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JOURS FIXES 2012 schaute Sebastian Kurz vorbei (mit den damaligen ORFG-Vertretern von links: Florian Stermann, Larisa Sifkovits, Ludwig Scharinger und Andreas Großschartner).
 

© ÖRFG

Wirtschaft
03/14/2022

Liebesgrüße nach Moskau: Österreichisch-Russische Freundschaft

Die Österreichisch-Russische Freundschaftsgesellschaft war lange eine bunte Kontaktbörse für Leute aus Politik und Wirtschaft. Aus dem Innenleben eines Vereins, der sich neuerdings unsichtbar macht.

von Stefan Melichar, Michael Nikbakhsh

Die Website der Österreichisch-Russischen Freundschaftsgesellschaft, kurz ORFG, ist seit einigen Tagen faktisch stillgelegt. Genaugenommen besteht sie aus kaum mehr als einer Startseite, die eine Friedenstaube und eine Botschaft in deutscher und russischer Sprache zeigt: Man verurteilt den russischen Angriffskrieg auf das Schärfste, spricht den leidtragenden Menschen in der Ukraine das tiefste Mitgefühl aus, ruft zum Frieden auf.

Die "technisch veraltete" Site sei Ende des Vorjahres gehackt worden, lässt ORFG-Generalsekretär Markus Stender, ein Wiener Rechtsanwalt, auf Nachfrage ausrichten. Man arbeite an einem neuen Webauftritt und habe die Site "statisch" gestellt.

Die Zeugnisse des bis vor Kurzem noch regen Vereinslebens sind jedenfalls allesamt verschwunden; so auch die Hinweise auf Organe und Statuten des Vereins.

Eine Gruppe von Russland-Verstehern macht sich unsichtbar.

Die ORFG ist eine im Juni 2000 entstandene Institution, die in den vergangenen zwei Dekaden reihenweise österreichische Politikerinnen und Politiker vieler Couleurs, hohe Beamte, Kammerfunktionäre, Rechtsanwälte, Steuerberater, Manager und Unternehmer verführte.

Bis vor zwei, drei Wochen war der Verein mit Hauptsitz in der Wiener Innenstadt, Vertretungen in mehreren Landeshauptstädten und natürlich in Moskau, ein Tummelplatz für Leute mit Geld, Ambition und/oder guten Verbindungen. Bei der ORFG traf man wie selbstverständlich auf russische Diplomaten, Geschäftsleute, Juristen, Künstler und Politiker.

Die bilateralen Kontakte waren intensiv, die Wiener Botschaft der Russischen Föderation Wien ein wichtiger Partner. Nicht umsonst ist der jeweilige russische Botschafter, derzeit ist das Dmitrij Ljubinskij, traditionell "Ehrenpräsident" der ORFG.

Für den vorliegenden Text hat profil mit öffentlich zugänglichen Daten gearbeitet, zugleich liegen diesem Magazin unveröffentlichte Dokumente aus dem Inneren der ORFG vor, die auch in den Wirecard-Skandal hineinspielen.

Um die Gravitas der Freundschaftsgesellschaft zu verstehen, reicht ein Blick in deren Struktur.

Die Website der ORFG mag zurückgefahren worden sein, anhand des Digital-Archivs "Wayback Machine" werden verwischte Spuren aber wieder sichtbar.

In den vergangenen zwei Dekaden kamen in der ORFG reihenweise Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft zu Ehren. Ein Auszug aus der-sehr langen-Liste von aktiven und ehemaligen Mitgliedern des "Präsidiums" beziehungsweise des "Vorstands" seit dem Jahr 2000:

