Ein Bub steht auf einer Leiter und blickt auf eine Rauchwolke
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Iranischer Regime-Gegner: „Wir sind in diesem Krieg nur Zuschauer“

Um die eigenen Leute vor Strafverfolgung zu schützen, werde das Regime immer weitermachen, sagt Arash aus Teheran. Währenddessen würden die Menschen im Land immer ärmer.

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Der Krieg im Iran – und wie dieser beendet werden könnte – ist jeden Tag Thema in den internationalen Medien. Weniger weiß die Welt darüber Bescheid, wie es den Menschen im Iran geht. profil steht seit Kriegsbeginn in Kontakt mit Arash aus Teheran. Der Schriftsteller ist Ende 40 und heißt in Wahrheit anders. Über seinen gesicherten Kanal schreibt er Nachrichten aus seinem Alltag. 

Dieser ist immer schwieriger zu bewältigen. 

Da sind etwa die Verhaftungen von Oppositionellen und die Hinrichtungen durch das Regime, das seit Kriegsbeginn noch härter gegen seine Gegner sowie gegen Minderheiten im Land vorgeht. Arash hatte bereits im April davon berichtet, im Mai ging die Gewalt weiter. Täglich werde mindestens eine Person exekutiert, schreibt Arash, viele seien sehr jung. Amer Ramesh war 21 Jahre alt, als er am Galgen hingerichtet wurde. 

Über ihn schreibt die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi in den Sozialen Medien: „Die Islamische Republik hat nicht nur einen weiteren unschuldigen jungen Mann getötet. Sie hat eine Zukunft geraubt. Sie hat eine Möglichkeit vernichtet. Sie hat ein Leben genommen.“ In jedem anderen Teil der Welt wäre Ramesh vielleicht Student, auf der Suche nach einem Job oder mit Träumereien beschäftigt. Doch in der Islamischen Republik Iran und in der benachteiligten, mehrheitlich sunnitischen Region Belutschistan, aus der er kam, „kann das Schicksal eines jungen Mannes von Anfang an in Haft, Folter und am Galgen enden“.

„Es ist, als ob jemand vor deiner Tür lauert“

Auch Arash fühlt sich nicht sicher. „Es ist, als ob jemand vor deiner Tür lauert und jederzeit hereinstürzen könnte“, schreibt er. Bei einigen seiner Freunde sei das bereits geschehen.

Während sich Arash Sorgen macht, verlaufen die Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA ergebnislos. Wie geht es ihm mit all den Unsicherheiten? „Wir sind in diesem Krieg nur Zuschauer“, schreibt er. „Wir können nichts ausrichten, und wir haben genug mit der Wirtschaftskrise zu kämpfen.“

Der Iran ist im Grunde genommen zerstört, die harte Arbeit ist getan.

US-Präsident Donald Trump

Die miserable wirtschaftliche Lage belastet den Alltag der Iranerinnen und Iraner wie kaum etwas anderes. Während sich das Regime an die Macht klammert, werden die Menschen immer ärmer.

Als Antwort auf die Schließung der Straße von Hormus durch das iranische Regime lassen die USA seit Mitte April keine Schiffe mehr durch die Meerenge, wenn diese einen iranischen Hafen ansteuern oder die Seestraße von dort wieder verlassen wollen. Seither sind die Preise für Lebensmittel explodiert, im April stieg die Inflation auf mehr als 70 Prozent. 

Importierter Reis ist um 209 Prozent teurer als vor dem Krieg, kostet also mehr als das Dreifache; Nudeln sind um 75 Prozent teurer geworden, Säuglingsnahrung um 71 Prozent und bei Pflanzenöl beträgt die Teuerungsrate mehr als 300 Prozent. Auch Waren, die im Iran produziert werden, seien viel teurer geworden, schreibt Arash. So habe sich etwa der Preis für ein Päckchen iranischer „Bahman“-Zigaretten verdreifacht. 

Einiges sei gar nicht mehr erhältlich, darunter Güter, die aus Kunststoff hergestellt werden. Das deckt sich mit Angaben aus Ländern wie China und Südkorea. In Südostasien werden Engpässe von Waren aus Plastik gemeldet, für deren Herstellung Erdöl benötigt wird. 

Die Teuerung trifft die Einwohnerinnen und Einwohner des Irans doppelt, denn in den vergangenen Monaten ist auch die Arbeitslosenrate explodiert. Laut offiziellen Angaben sind zwei Millionen Menschen ohne Job, die Dunkelziffer dürfte viel höher sein. Über Ersparnisse verfügten die Menschen nicht, sagt Arash. Die Wirtschaft laufe seit Jahren schlecht, und die Mittelschicht sei beinahe verschwunden. 

„Solange der Iran über Öl verfügt, wird das Desaster weitergehen“

Das Regime in Teheran macht keine Anstalten, den Forderungen der USA nachzugeben, dabei sind die Kosten für den Krieg für den Iran hoch. 

Doch auch für die USA läuft es nicht wie erwartet. Anders als US-Präsident Donald Trump behauptet, sind die militärischen Fähigkeiten des Iran alles andere als zerstört. Laut „New York Times“ haben US-Nachrichtendienste die Regierung darüber informiert, dass das Regime wieder Zugang zu den meisten seiner Raketenstützpunkte und anderen unterirdischen Militäreinrichtungen hat. Das betrifft auch jene entlang der Straße von Hormus, von denen aus der Iran Öltanker und amerikanische Kriegsschiffe angreifen kann. 

„Der Iran ist im Grunde genommen zerstört, die harte Arbeit ist getan“, sagte Trump schon kurz nach Kriegsbeginn. Das war, wie sich immer deutlicher zeigt, eine grobe Fehleinschätzung. 

Die Straße von Hormus ist immer noch nicht offen für den Warenverkehr, und von seinen Kriegszielen hat Trump keines vollständig erreicht. Ursprünglich wollte der US-Präsident den Iran daran hindern, jemals Atomwaffen zu entwickeln und seine Verbündeten in der Region zu unterstützen. Das iranische Volk sollte befreit, das Raketenprogramm zerstört werden.

„Solange der Iran über Öl verfügt, wird das Desaster weitergehen“, sagt Arash.

Seit Beginn der US-Blockade in der Straße von Hormus kann der Iran immerhin kaum mehr Öl exportieren, damit ist die wichtigste Finanzierungsquelle für das Land eingebrochen. 

Könnte das die Regierung in die Knie zwingen? 

„Wenn die Machthaber aufgeben, dann riskieren sie, für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen zu werden“, schreibt Arash. Zu dieser Gruppe gehörten nicht nur die politische Führung und die Befehlshaber der Sicherheitskräfte, sondern etwa auch der Oberste Richter des Iran Gholamhossein Mohseni-Esche'i, sagt Arash. „Sie alle wissen, dass ihr Überleben von der Fortsetzung von Krieg und Krise abhängt.

Siobhán Geets

Siobhán Geets

ist seit 2020 im Außenpolitik-Ressort und seit 2025 stellvertretende Ressortleiterin. Schwerpunkt: Europa und USA.