Vamed Engineering: Monatelanger Streit nach Verkauf an Ulrich Marseille
Offiziell war der Verkauf der Vamed Engineering an den deutschen Klinikunternehmer Ulrich Marseille seit April 2025 durch. Doch hinter den Kulissen lieferten sich Marseille und der ehemalige Mutterkonzern Fresenius einen monatelangen Streit über die Auslegung einzelner Klauseln des Kaufvertrages, berichtet das deutsche „Manager Magazin“. Dieser wurde mittlerweile beigelegt, beide Parteien haben sich erst vor wenigen Wochen außergerichtlich geeinigt.
Auf profil-Anfrage bestätigt ein Sprecher von Fresenius, „dass wir das gemeinsame Verständnis bestimmter Vertragsklauseln durch einen Vergleich mit WWH geklärt haben“. Konkret ging es dabei auch um „die bereits von Anfang an vertragsgemäß festgelegte Auflage, dass die Stärkung des Eigenkapitals des von WWH übernommenen Geschäfts durch Fresenius an marktübliche Maßnahmen der Kapitalabsicherung gebunden ist“. Über weitere Details des Vergleichs könne man aufgrund vertraglicher Vertraulichkeit keine Auskunft geben. Dem „Manager Magazin“ gegenüber hatte Fresenius betont, dass sich aus dem Vergleich keine finanziellen Folgen ergeben würden und keine weiteren Zahlungsrisiken bestünden.
Kurz zusammengefasst: Der DAX-Konzern hatte im Frühjahr 2025 das internationale Projektgeschäft an Marseilles Worldwide Hospital Group (WWH) verkauft und sich verpflichtet, bis 2027 für laufende Projekte insgesamt 210 Millionen Euro in mehreren Tranchen nachzuschießen – jedoch nur unter der Prämisse, dass der neue Eigentümer die Überlebensfähigkeit der Vamed Engineering mit Fortführungsprognosen externer Wirtschaftsprüfer belegen kann. Damit das Geld eben nicht umsonst fließt. Denn mit der Auszahlung dieser Gelder soll sichergestellt werden, dass begonnene Krankenhausprojekte weltweit fertiggestellt werden können. Unter welchen Voraussetzungen diese im Detail ausgezahlt werden, dürfte dem Vernehmen nach ein Streitpunkt gewesen sein.
Probleme bei internationalen Projekten
Während sich Marseille und Fresenius hinter den Kulissen einen rechtlichen Streit geliefert haben, mehrten sich Beschwerden über laufende Bauvorhaben, wie profil Anfang November exklusiv berichtete. So wandten sich die Regierungen von Guyana und Trinidad und Tobago mit Hilfeersuchen an das österreichische Außenministerium und ließen Marseille aufgrund ausbleibender Zahlungen per Anwaltsschreiben mit dem Ausstieg aus den Projektverträgen drohen. Die Vorwürfe: Vertragsbruch, Täuschung und Verletzung der Treuepflicht. Dass auch Fresenius von diesen Problemen Bescheid weiß, zeigt der Adressatenkreis: das Anwaltsschreiben aus Georgetown, der Hauptstadt Guyanas, erging auch an zwei Fresenius-Vorstandsmitglieder.
Statt also ein Kinderkrankenhaus in Guyana fertigzustellen, flossen Mitte Juni 500.000 US-Dollar als Anzahlung für einen Bombardier-Langstreckenjet an eine Firma namens „AEROtitle“ in Oklahoma City. Laut Eigenangaben eine Unternehmung, die sich um Treuhandgeschäfte im Luftfahrtverkehr spezialisiert hat. Dies belegen Dokumente, die profil vorliegen.
Zudem befürchten einige im Unternehmen, dass Marseille Gelder aus der Vamed Engineering abzieht und seiner Worldwide Hospital Group (WWH) – die Spitalsschiffe aus Containern für Kriegsgebiete baut – zugutekommen lässt. Darauf deuten zwei Darlehensverträge (Intercompany Loans) hin, abgeschlossen zwischen der Vamed Engineering und einer „Sunshine X GmbH“. Dieses Unternehmen ist dem WWH-Kosmos zuzuordnen. Laut den Verträgen, die profil vorliegen, kann die „Sunshine X“ bis zu 120 Millionen Euro an Geldern abrufen, in mehreren Tranchen zu je 75 und 45 Millionen Euro. Dass bereits 70 Millionen Euro geflossen sind, zeigen Überweisungsbelege, die profil ebenfalls vorliegen und schon Gegenstand umfassender Berichterstattung waren.
Marseilles Anwalt bestreitet sämtliche Vorwürfe. Weder sei eine Kaution für ein Flugzeug bezahlt, noch ein solches gekauft worden. Auch die Darlehensverträge von 120 Millionen Euro würden jeglicher Grundlage entbehren, es gebe keinen Kredit, und Projekte in Südamerika stünden nicht still. Ein Dementi, das den profil vorliegenden Unterlagen widerspricht.
Dass mit dem außergerichtlichen Vergleich alle Probleme vom Tisch sind, gilt nicht als gesichert. Denn: Sollten Projekte nicht wie vereinbart abgeschlossen werden, könnten die Vertragspartner Ausfallgarantien ziehen – und diese liegen dem Vernehmen nach unverändert beim ehemaligen Eigentümer Fresenius, nicht bei Marseilles WWH. Den finanziellen Schaden hätte dann der alte, und nicht der neue Eigentümer.