Ernst Strasser, ehemaliger ÖVP-Innenminister. Christoph Ulmer, Strassers früherer Kabinettschef. Michael Kloibmüller, ehemaliger Sektionschef im Innenministerium, heute Manager, ÖVP-nahe. Andreas Großschartner, Büroleiter von ÖVP-Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP). Harald Mahrer, Wirtschaftskammer-Präsident (ÖVP). Karlheinz Kopf, Wirtschaftskammer-Generalsekretär (ÖVP). Richard Schenz, Ex-OMV-Chef und Wirtschaftskammer-Vizepräsident (ÖVP-nahe).Christoph Matznetter, SPÖ-Abgeordneter und Wirtschaftskammer-Vizepräsident. Stefan Schennach, Bundesrat (einst Grüne, heute SPÖ). Die Rechtsanwälte und Ex-FPÖ-Mandatare Markus Tschank, Johannes Hübner und Peter Fichtenbauer; der SPÖnahe Rechtsanwalt Gabriel Lansky. Der SPÖ-nahe PR-Berater Josef Kalina. Der frühere Wiener SPÖ-Gemeinderat Heinz Hufnagl. Der 2019 verstorbene Raiffeisen-Manager Ludwig Scharinger. ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian. Maximilian Habsburg-Lothringen, Vermögensberater und Winzer. Heinrich Pecina, Investmentberater. Der ehemalige SPÖ-Abgeordnete und Salzburger Arbeiterkammer-Funktionär Johann Maier. Der Brigadier des Bundesheeres Gustav Gustenau. Langjährige politische Akteurinnen und Akteure wie Andreas Schieder und Hannes Jarolim (beide SPÖ),Roman Haider und Barbara Kappel (beide FPÖ),Ruperta Lichtenecker (Grüne).Dazu Ministerialbeamte, Lobbyisten aus der Privatwirtschaft, Honorarkonsule, Leute aus der Industriellenvereinigung, der Stadt Wien, Vertreter von Konzernen wie OMV, Strabag und Vienna Insurance Group.

Nach eigener Darstellung vereinte der Verein zuletzt 326 stimmberechtigte Mitglieder und 6133 "Unterstützer" auf sich. Ein vollständiges Mitgliederverzeichnis war auch in den vergangenen Jahren nicht auf der Vereinssite abrufbar. Es ist aber bekannt, dass unter anderem der frühere FPÖ-Politiker und "Ibiza"-Darsteller Johann Gudenus bei der ORFG andockte.

Auch die Direktoren des 2020 kollabierten deutschen Finanzdienstleisters Wirecard, Markus Braun und Jan Marsalek, mischten mit. Braun, ein Österreicher, sitzt unter Betrugsverdacht in deutscher U-Haft-er bestreitet alle Vorwürfe. Marsalek, auch er Österreicher, ist seit 2020 auf der Flucht, seine Spur verliert sich in Belarus.

Braun und Marsalek waren um 2014 herum zum Klub gestoßen und verfügten über einen besonders exklusiven Zugang-einen, der auch nicht ganz preiswert war. Einfache ORFG-Mitgliedschaften waren für 100 Euro pro Jahr zu haben, der sogenannte Senator-Status allerdings erst ab mehreren Tausend Euro. Nach profil-Recherchen zahlte Wirecard als "Senator" 10.000 Euro pro Jahr.

Auch von anderen Unternehmen kam Geld-im Wege von Mitgliedsbeiträgen und/oder Sponsorings. Die teilstaatliche OMV etwa war von 2010 bis 2020 ORFGMitglied. 2015 übernahm Putin-Fan Rainer Seele das Ruder beim Öl-und Gaskonzern. 2018 wurde die zunächst einfache Mitgliedschaft auf die "Senator"-Kategorie hochgestuft. Darüber hinaus sponserte die OMV mehrere ORFG-Jugendreisen nach Russland. Ebenfalls "Senator" und Sponsor war der Baukonzern Strabag-die Mitgliedschaft wurde 2020 beendet. Eine Auswahl weiterer Firmen, die Mitgliedsbeiträge bezahlten: Lukoil (2007 bis 2020),Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (2006 bis 2016),Swarco (bis 2020),Mondi (bis 2020), Kapsch TrafficCom (bis vor rund sechs Jahren), Pallas Capital (von etwa 2013 bis 2018) und Novomatic. Auf Summen angesprochen, waren manche auskunftsfreudiger als andere. Laut OMV lagen die jährlichen Beiträge zunächst im "niedrigen fünfstelligen Bereich";als "Senator" zahlte man dann mehr, die "Grenze von 10.000 Euro" sei jedoch nicht überschritten worden. Lukoil zahlte nach eigenen Angaben 1000 Euro im Jahr, Swarco 5000 Euro jährlich, die RLB Oberösterreich in zehn Jahren insgesamt nicht ganz 15.000 Euro.

