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Wissenschaft
05/20/2020

profil-Morgenpost: Österreich ist Europameister

Guten Morgen!

von Franziska Dzugan

Österreich ist Europameister. Leider, schon wieder! 2019 wurden hierzulande täglich 13 Hektar Land verbaut, wie das Umweltbundesamt vor Kurzem vermeldete – mehr als in allen anderen Staaten des Kontinents und um zwei Hektar mehr als 2018. Das Coronavirus ließ die Baggerschaufeln kurz ruhen, doch Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck ließ schon bald wissen: Volle Kraft voraus am Bau, nun sei das Ankurbeln der Wirtschaft gefragt. Ähnliche Ansagen der Politik hatten nach der Finanzkrise 2008 einen enormen Flächenfraß ausgelöst: 27 Hektar wertvoller Boden verschwanden im Folgejahr täglich unter grauem Beton.

Das darf nicht noch einmal passieren, sagt die Wissenschaft. Gestern rief der Österreichische Biodiversitätsrat die Regierung auf, die Klimakrise mit gleicher Vehemenz zu bekämpfen wie die Pandemie. Dazu gehört vor allem, den Flächenfraß zu stoppen. Altbausanierung anstatt Neubau auf der grünen Wiese und Ausbau des öffentlichen Verkehrs statt neuer Straßen – das schafft Arbeit für die Baubranche, ohne weitere Grünflächen zu verlieren, so die ForscherInnen Alice Vadrot, Christian Sturmbauer und Franz Essl.

Es gilt die letzten Reste dessen zu erhalten, was der französische Gelehrte Jean-Henry Fabre (1823–1915) in seinen „Erinnerungen eines Insektenforschers“ so eindrucksvoll beschrieb: „Der Riese wird umgeworfen, und der andere zernagt und zerwühlt ihm den Unterleib. Wenn dies in einer höherstehenden Welt geschähe, bekäme man eine Gänsehaut beim Anblick des Laufkäfers, der halb in den dicken Maikäfer eintaucht und ihm die Eingeweide herausreißt.“ Wolfgang Paterno widmet sich im aktuellen profil dem opulenten Wimmelkosmos Fabres, den es heute so nicht mehr gibt. 75 Prozent der Insektenmasse Europas ist verschwunden.

Bis zum letzten Tag seines langen Lebens verlangte Jean-Henri Fabre, dass die Fenster seines sonnendurchfluteten Zimmers offenstanden, damit die summenden Geschöpfe ungehindert ein- und ausfliegen konnten. „Lächle nicht, lieber Leser! Das ist eine sehr ernste, bedenkenswerte Sache. Sich mit dem Tier beschäftigen heißt die beunruhigende Frage erörtern: Wer sind wir? Woher kommen wir?“

In diesem Sinne, haben Sie einen herrlichen Frühlingstag!

Franziska Dzugan

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