Kaiser und Fellner
Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) und Landesrat Daniel Fellner (SPÖ) beim Parteitag der SPÖ Kärnten am 20. September 2025.
Daniel Fellner: „…dann bin ich halt Populist“
Daniel Fellner wurde noch nicht zum Landeshauptmann gewählt und schon soll er etwas ermöglicht haben, das mit Peter Kaiser nie gegangen wäre: Auch Kärnten hat jetzt eine eigene Hausordnung für Asylwerber. Die ÖVP wollte eine solche schon länger. Konnte sie mit Landeshauptmann Kaiser, 67, aber nicht durchsetzen. Erst durch den Machtwechsel – Daniel Fellner übernahm im Herbst die Landes-SPÖ – wurde eine solche symbolische Maßnahme möglich. So erzählt man das zumindest in der Kärntner ÖVP.
Kommende Woche tritt Kaiser auch als Landeshauptmann zurück, Fellner wird am 7. April vom Landtag als Nachfolger gewählt werden. Steht das Land damit vor einem Richtungswechsel?
Mit dem 49-jährigen ehemaligen Notfallsanitäter und Noch-Landesrat für Asyl, Katastrophenschutz und Gemeinden übernimmt jedenfalls einer, der immer wieder mit Aussagen aufgefallen ist, die Kaiser nie getätigt hätte. Fellner sagte einst, dass er Windräder hasse. Am Aschermittwoch meinte er, seine eigene Partei sei in der Asylthematik mit erhobenem Zeigefinger durchs Land gezogen und habe den Menschen erklärt: „So dürft ihr nicht denken“.
Auch innerhalb der SPÖ positionierte er sich in der Nähe vom Burgenländer Hans Peter Doskozil, dem Steirer Max Lercher und dem Niederösterreicher Sven Hergovich. Also jenem Flügel, der in der SPÖ wahlweise als rechts oder realistisch bezeichnet wird. Fellner sprach sich im Vorfeld des SPÖ-Bundesparteitages offen für einen Gegenkandidaten zu Andreas Babler aus und saß mit Christian Kern gemeinsam bei Michael Ludwig, um dessen Chancen für eine mögliche Kandidatur auszuloten.
All das hätte der besonnene, meist staatsmännisch auftretende und auf Kompromiss bedachte Peter Kaiser so wohl nicht gemacht.
Eine andere Sprache
Er habe eine andere Art, Dinge zu kommunizieren als sein Vorgänger, gibt Fellner im Gespräch mit profil zu: Er spreche flapsiger als Kaiser und sage eben, was er sich gerade denke. „Ich spreche so, dass mich jeder versteht. Wenn das Populismus ist, dann bin ich halt Populist.“
Manches würde er, der im Gegensatz zu Kaiser mit breitem Dialekt spricht, im Nachhinein dann aber doch lieber anders formulieren. Bei seiner Aussage über Windräder hätte er etwa persönliche Befindlichkeiten in den Vordergrund gestellt. Privat finde er sie aber immer noch „grausig“ und meint, dass sie das Landschaftsbild stören würden, vor allem, wenn sie genau an der Bergkante stehen und überhaupt verstehe er nicht, warum sie nicht da gebaut werden, wo eh schon Gebirgsstraßen sind.
Bei dem Thema wird Fellner emotional.
„So bin ich eben“, sagt er selbst. Und so will er auch bleiben: Es sei eine seiner Sorgen, dass er sich „wegen der Bürde des Amtes“ verändere.
Fellner hat Respekt vor dem Amt, steht aber auch unter Druck, weil die FPÖ die SPÖ bei den Landtagswahlen 2028 überholen könnte.
Kein Dauerquerulant
Dass Fellner deshalb der nächste Dauerquerulant in der SPÖ wird, dafür gibt es derzeit keine Anzeichen: Im Gegensatz zu Doskozil, Lercher und Hergovich blieb Fellner in den Bundesgremien. Auch dass Fellner eine Koalition mit der FPÖ nach den Landtagswahlen 2028 nicht ausschließt, verwundert in der Bundespartei nicht sonderlich.
Fellner verweist darauf, dass selbst Kaiser vor Wahlen nie Koalitionsvarianten ausgeschlossen und nachher Gespräche mit allen Parteien geführt hat. Bei Kaiser habe eine Koalition mit der FPÖ allerdings nie jemand für möglich gehalten, räumt Fellner selbst ein.
Die Koalitionsfrage
Eine rot-blaue Koalition sei mit ihm „wahrscheinlicher geworden“, sagt auch Politikwissenschafterin Kathrin Stainer-Hämmerle – so die SPÖ überhaupt wieder auf Platz 1 landet.
Die Politologin erwartet unter Fellner einen neuen Politikstil: Kaiser sei für Kärnten „außergewöhnlich links“ gewesen. Nach Jörg Haider habe das funktioniert, nun sei die Stimmung wieder eine andere.
Fellner müsse außerdem sein Profil erst schärfen, was zu Querelen in der Koalition führen könnte. Denn auch ÖVP-Landeschef Martin Gruber, der sich neben „Landesvater“ Kaiser schwertat, könnte sich nun behaupten wollen, so Stainer-Hämmerle.
ÖVP und FPÖ in den Startlöchern
ÖVP-Landesgeschäftsführer Markus Keschmann versucht es bereits im Gespräch mit profil: „Wir erwarten uns, dass die Strukturreformen fortgesetzt werden, Fellner muss jetzt beweisen, dass er arbeiten will.“ Die Hausordnung für Asylwerber sei aber ein erstes positives Zeichen gewesen.
Auch die FPÖ sieht nun ihre Stunde gekommen: „Fellner ist besiegbar“, sagt der ehemalige FPÖ-Politiker und Haider-Sprecher Stefan Petzner zu profil. Herbert Kickl werde beim Wahlkampf in Kärnten ordentlich mitmischen. Dass Fellner auf FPÖ-Themen setzt, würde vor allem den Blauen nützen, glaubt Petzner. Das Beispiel Doskozil erzählt eine andere Geschichte.
Der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Christian Ragger, der wie Fellner aus dem Lavanttal stammt und diesen seit Jahren kennt, findet für einen Blauen ungewöhnlich freundliche Worte: „Nichts Schlechtes“ könne er über Fellner sagen. Er hofft, dass eine Zusammenarbeit mit den Roten in Kärnten nun wieder möglich werde. Kein Wunder, dass die FPÖ gute Erinnerungen an die Chianti-Koalition mit der SPÖ hat. Damals stellten die Blauen (und später das BZÖ) mit Jörg Haider den Landeshauptmann.
Dass sich Fellner alle Möglichkeiten offenhält, kann allerdings auch rein taktische Gründe haben. Er betont im Gespräch mit profil jedenfalls, wie wichtig ihm der Umgang mit der slowenischen Minderheit sei, wie er sich selbst bemühe, „wenigstens ein paar Worte auf Slowenisch“ zu sprechen. Wie wichtig das internationale Ansehen Kärntens sei und wie schön es sei, dass Peter Kaiser das Image des Bundeslandes nach Jörg Haider wieder aufpoliert hat.
„Wir waren das Enfant terrible der österreichischen Innenpolitik, es ist gigantisch, wie sich das geändert hat.“ Jetzt hänge wieder „jeden Tag eine neue Fahne vor der Landesregierung, weil irgendjemand auf Besuch ist, ein internationaler Gast“, sagt Fellner. Das sollte so bleiben.