Wie ist die ORFG überhaupt entstanden? Als die Österreichisch-Russische Freundschaft 2000 geschlossen wurde, lag die Wende im Osten kaum zehn Jahre zurück, in der noch jungen Russischen Föderation winkten österreichischen Investoren lukrative Geschäfte. Umgekehrt war in Russland eine neue Kaste reicher Entrepreneure entstanden, die sich beim EU-Mitglied Österreich für allerlei interessierten: Staatsbürgerschaften, Aufenthaltstitel, Firmenbeteiligungen, Immobilien, Kunstgegenstände, Bankkonten, Treuhänder, Schulen für die Kinder, Arztbesuche.

Treibende Kraft hinter dem Projekt war der damals 36-jährige Unternehmer Florian Stermann, ein Spross der Unternehmerfamilie Stermann-Schneider, die den Wiener Taschenhersteller "Schneiders" aufgebaut hat. Stermann ist heute auch geschäftsführender Gesellschafter der Firma, der ORFG diente er bis 2020 als Generalsekretär.

Stermann hatte damals bereits gute Verbindungen zu einem gewissen Ernst Strasser, der seit Februar 2000 für die ÖVP das Innenministerium führte-und von den Perspektiven des Vereins offenbar sehr angetan war. Konsequenterweise war das Innenministerium früh mit von der Partie. Im ORFG-Präsidium nahmen neben Stermann alsbald Ernst Strasser selbst, sein Kabinettschef Christoph Ulmer (auch er später ein Geschäftspartner von Wirecard) und Hermann Feiner, ein hoher Beamter des Innenressorts, Platz.

Neben dem Innenministerium war später auch die Wirtschaftskammer Österreich prominent vertreten.

"Die ORFG war dem Selbstverständnis immer überparteilich, wenn auch nicht unpolitisch, anfangs war das Ganze sehr ÖVP-dominiert, später wurde das politische Spektrum bunter und breiter", sagt ein früheres Präsidiumsmitglied-anonym.

Wenig überraschend wollen manche plötzlich nicht mehr mit dem Verein in Verbindung gebracht werden. "Die Gründungsidee war ja an sich löblich: Österreich sollte die 'russische Seele' besser kennenlernen. Aber natürlich ging es von Anfang an immer auch ums Netzwerken und ums Geschäft."

Das ORFG-Archiv zeugt jedenfalls von einem viel beschäftigten Event-Referat. So gab das Wiener Palais "Kaiserhaus" immer wieder die Bühne für "Jours Fixes" mit interessanten Gästen, unter ihnen Michael Spindelegger, Reinhold Mitterlehner, Siegfried Wolf, Sebastian Kurz, Christoph Leitl, Peter Schröcksnadel, Hannes Androsch, Franz Vranitzky, Heinz-Christian Strache, Rainer Seele, Herbert Kickl, Karin Kneissl und Margarete Schramböck.

2018 zum Beispiel hatte die ORFG gleich ein Dutzend Sausen im Kalender, darunter ein Chor-Konzert, eine Filmpremiere, zwei Kranzniederlegungen, eine Ausstellungseröffnung, ein Straßenfest-und den "Golden Wedding"-Festakt am 4. Juni 2018 anlässlich des 50. Jahrestags der ersten russischen Gaslieferungen nach Österreich, zu welchem Wladimir Putin sich eigens nach Wien verfügt hatte. Für die Feier in der Wiener Hofburg hatte die ORFG von der OMV ein Kartenkontingent erhalten, um so "einigen Mitgliedern die exklusive Teilnahme" zu ermöglichen, wie es in einem profil vorliegenden E-Mail heißt.

Zu ihrem 15-jährigen Bestehen hatte die ORFG im Dezember 2015 ihrerseits ein Fest geschmissen; in der Wiener "Marx-Halle"-Humor hat man. Es gab Video-Grußbotschaften von zwei Außenministern, Sebastian Kurz und Sergej Lawrow. SPÖ-Arbeitsminister Rudolf Hundstorfer und ÖVP-Innenministerin Johanna Mikl-Leitner waren mittendrin statt nur dabei. "Johanna Mikl-Leitner hat es sich nicht nehmen lassen, einen Glückwunschtoast an die ORFG auszusprechen",fasste die Vereinsleitung den Abend zusammen. Zu den künstlerischen Höhepunkten zählte übrigens der Auftritt eines Putin-Imitators.

