Russische Drohnen, Desinformation, Sabotage: Warum Polen gegen Moskau rüstet
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Die Anleitung für den Ernstfall liest sich, als stünde ein russischer Angriff auf Polen unmittelbar bevor. Fast 50 Seiten umfasst der Sicherheitsleitfaden, den die polnische Regierung im vergangenen Dezember an knapp 17 Millionen Haushalte geschickt hat. Erklärt wird den Einwohnerinnen und Einwohnern Polens darin, wie sie sich im Falle des Falles verhalten sollen. Bei einem Blackout zum Beispiel, einer Umweltkatastrophe – oder eben einem militärischen Angriff Russlands. Was muss unbedingt in den Evakuierungsrucksack? Wo versteckt man sich bei einem Luftangriff? Und welche Lebensmittel sollte man zu Hause vorrätig haben? Das Heft erweckt fast den Eindruck, als stünden Moskaus Soldaten schon an der Grenze.
Am 24. Februar jährte sich der Krieg in der Ukraine zum vierten Mal. Mehr als 15.000 ukrainische Zivilisten kamen bisher ums Leben, im Kampf wurden 100.000 bis 140.000 ukrainische Soldaten und schätzungsweise 325.000 russische Soldaten getötet, Hunderttausende weitere wurden verletzt oder gelten als vermisst. Der russische Angriff hinterlässt nicht nur in der Ukraine tiefe Narben. Er stiftet auch Unruhe in Europa, beeinflusst Wahlen, treibt Preise für Energie und Lebensmittel nach oben und sorgt für ein Gefühl von Angst und Verunsicherung. Millionen Menschen in Europa stellen sich die Frage: Wird mein Land das nächste sein, das Putin angreift?
In Polen, einem NATO-Staat und Nachbarland der Ukraine, Belarus und Russlands, ist diese Angst präsenter denn je: „Die Ereignisse seit dem Frühling 2022 zeigen, dass die russische neoimperiale Politik massiv und brutal Gewalt einsetzt und damit die schlimmsten Befürchtungen der östlichen NATO-Flanke bestätigt – Ängste, die im westlichen Europa zunehmend angezweifelt und debattiert wurden“, sagt Marek Świerczyński, leitender Analyst für Sicherheitsangelegenheiten der Denkfabrik Polityka Insight in Warschau.
Polnischer Soldat bei Militärübung
© Wojtek RADWANSKI / AFP
Polnischer Soldat bei Militärübung
Putin beweist stets aufs Neue, dass die Ängste und Befürchtungen, die in Polen allgegenwärtig sind, keineswegs unbegründet sind. Am 9. September 2025 drangen fast zwei Dutzend russische Kamikazedrohnen in den polnischen Luftraum ein. Mindestens acht konnten die polnische Luftwaffe und weitere NATO-Luftstreitkräfte abschießen, verletzt wurde niemand. In den polnisch-russischen Beziehungen markierte die Grenzüberschreitung eine Zäsur. „Alle unsere Alliierten betrachten die Situation als sehr ernst“, sagte Ministerpräsident Donald Tusk nach der Drohneninvasion. Immerhin sei es das erste Mal, dass es zum Abschuss russischer Drohnen über dem Territorium eines NATO-Staates kam.
Zwei Monate später folgte der nächste Angriff: Agenten in mutmaßlich russischem Auftrag verübten einen Sprengstoffanschlag auf eine strategisch wichtige Bahnstrecke in Polen. Ermittler identifizierten zwei Verdächtige: ukrainische Staatsbürger, die laut Tusk seit Längerem mit dem russischen Geheimdienst zusammengearbeitet hätten.
Hinzu kommen Hacker- und Cyberangriffe auf die Infrastruktur des Landes. Ende Dezember 2026 versuchten mutmaßlich staatliche Hacker des Kremls, die Systeme in einem Kraftwerk sowie von 30 Solar- und Windparks zu manipulieren, um einen Stromausfall auszulösen – der polnische Geheimdienst nahm acht verdächtige Saboteure fest. Der russische Geheimdienst GRU soll im April 2025 „Wegwerfagenten“, also Personen, die keine offiziellen Mitarbeiter eines Geheimdienstes sind, beauftragt haben, Pakete mit Brandsätzen zu verschicken – zwei dieser Pakete sollten nach Polen verschickt werden.
Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko lockt zudem seit 2021 Migranten aus Krisenstaaten an die EU-Außengrenze zu Polen. Polen reagierte darauf mit einem Grenzzaun und Truppenverstärkungen. Lukaschenko wird vorgeworfen, Migration als „Waffe“ einzusetzen, um die EU unter Druck zu setzen.
Mit seiner 526 Kilometer langen Grenze zur Ukraine ist Polen deren wichtigster Verbündeter. Waffenlieferungen und Hilfsgüter passieren das Land auf dem Weg ins Kriegsgebiet, und für Geflüchtete ist Polen die erste Anlaufstelle in der EU. Mit hybriden Aktionen wie dem Drohnenschwarm, Angriffen auf die Infrastruktur und Cyberattacken will Putin verunsichern und Angst und Schrecken verbreiten. Ministerpräsident Tusk reagiert darauf vor allem mit militärischer Absicherung. Rund 40.000 Soldaten wurden an die Grenze zu Belarus im Osten und entlang der russischen Exklave Kaliningrad stationiert. Seitdem ist es zu keinem weiteren Angriff gekommen.
Am 10. Februar verkündete der Verteidigungsminister und stellvertretende Ministerpräsident Władysław Kosiniak-Kamysz auf einer Pressekonferenz, dass Polen eine massive Aufrüstung seiner Streitkräfte plant. Ziel ist eine Berufsarmee von 300.000 ständig einsatzbereiten Soldaten und 500.000 Reservisten, die im Krisenfall sofort mobilisiert werden können. Derzeit verfügt Polen über etwa 200.000 bis 250.000 aktive Soldaten.
Während Deutschland über eine Wiedereinführung der Wehrpflicht diskutiert, setzt man in Polen auf Freiwilligkeit – und eine breite gesellschaftliche Teilhabe bei der militärischen Abschreckung. Die Regierung verschickt längst nicht nur Infobroschüren an Haushalte, sondern organisiert auch Trainings für Freiwillige sowie für Schülerinnen und Schüler. Dort lernt man etwa, wie man sich im Fall eines Drohnenangriffs verhält, Erste Hilfe leistet oder wie man ein Gewehr bedient.
Geprägt von Kriegen und Krisen
Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Einwohner Polens mit dem Ernstfall befassen müssen. Im 20. Jahrhundert war das Land erst Opfer des Angriffskrieges von Hitler-Deutschland und Russland und nach der Befreiung durch die Rote Armee Schauplatz stalinistischer Gewalt und Unterdrückung – ein direkter Übergang von einer Diktatur zur nächsten.
Heute ist das alte Warschau nicht mehr wiederzuerkennen. Die Stadt ist geprägt von Wolkenkratzern und gilt als Tech-Hub in Zentraleuropa, als polnisches „Silicon Valley“.
Wie kam es zu diesem Wandel?
Nach dem Beitritt zur Europäischen Union im Jahr 2004 erreichte Polen dank EU-Fördermitteln erstmals echten, nachhaltigen Wohlstand. Polnische Emigranten, die während des Sozialismus oder nach der EU-Osterweiterung nach Großbritannien, Deutschland oder Österreich auswanderten, kehrten zurück, weil die wirtschaftliche Lage in der Heimat ein besseres Leben versprach als im Ausland. Die Arbeitslosenquote lag 2025 (laut EU-Kommission) bei gerade einmal 3,2 Prozent – in Österreich waren es 5,8 und in Deutschland 3,8 Prozent. Das Wirtschaftswachstum betrug 2025 (laut EU-Kommission) 3,2 Prozent – einer der besten Werte innerhalb der EU.
