Eine Person trägt ein rotes Shirt mit der Aufschrift "Yankee Go Home" und dem durchgestrichenen Konterfei von Donald Trump, dahinter eine Venezuela-Flagge
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Was passiert, wenn Trump in Venezuela einmarschiert?

US-Kriegsschiffe ankern vor Venezuelas Küste. Was passiert, wenn die ersten Bomben fallen? Kann Trump diesen Krieg gewinnen?

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„Wir müssen alles für den Frieden tun. Wie es John Lennon immer gesagt hat, oder?“, ruft Nicolás Maduro einer Menschenmenge zu. Die Friedenshymne „Imagine“ des Ex-Beatles-Musikers dröhnt durch die Lautsprecher. Der in Venezuela autoritär regierende Maduro fängt an zu schnippen, dann singt er schief mit. „Was für ein wunderschönes Lied. Für die Jüngeren: Googelt den Liedtext“, murmelt Maduro bedeutungsschwanger ins Mikrofon „es ist John Lennons Geschenk an die Menschheit.“

Venezuelas Präsident versucht zu überspielen, dass sein Land am Rand eines Krieges steht. Vor der Küste ankern US-Kriegsschiffe, darunter auch der Flugzeugträger „Gerald R. Ford“, eine 330 Meter lange Kriegsmaschine. Kampfjets und Bomber kreuzen nahe von Venezuelas Luftraum. Es ist der bisher größte Militäraufmarsch in der Karibik im 21. Jahrhundert. „Ich schließe nichts aus, wir müssen uns um Venezuela kümmern“, sagte US-Präsident Donald Trump Mitte November.

Luftaufnahme eines Flugzeugträgers auf hoher See, daneben links ein kleineres Schiff.
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Bringen die USA ihre Truppen für einen Angriff in Stellung? Caracas glaubt längst nicht mehr an ein bloßes Säbelrasseln der Amerikaner: Neben Autobahnen liegen Panzersperren aus Beton, und Kommandanten der Miliz bringen Zivilisten bei, wie man eine Kalaschnikow abfeuert. Venezuelas Militär rüstet sich für einen unmöglich zu gewinnenden Krieg gegen die größte Militärmacht der Welt. Wie realistisch ist eine US-Invasion? Was passiert, wenn die ersten Bomben fallen – wird Venezuela wieder zur Demokratie oder versinkt das Land im Bürgerkrieg?

Er ist der Architekt von Trumps Showdown mit Venezuela: US-Außenminister Marco Rubio. Der Sohn kubanischer Einwanderer führt seine Wahlkämpfe mit dem Image eines strammen Antikommunisten und lobbyiert seit Langem für den Sturz mehrerer linksautoritärer Regime in Südamerika, neben Venezuela auch Kuba und Nicaragua. Unter Rubios Stammwählerschaft in Florida – unter ihnen viele Flüchtlinge aus Kuba – kommen die Hardliner-Positionen des Neo-Konservativen gut an.

Ein Mann (Marco Rubio) verlässt gerade ein Flugzeug, dahinter ein Siegel mit US-Adler.
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Will Maduro stürzen: US-Außenminister Marco Rubio

Doch das populistische „Make America Great Again“-Lager, immerhin Trumps Machtbasis, ist skeptisch: Nach Kriegen im Irak und in Afghanistan wollen sie keine neuen kostspieligen Konflikte beginnen, dafür hat Trump selbst die Hand ins Feuer gelegt. „Ich werde keine Kriege beginnen, ich werde Kriege beenden“, versprach er noch vor einem Jahr.

Raphael  Bossniak

Raphael Bossniak

ist seit Juli 2025 im Außenpolitik-Ressort. Davor freier Journalist für APA, Kurier und die deutsche Nahostfachzeitschrift zenith. Schwerpunkt Nahost / Kaukasus / Osteuropa.