Als Sponsoren des Events nannte die ORFG unter anderem: Sberbank Europe, Lukoil, Mondi, Kapsch TrafficCom, Pallas Capital, Novomatic, Signa und Wirecard. Laut einer profil vorliegenden Rechnung beteiligte sich allein Wirecard mit 20.000 Euro an der Feier. Lukoil zahlte nach eigenen Angaben 15.000 Euro dazu, Pallas Capital weitere 10.000 Euro.

Als die ORFG ihre ersten 15 Jahre feierte, waren erste Bruchlinien sichtbar geworden, berichten Insider. Zum einen habe die FPÖ zu dieser Zeit begonnen, mehr und mehr Einfluss im Verein geltend zu machen, zum Missfallen einiger Mitglieder. Zum anderen hätten die Krim-Annexion Russlands und die darauffolgenden internationalen Sanktionen 2014 intern für zunehmend hitzige Debatten gesorgt.

Vereinspräsident war damals noch der frühere Chef der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Ludwig Scharinger. Ende September 2014 setzten Scharinger und Stermann namens der ORFG ein für Moskau bestimmtes Schreiben auf-Empfänger: der Kreml-Chef höchstselbst.

"Sehr geehrter Herr Präsident Putin!", schrieben der Vereinspräsident und sein Generalsekretär. "Mit großer Sorge verfolgen wir, wie sich durch die Krise in der Ukraine die europäisch-russischen Beziehungen in gravierender Weise verschlechtern. In den letzten Wochen entstand eine gefährliche Misstrauens-und Sanktionsdynamik." Und: "Getragen von der Überzeugung, dass der Aufbau der österreichisch-russischen Beziehungen von beiderseitigem langfristigem Interesse sind, plädieren wir dafür, gerade in schwierigen Zeiten belastbare Wege einer bilateralen Zusammenarbeit zu suchen."

Was auch immer die Vereinsspitze damit bezweckte. Der Tonfall des Briefs soll nicht jeden in der Freundschaftsgesellschaft erfreut haben.

Ende 2015 trat Scharinger (der da schon lange an den Folgen eines Unfalls in Russland 2013 laborierte) als ORFG-Präsident ab, auf ihn folgte der frühere OMV-Generaldirektor Richard Schenz.

So richtig kompliziert wurde es dann mit dem Auffliegen des Wirecard-Skandals Mitte 2020. Wie sich herausstellte, hatte ORFG-Generalsekretär Stermann engen Umgang mit dem untergetauchten Manager Jan Marsalek (und dessen Assistentin) gepflogen.

Im Mai 2017 zum Beispiel erreichte "Senator" Marsalek ein Schreiben Stermanns: "Anlässlich der Dienstreise von Mag. Wolfgang Sobotka, Bundesminister für Inneres der Republik Österreich, nach Moskau darf die Österreichisch-Russische Freundschaftsgesellschaft (ORFG) Dich herzlich zu einem gemeinsamen Abendessen mit dem Minister einladen",hieß es darin. Ein Foto von Marsalek und Sobotka, grinsend an einem Tisch in Moskau, sorgte später für erheblichen Wirbel in Österreich.

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Die Beziehungen zwischen Stermann und den Wirecard-Leuten reichten jedoch über die Belange der ORFG hinaus. Vorliegenden E-Mails zufolge tauschte man sich über mögliche Projekte in Asien, im Iran und in-wie könnte es anders sein-Russland aus. "Lieber Markus! Lieber Jan! Ich war in den letzten Tagen in Moskau und habe einige interessante Gespräche geführt",schrieb Stermann etwa im März 2014 an Braun und Marsalek. Ein Gesprächspartner sei Präsident einer IT-Firma gewesen. Stermann zählte deren Kunden auf: "Verteidigungsministerium der Russischen Föderation, Russischer Föderaler Sicherheitsdienst, Ministerium für Innere Angelegenheiten der Russischen Föderation, Federal Tax Service von Russland, Spetsstroy Russland, Regierung von St. Petersburg".Beisatz: "Sie verfügen über gute Kontakte zu potenziellen Kunden. Es wurde vereinbart, dass sie sich in den nächsten Tagen überlegen, wo unsere Technologie zum Einsatz kommen könnte, wo sie direkten Zugang haben zu Entscheidungsträgern."