Polen ist nicht mehr das arme Land des Ostblocks, das junge Leute in Scharen verlassen. Paradoxerweise brachte der wirtschaftliche Rückstand durch die Planwirtschaft einige Vorteile: „Das Aufholen des wirtschaftlichen Rückstands in den Neunzigern und zu Beginn des 21. Jahrhunderts ermöglichte es Polen, sein Wirtschaftswachstum zu beschleunigen und die Entwicklungslücke zu nutzen, um einen bedeutenden technologischen Wandel, etwa im Bankwesen oder in der Telekommunikation, zu erreichen“, sagt Dorota Niedziółka von der Wirtschaftsuniversität in Warschau. „Die steigende Verbrauchernachfrage und Infrastrukturinvestitionen haben dazu geführt, dass die negativen Folgen der Finanzkrise von 2008 deutlich geringer ausfielen.“ Auch in der aktuellen Wirtschaftskrise, die westeuropäische Länder wie Österreich und Deutschland hart trifft, bleibt Polens Wirtschaft vergleichsweise robust. „Die geopolitische Lage, die Marktgröße, das Vertrauen und die Rolle, die Polen in diesem Teil Europas spielt, bieten deutlich größere Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung“, sagt Niedziółka. Manchmal seien es die Nachzügler, die Fehler der anderen vermeiden und so den größeren Erfolg erzielen.
Polen hat mehr Geld und kann somit auch mehr ausgeben – etwa für Rüstung.
Im Jahr 2025 hat das Land 4,7 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts in Rüstung investiert, damit ist Polen relativ gesehen Spitzenreiter innerhalb der NATO-Staaten. Gekauft wurden Hunderte Panzer und gepanzerte Fahrzeuge aus den USA und aus Südkorea, fast 650 Panzerhaubitzen und 288 Mehrfachraketenwerfer. Für die Luftverteidigung wurden neue Kampfflugzeuge, Apache-Hubschrauber sowie Patriot-Flugabwehrraketensysteme beschafft, am Wasser möchte man sich mit neuen U-Booten und Fregatten verteidigen.
In Polen ist man sich einig: „Um den Frieden zu bewahren, muss man auf den Krieg vorbereitet sein.“ Der Satz fällt in Gesprächen mit Experten und Einwohnern immer wieder.
Die geopolitische Lage, die Marktgröße, das Vertrauen und die Rolle, die Polen in diesem Teil Europas spielt, bieten deutlich größere Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung.
Dorota Niedziółka,
Wirtschaftsprofessorin, SGH (Wirtschaftsuniversität Warschau)
Vorbereitet auf den Ernstfall
Dass sich die Vorbereitung auf das „Worst-Case-Szenario“ auszahlt, weiß auch Bartosz Cichocki. profil trifft den ehemaligen polnischen Botschafter in der Ukraine im 27. Stock eines Wolkenkratzers im Zentrum von Warschau. Nach Beginn des russischen Angriffskrieges blieb er in Kyjiw, erlebte die ersten Tage und Wochen im Ausnahmezustand.
Verbündete der Ukraine, vor allem die USA, hatten schon Ende 2021 vor einer bevorstehenden russischen Invasion gewarnt. Cichocki und sein Team begannen im Herbst, sich auf den Ernstfall vorzubereiten. Sie ordneten die Archive, vernichteten Dokumente und füllten Treibstoffvorräte auf. Man ging davon aus, dass es kein Internet, kein Fernsehen und kein Telefonnetz geben würde. Es wurden Evakuierungslisten angefertigt. „Natürlich hat der Krieg einige Überraschungen mitgebracht, aber irgendwie waren wir vorbereitet“, sagt Cichocki.
In den ersten Tagen nach Kriegsbeginn herrschte in Kyjiw Chaos: Menschen verließen die Stadt in Scharen, sorgten für kilometerlange Staus auf den Autobahnen, am Himmel das Surren der Drohnen. „Das erinnerte mich an die Bilder aus dem Zweiten Weltkrieg und den Warschauer Aufstand“, sagt Cichocki, der selbst gebürtiger Warschauer ist.
