Iranischer Regime-Gegner: „Sie haben uns als Geiseln genommen“
Fast zwei Monate ist es her, dass die ersten Bomben der USA und Israels auf Teheran fielen. Seither steht profil in Kontakt mit Arash, der in Wahrheit anders heißt. Der Schriftsteller weiß die Internetsperre des Regimes zu umgehen. Seine Nachrichten geben einen wertvollen Einblick in die Ängste und Hoffnungen der Menschen im Iran.
Ende März veröffentlicht das renommierte US-Magazin „The New Yorker“ einen Artikel über Arash. In der Geschichte heißt er „Hadi“ und erzählt über seinen Alltag im Krieg. „Ich wollte immer schon für ,The New Yorker‘ schreiben“, sagt er, „jetzt bin ich selbst zum Inhalt der Geschichte geworden.“
Arash hat viel zu tun. Er schreibt Artikel für europäische Zeitungen, trifft Freunde und hilft bei der Kontaktaufnahme zu Angehörigen im Exil. Dann kommen die Feiertage, das persische Neujahrsfest Nouruz, und er fällt in ein Loch. Alles wiederhole sich, schreibt er, der Krieg gehe weiter, er fühle sich entmutigt. „Es geschieht nichts Gutes, und es gibt keine positiven Aussichten.“
Wir haben alle Angst. Wenn die Islamische Republik diesen Krieg überlebt, wird die Lage für uns noch schlimmer.
Mitten im Krieg hat das Regime sein Vorgehen gegen Oppositionelle weiter verschärft. Jeden Tag würden politische Gefangene hingerichtet, schreibt Arash Anfang April. Sieben Männer seien zum Tode verurteilt worden, weil sie in eine Militärbasis der Basidsch-Miliz eingedrungen sein sollen. Die jungen Männer hätten nichts beschädigt und niemanden getötet: „Wieso werden sie hingerichtet?“
Jeden Tag sterben Menschen an den Galgen des Regimes, viele noch keine 20 Jahre alt. Die Familien warteten noch drei Wochen nach den Hinrichtungen auf die Herausgabe der sterblichen Überreste ihrer Angehörigen, schreibt Arash. Grausamkeit sei kein Wort, um all das zu beschreiben.
„Wir haben alle Angst. Wenn die Islamische Republik diesen Krieg überlebt, wird die Lage für uns noch schlimmer.“
Was sagen die Anhänger der Mullahs dazu, dass das Regime junge Leute hinrichtet? Manche hofften, dass die Regierung die Gewalt bald zurückfährt, schreibt Arash, doch die meisten seien pessimistisch. „Die Regierung hat gezeigt, dass sie ein Friedensabkommen mit einem ausländischen Feind vereinbaren kann, doch sie wird keinen Frieden mit den Menschen im Iran schließen.“
Die Bevölkerung sei gefangen, schreibt Arash: „Die Regierung hat uns als Geiseln genommen.“
Er vergleicht das Regime mit Zahhak, dem grausamen König aus der persischen Mythologie, dem täglich junge Menschen geopfert werden. „Er hält uns in seinem Griff, und jeden Tag werden Leute geopfert, um ihn zu befrieden.“ Junge Menschen einem unterdrückerischen Herrscher zu opfern, sei tief in der Geschichte des Landes verwurzelt.
Keine Hoffnung auf rasches Kriegsende
Anfang April wird die Lage für Arash brenzlig. Milizionäre des Regimes dringen in die Wohnung einer Freundin ein, verprügeln sie und nehmen ihren Laptop und ihr Handy mit. Arash hat Angst, dass er als Nächster dran sein könnte. „Trump wird uns heute Nacht bombardieren, auf den Straßen rufen Bewaffnete ,Allahu Akbar‘“, schreibt er. Es sei eine verrückte, sehr beängstigende Situation.
Die Hoffnung auf ein rasches Kriegsende hat er aufgegeben, seine Sorgen wachsen. US-Präsident Trump sagte Anfang April, er werde den Iran zurück in die Steinzeit bomben. Das habe den Menschen am meisten Angst gemacht, schreibt Arash.
Er wisse, dass Trump nie im Sinn hatte, den Menschen im Iran zu helfen, doch er habe gehofft, dass die US-Intervention dabei helfen könnte, die Islamische Republik zu stürzen. „Jetzt hat weder Trump sein Ziel erreicht, noch sind die Menschen im Iran frei.“