Jan Marsalek stand mit Stermann augenscheinlich auch in Bezug auf eine russische Firma namens Famiko in Kontakt. Hier ergeben sich einige Auffälligkeiten: Als CEO von Famiko agierte demnach ein Mitglied des "erweiterten Vorstands" der ORFG, ein Russe.

Famiko legte zumindest von August 2014 bis Oktober 2017 in ziemlicher Regelmäßigkeit Rechnungen an Wirecard, wobei diese direkt an Marsalek beziehungsweise sein Büro gemailt wurden. Quartalsmäßig verrechnete die russische Firma immerhin 37.500 Euro. Als 2017 die Steuerprüfer von Wirecard den entsprechenden Vertrag sehen wollten, war dieser nicht auffindbar. "Wie können wir denn an diesen Vertrag kommen für die Steuerprüfer ?",schrieb eine Mitarbeiterin Marsaleks an ihren Chef. In der Folge wurde die Geschäftsbeziehung zwischen Wirecard und Famiko vertraglich auf neue Beine gestellt: Famiko sollte nun Wirecard dabei unterstützen, offene Forderungen in Russland einzutreiben. Im April 2018 schrieb der Famiko-Chef in diesem Zusammenhang an Marsalek: "Als Mitglied des Vorstandes der österreichisch-russischen Freundschaftsgesellschaft verfüge ich persönlich über ein umfangreiches Netzwerk in der russischen Privatwirtschaft sowie allen wesentlichen Regierungsstellen."

Welche Leistungen der ORFG-Vorstand und dessen russische Firma bis 2017 für Wirecard erbrachten, geht aus den Dokumenten nicht hervor. Und was hatte Stermann damit zu tun? Entsprechende Anfragen blieben bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Vorliegende Reiseabrechnungen-teilweise über mehrere Tausend Euro-zeigen, dass Stermann bis ins Jahr 2020 für Wirecard unterwegs war. Noch für den 16. Juni 2020 war ein "Termin Florian& Jan" eingetaktet. Ob dieser stattgefunden hat, ist nicht bekannt. Drei Tage später war Wirecard Geschichte und Marsalek auf der Flucht. Für den Funktionär einer Freundschaftsgesellschaft war Stermann jedenfalls erstaunlich gut vernetzt. So fanden Staatsanwälte im "Ibiza"-Verfahren auf dem Handy von Johann Gudenus mehrere Nachrichten von Florian Stermann, der vorgeblich Interna aus dem Innenministerium und dem BVT weitergereicht hatte.

Im Herbst 2020 brach in der ORFG schließlich ein offener Konflikt aus. Bei einer turbulenten Generalversammlung am 15. September wurde das damalige Präsidium um Richard Schenz und Christoph Matznetter abgewählt, die beiden (und mit ihnen einige mehr) verließen daraufhin den Verein. Stermann trat damals nicht mehr als Generalsekretär an, er ist nunmehr einfaches Mitglied.

Seit 2020 fungiert der Vermögensberater und Investor Maximilian Habsburg-Lothringen als ORFG-Präsident, Rechtsanwalt Markus Stender als Generalsekretär. Die neue Führung wolle die Vereinsarbeit nun "so weit wie möglich unpolitisch" anlegen, erklärt Stender-und vergisst nicht zu erwähnen, dass der russische Botschafter dem neuen Präsidium im Vorjahr gratuliert habe.

Gerade jetzt will die Freundschaftsgesellschaft laut Stender "eine Plattform für die Völkerverständigung" sein.

Seit dem Vorjahr hat Österreich übrigens nicht mehr nur eine österreichischrussische Freundschaft. Es gibt deren nunmehr zwei. Im Juni 2021 gründeten Richard Schenz, Christoph Matznetter und einige andere frühere ORFG-Leute ihrerseits einen Verein in Wien: Das Forum Österreich-Russland.

Für manche im Lande kann es einfach nicht genug Russlandliebe geben.