Wenige Tage später begriffen Cichocki und sein Team, dass Kyjiw nie wieder so sein würde wie früher: „Eine Woche nach der Invasion waren nur noch drei von uns übrig. Wir standen oft auf dem Balkon und schauten voller Staunen auf eine Stadt, so groß wie Berlin, die völlig verlassen schien.“ Jeden Abend schlossen sich der Botschafter und seine Mitarbeiter im Keller der Vertretung ein, in der Früh gingen sie nach oben auf die Straße und sahen nach, ob russische Soldaten die Botschaft in der Nacht eingenommen hatten. „Ich habe lange Zeit mit Straßenkleidung geschlafen, sogar mit Schuhen, weil ich damit rechnete, dass ich mitten in der Nacht aufstehen, zum Auto rennen und die Botschaft verlassen muss“, sagt Cichocki. Doch am Ende habe er sich auch an den Krieg gewöhnt.
„Das erinnerte mich an die Bilder aus dem Zweiten Weltkrieg und den Warschauer Aufstand“,
Bartosz Cichocki, Ex-Botschafter in der Ukraine, über die ersten Tage nach Kriegsbeginn 2022.
Auf der anderen Seite der Grenze, in Cichockis Heimat Polen, kamen schon in den ersten Tagen nach Beginn der russischen Invasion Hunderttausende Flüchtlinge an. Fast zehn Millionen Menschen sind laut UNHCR seit Kriegsbeginn aus der Ukraine geflohen. Rund 6,4 Millionen sind in Europa registriert, Polen nahm ungefähr eine Million Geflüchteter auf. Innerhalb der EU ist Polen der Ukraine sprachlich, geografisch und kulturell am nächsten. Außerdem lebten bereits vor dem Krieg etwa eine Million ukrainische Staatsbürger in Polen – sie machten die größte Ausländergruppe aus.
Als im Februar 2022 die ersten Ukrainer die Grenze überquerten, wurden sie mit offenen Armen empfangen – auch von der damaligen rechtskonservativen PiS-Regierung (Prawo i Sprawiedliwość; Recht und Gerechtigkeit), die äußerst asyl- und ausländerfeindlich agiert. „Es geht um die Freiheit Europas. Um unsere Freiheit. Deshalb haben wir uns als Nation und als Staat auf die Seite der Opfer der russischen Aggression gestellt“, schrieb der damalige PiS-Ministerpräsident Mateusz Morawiecki ein Jahr nach Kriegsbeginn in einem Medienbeitrag. Polen half Flüchtlingen, schickte militärische Unterstützung und trat der europäischen Koalition der Willigen bei, die der Ukraine verstärkte Hilfe bei der Verteidigung gegen Russland zusagen und auch bereit sind, nach Kriegsende Friedenstruppen zu stellen.
Das Land war stolz darauf, seinem Nachbarn in Not zu helfen.
Vier Jahre nach Kriegsbeginn wird das Freundschaftsband brüchig. Verantwortlich dafür ist vor allem Russlands hybrider Krieg, auf den Polen nicht ausreichend vorbereitet war. Mit gezielter Stimmungsmache und Desinformationskampagnen gelang es dem Kreml, die Solidarität gegenüber den Ukrainern zu untergraben. So finden sich etwa unter den Social-Media-Beiträgen der Regierung zum Thema Ukraine eine Vielzahl feindseliger Kommentare. Wieso man Kyjiw so viel gebe, wird da gefragt, ob man etwa Teil der ukrainischen Regierung sei, ob Ukrainer wichtiger wären als die eigenen Leute. Verbreitet werde diese Propaganda größtenteils von russischen Bots oder Menschen, die im Auftrag des Kremls agieren, sagt Świerczyński von der Denkfabrik Polityka Insight.
Wenige Stunden nach dem Drohnenangriff streuten russische Trolle auf Social Media falsche Narrative, wonach die ukrainische Luftabwehr die Drohnen absichtlich in den polnischen Luftraum gelassen hätte oder die Drohnen gar ukrainischer Herkunft seien. Polnische Experten entlarvten die Fake News als bewusst verbreitete russische Propaganda.
Die Regierung setzt keine Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Desinformationskampagnen, denn sie scheint zu glauben, dass die Wahrheit sich selbst verteidigen wird. Aber die Wahrheit kann sich heutzutage nicht mehr verteidigen, weil die Lüge stärker ist.
