ist in Österreich fast doppelt so hoch wie im restlichen Euro-Raum. Die Regierung will mit Hunderten Millionen dagegen vorgehen. Dabei ist die steile Inflationskurve zum Teil von ihr selbst verschuldet.

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Ein Prozent unserer Ausgaben fließt in Wein. Im Restaurant. Das heißt, jede Bürgerin und jeder Bürger gibt durchschnittlich einen von 100 Euro für Weiße Spritzer, ein Achterl Rot oder Prosecco im Gasthaus aus. Zumindest laut der letzten Konsumerhebung der Statistik Austria. Doch seit Corona bekommt man für diesen einen Euro um ein Drittel weniger Wein. Schuld ist die Weininflation: Seit 2020 haben die entsprechenden Preise in der Gastronomie um satte 50 Prozent zugelegt.

Sebastian Koch, Volkswirt am Institut für Höhere Studien (IHS), hat die Inflationszahlen für so ziemlich jedes Nahrungsmittel, jede Dienstleistung, jeden Gebrauchsgegenstand und jeden Brennstoff in seinen Tabellen verarbeitet. Und in so gut wie keiner seiner vielen Hundert Kategorien gab es in den vergangenen Jahren eine Deflation, also einen Preisverfall, der bei den Konsumentinnen und Konsumenten für eine spürbare finanzielle Erleichterung gesorgt hätte. Im November betrug die Teuerung wieder 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das ist der fünfthöchste Wert EU-weit. Im Euro-Raum ist Österreich neben Kroatien (4,2 Prozent) Inflationsspitzenreiter.

Vieles davon ist hausgemacht. Und derzeit sieht es nicht danach aus, dass die Regierung die von ihr angepeilten zwei Prozent Inflation, die von der Europäischen Zentralbank als „gesundes“ Inflationsziel vorgegeben sind, bald erreichen wird. Denn Bund, Länder und Gemeinden stehen vor einer fast unlösbaren Herausforderung: mehr Geld einzunehmen und Gebühren zu erhöhen, um das Budget schneller zu sanieren, was aber die Inflation nach oben treibt. Oder auf Einnahmen zu verzichten und Kosten zu senken, um die Inflation zu drücken. Österreich steckt tief im Inflationsdilemma.

Marina Delcheva

Marina Delcheva

leitet das Wirtschafts-Ressort. Davor war sie bei der „Wiener Zeitung“.