Nesrin Abdullah in Tarnkleidung, sie trägt am Arm einen Aufnäher mit der Aufschrift "YPJ" und einem roten Stern.
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Kurdische Kommandantin: „Wir werden Widerstand leisten bis zum Ende“

Die kurdische Kommandantin Nesrin Abdullah harrt in Kobane aus – umzingelt von syrischen Soldaten. profil sprach mit ihr.

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In Syrien herrscht wieder Krieg. Seit Mitte Jänner versucht die islamistisch-geführte Übergangsregierung in Damaskus die von den Kurden gehaltenen Gebiete im Nordosten des Landes zu erobern. Die kurdischen Milizen verloren bereits rund 80 Prozent ihres Territoriums. Regierungstruppen stehen vor den kurdischen Hochburgen – darunter die Stadt Kobanê, direkt an der Grenze zur Türkei. Kobanê und seine rund 50.000 Einwohner sind eingekesselt und von der Außenwelt abgeschnitten.

Dort erreicht profil Nesrin Abdullah per Videocall. Sie ist Kommandantin und Sprecherin der Frauenverteidigungseinheiten (YPJ). Die YPJ, die ausschließlich aus weiblichen Kämpferinnen besteht, ist die zweitgrößte kurdische Miliz in Syrien. Abdullah ist seit der Gründung der YPJ bei der Militäreinheit involviert. Die Frauenverteidigungseinheiten gehören zu den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF), der von den Kurden angeführten Militärallianz in Syrien.

Sie sind in der Stadt Kobanê, die von Truppen der Übergangsregierungen belagert wird. Wie ist die Lage?

Nesrin Abdullah

Es gibt einen Waffenstillstand. Doch immer wieder versuchen Kämpfer der Regierung, einzelne Orte anzugreifen. Momentan ist es still.

Wir werden unser Leben opfern, wenn es notwendig ist.

Nesrin Abdullah

YPJ-Sprecherin

Kobanê ist in einer hoffnungslosen Lage. Die Stadt ist umzingelt. Können kurdische Kämpfer die Stadt langfristig halten?

Abdullah

Wir werden Widerstand leisten bis zum Ende. Wir werden unser Leben opfern, wenn es notwendig ist. Wir sind bereit, alles zu tun, um unser Volk zu schützen. Doch ein schlechter, brüchiger Frieden ist immer besser als ein Krieg.

Eine Karte. SDF-Gebiete in rot, sie sind auf kleine Gebiete an der Grenze zur Türkei geschrumpft.
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Die Regierung hat am 13. Jänner Nordostsyrien angegriffen. Gibt es noch Vertrauen in die Übergangsregierung? Sie behauptet, nicht Krieg gegen die Kurden, sondern gegen das Militärbündnis der SDF zu führen.

Abdullah

Die Regierung spricht von Eroberungen und Kriegsbeute – das ist ein Krieg gegen unsere Kultur und Geschichte. Die Kämpfer der Übergangsregierung agieren genau wie der IS (die Terrororganisation „Islamischer Staat“, Anm). Wir haben gesehen, wie sie Menschen geköpft haben. Falls der Krieg weitergeht, wird er Syrien zerstören. Ich bin sunnitische Muslimin – das ist auch ein Krieg gegen den Islam. Wenn der Prophet Mohammed diesen Krieg sehen würde, würde er ihn verurteilen.

Die Völker Syriens brauchen Sicherheitsgarantien.

Nesrin Abdullah

YPJ-Sprecherin

Die Übergangsregierung stellt den Anspruch, Nordostsyrien zu regieren; die SDF soll in das offizielle Militär eingegliedert werden. Wie realistisch ist das noch?

Abdullah

Die Völker Syriens brauchen Sicherheitsgarantien. Die Regierung muss ihre IS-Methoden beenden. Die Menschen brauchen Vertrauen. Die Regierung hat ihnen dieses Vertrauen noch nicht gegeben.

Frauen posieren mit AK-47er. Links ein Frau in Militäruniform.
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Die kurdische Autonomieregierung rief zur „Generalmobilmachung“ auf und verteilte Waffen.

Auch weibliche Kämpferinnen sollen dann Teil des Heeres werden. Ist das für Ihren Militärverband, die Frauenverteidigungseinheiten (YPJ), akzeptabel?

Abdullah

Wir sind Teil der SDF (das kurdisch angeführte Militärbündnis in Syrien, Anm.). Wir werden das tun, was von uns verlangt wird. Aktuell verhandelt die SDF noch. Es ist noch unklar, wie eine Integration ablaufen soll. Wir werden in unseren Gebieten bleiben, um die Bevölkerung dort weiter zu schützen.

Update

Die Übergangsregierung Syriens und die SDF, das Militärbündnis der Kurden, einigten sich am Freitag auf ein Abkommen. Drei kurdische Verbände und eine zusätzliche Brigade aus Kämpfern aus Kobanê sollen in das syrische Heer eingegliedert werden. Das Interview mit Nesrin Abdullah wurde vor dieser Entwicklung geführt. Aktuell (Stand: 30.1.2025, 12:00) ist noch unklar, ob die Frauenverteidigungseinheiten YPJ ebenfalls in die Armee der Übergangsregierung integriert werden sollen.

Raphael  Bossniak

Raphael Bossniak

ist seit Juli 2025 im Außenpolitik-Ressort. Davor freier Journalist für APA, Kurier und die deutsche Nahostfachzeitschrift zenith. Schwerpunkt Nahost / Kaukasus / Osteuropa.