Marek Świerczyński
Denkfabrik Polityka Inside
„Die Regierung setzt keine Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Desinformationskampagnen, denn sie scheint zu glauben, dass die Wahrheit sich selbst verteidigen wird“, kritisiert Świerczyński. „Aber die Wahrheit kann sich heutzutage nicht mehr verteidigen, weil die Lüge stärker ist.“ Während Polen massiv in Aufrüstung investiert, scheint es auf den Propagandakrieg keine Antwort zu finden.
Sinkende Solidarität
Die Desinformationskampagnen des Kremls wirken, wie eine Studie des staatlich finanzierten Mieroszewski Zentrums zeigt. Das Forschungsinstitut hat die Stimmung in Polen gegenüber der Ukraine in einer repräsentativen Umfrage untersucht. Während vor dem 24. Februar 2022 noch
43 Prozent der Befragten ein positives Bild von Ukrainern in Polen hatten, waren es 2025 nur noch 39 Prozent. Die negative Haltung der Befragten stieg von 21 Prozent auf 35 Prozent. Im Jahr 2024 waren 54 Prozent der Befragten für eine militärische Unterstützung der Ukraine, im November 2025 hingegen nur noch 44 Prozent.
Die Empathie der Polen gegenüber ihrem Nachbarn schrumpft, das sieht man auch an den Ergebnissen der Präsidentschaftswahlen im Juni 2025. Im ersten Wahlgang erlangten die rechtsextremen Kandidaten Sławomir Mentzen von der Konfederacja (Konföderation) und Grzegorz Braun von der Partei Konfederacja Korony Polskiej (Konföderation der polnischen Krone) 14,8 beziehungsweise 6,3 Prozent. Beide Politiker sind für ihre EU-feindliche, antisemitische, antiukrainische und teils prorussische Haltung bekannt. Zwar schafften es weder Mentzen noch Braun in die Stichwahl, doch der Einfluss rechtsextremer Parteien wird in Polen immer größer – vor allem bei jungen Wählern, die 2025 mehrheitlich für Mentzen stimmten.
Seit vier Jahren führt Russland einen großangelegten Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Nächstes Jahr wird in Polen wieder ein neues Parlament gewählt. Aktuelle Umfragen zeigen: Den größten Zuspruch erhält zwar immer noch Tusks Mitte-links-Bündnis Koalicja (Koalition). Doch die rechtsextremen Parteien Konfederacja und Konfederacja Korony Polskiej legen zu, während die rechtskonservative PiS schwächelt. Beobachter halten es für möglich, dass die drei rechten und rechtsextremen Parteien nach den Wahlen eine Koalition bilden.
Was würde das für die Ukraine und die Europäische Union bedeuten?
Im Ernstfall den Verlust eines wichtigen Verbündeten durch Polens Annäherung an das russische Regime. In ihrem Kampf gegen Moskaus Truppen ist die Ukraine auf Hilfe aus Europa angewiesen – umso mehr, seit die USA unter Präsident Donald Trump ihre Unterstützung für die Ukraine stark reduziert haben.
Im vergangenen Jahr starben so viele ukrainische Zivilisten wie noch nie, laut Vereinten Nationen waren es mehr als 2500. Experten befürchten, dass 2026 nicht das letzte Kriegsjahr sein wird. „Einerseits hat die Ukraine bereits gewonnen, denn es wird den Russen nicht gelingen, sie in ein zweites Belarus zu verwandeln. Andererseits sind die ukrainische Wirtschaft und Gesellschaft so traumatisiert, dass es sehr schwierig sein wird, die für eine Annäherung an die EU notwendigen, aber mit Opfern verbundenen Reformen durchzusetzen“, fasst Cichocki zusammen. Es gehe darum, bewusst zu machen, dass diese Reformen notwendig sind, um ein investitionsfreundliches Klima zu schaffen, das die Ukraine für einen Wiederaufbau braucht.
Die Ostflanke Europas bröckelt – und mit ihr die Zukunft eines vereinten, friedlichen Kontinents.
Mitfinanziert von der Europäischen Union. Die Autorin trägt die alleinige Verantwortung für den Inhalt der Veröffentlichung. Weder die Europäische Union noch die Förderorganisation haften dafür.
Natalia Anders
ist seit Juni 2023 Teil des Online-Ressorts und für Social Media zuständig.