Geldtopf für „Exxpress“ & Co: Der Mann hinter „libertatem“
Man muss schon sehr genau suchen, um in der Öffentlichkeit irgendeine sichtbare Spur von Horst Täubl zu finden. Es gibt nicht viele. Einer der kargen Hinweise ist eine Parte auf der Internet-Seite der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: Eine Firma aus Mainz beziehungsweise deren Führung brachte darin ihre Trauer über das Ableben des – am 1. September 2020 verstorbenen – Unternehmensgründers Täubl zum Ausdruck. Eine zweite Spur findet sich in freier Natur in Mittelhessen: eine einfache Sitzbank aus grob gehauenem Basaltstein. Aufgestellt zum fünften Todestags des Mannes, der in der Gegend einen Teil seiner Freizeit verbrachte, sich erholte und offenbar einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.
Wirklich spannend an Horst Täubl sind jedoch die Spuren, die nicht so leicht sichtbar sind: Wie profil herausgefunden hat, steht Horst Täubl hinter der Gründung von „libertatem“, einer Stiftung mit Sitz in Liechtenstein. Diese mischt unter dem Mäntelchen, die Meinungsfreiheit und kritischen Journalismus zu fördern seit einigen Jahren auch am österreichischen Medienmarkt mit – unter anderem bei der umstrittenen Plattform „Exxpress“. Man veranstaltet einen jährlichen Kongress in Vorarlberg und vergibt einen Journalismus-Preis. Einer der Preisträger der vergangenen Jahre: Servus-TV-Intendant Ferdinand Wegscheider.
Gleichzeitig erfreuen sich die Stiftungs-Verantwortlichen offenbar bester Connections. Die beiden Rechtsanwälte, die „libertatem“ als Stiftungsräte nach außen hin vertreten, finden sich auf einer Teilnehmer-Ankündigung für den „Moving MountAIns“-Gipfel von Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz im vergangenen Oktober – Teil einer handverlesenen Liste großteils hoch- bis höchstrangiger Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft.
Bisher herrschte großes Rätselraten darüber, wer „libertatem“ eigentlich ins Leben gerufen hat. profil hat nun nicht nur den Namen herausgefunden – Horst Täubl –, sondern auch zum geschäftlichen Umfeld der Stiftung und ihres Gründers recherchiert.
Start mit einer Million Franken
Horst Täubl hat die „libertatem Stiftung“ im März 2019 gegründet und gleich einmal mit einem Start-Kapital von einer Million Schweizer Franken ausgestattet – ausdrücklich mit der Option auf weitere Zuwendungen. Stiftungszweck: „Die Förderung der Meinungsfreiheit in sämtlichen gegenwärtigen und zukünftigen Medien, die Förderung von kritischem Journalismus, der persönlichen Freiheitsrechte sowie die Stärkung des Individuums im gesamten deutschsprachigen Raum.“
Täubl war damals fast 79 Jahre alt, eineinhalb Jahre später verstarb er. profil übermittelte den Stiftungsräten im Rahmen der Recherche eine Reihe von Fragen. Viele blieben unbeantwortet – nicht jedoch jene, ob die Geschäftsfähigkeit des Gründers überprüft wurde. „Der Stifter war bis zu seinem plötzlichen Ableben voll geschäftsfähig, was auch gutachterlich so bestätigt wurde“, heißt es in einer Stellungnahme.
Keinerlei Angaben will man hingegen zum Stiftungsvermögen machen – mit der bemerkenswerten Begründung, der Stifter habe nicht in der Öffentlichkeit stehen wollen. Nur so viel: Die Stiftung werde jedes Jahr von einer anerkannten Revisionsstelle auf die zweckmäßige Verwendung der finanziellen Mittel geprüft und unterstehe zudem der behördlichen staatlichen Stiftungsaufsicht.
Die Geschäfte rund um „libertatem“
Nun, profil hat selbst zu den Geschäften im Umfeld von „libertatem“ recherchiert. Interessant ist, dass Täubl ein halbes Jahr nach der Gründung eine zweite Stiftung in Liechtenstein ins Leben gerufen hat: die „Horst Täubl Stiftung“. Diese sollte der Unterstützung des Stifters selbst dienen, wurde mit 250.000 Franken ausgestattet und auch das Domizil Täubls im Fürstentum wurde an das Vermögens-Vehikel übertragen. Spannend ist diese zweite Stiftung vor allem deshalb, weil festgelegt wurde, dass deren Vermögenswerte beziehungsweise die Erträge daraus nach Täubls Tod an „libertatem“ gehen würden.
In dieser zweiten Stiftung dürfte einiges an Wert zusammengekommen sein. Bereits Anfang 2020 wurde sie zum Beispiel Alleineigentümerin einer „HT Liegenschaftsgesellschaft mbH“ in Deutschland. Diese betreibt ein idyllisches Ferienhaus für bis zu neun Gäste, das man auf Airbnb buchen kann – durchaus auch für Firmenveranstaltungen und Workshops. Offenbar hatte Täubl einen starken persönlichen Bezug dorthin. Die eingangs erwähnte Steinbank zu seinen Ehren befindet sich im näheren Umkreis.
Laut deutschem Firmenbuch wanderte die Eigentümerschaft an dieser HT GmbH im Jahr 2020 innerhalb weniger Wochen von der „Horst Täubl Stiftung“ an eine Skytower AG weiter. Deren Sitz: dieselbe Adresse, an der auch die „libertatem Stiftung“ in Liechtenstein registriert ist. Per Ende 2024 wies die Skytower Finanzanlagen in stolzer Höhe von 22,4 Millionen Euro in ihrer Bilanz aus – dies bei Verbindlichkeiten von lediglich 10,7 Millionen Euro. Auch in Österreich verfügt die Skytower über eine Firmenbeteiligung: 2020 gründete sie die „IH40A Immobilien GmbH“ mit Sitz in Salzburg und einem Anlagevermögen von rund 4,4 Millionen Euro per Ende 2024.
Ob die Geschäfte der Skytower in irgendeiner Weise „libertatem“ zuzurechnen sind, lässt sich von außen nicht abschließend feststellen. In einem Generalversammlungs-Protokoll aus dem Mai 2020 ist als Alleinaktionärin der Skytower eine „HT Liegenschaft Anstalt“ aus – erraten – Liechtenstein angeführt. „HT“ könnte theoretisch auf Horst Täubl hindeuten. Gründerin der HT Anstalt ist eine Firma aus Vaduz. Über diese Firma bietet einer der „libertatem“-Stiftungsräte Kunden unter anderem die „treuhändische Verwaltung von liechtensteinischen Gesellschaften“ an. Inwieweit im konkreten Fall eine Treuhandschaft vorliegt, blieb auf profil-Anfrage ebenso unbeantwortet, wie die Frage, ob die „libertatem Stiftung“ auf irgendeine Weise von den Geschäften der Skytower profitiert.
Tourismus-Millionen
Gut nachvollziehen lässt sich hingegen, was nach Täubls Tod aus dessen persönlichem Vermögensvehikel, der „Horst Täubl Stiftung“ wurde. Ein paar Monate später hat man sie quasi an die „libertatem Stiftung“ angegliedert und in „libertatem Beteiligungen Anstalt“ umfirmiert. Primärer Zweck: die Verwaltung und Vermehrung des Vermögens, um in weiterer Folge wiederholte Ausschüttungen an „libertatem“ vorzunehmen.
Doch von welchem Vermögen ist in Zusammenhang mit Horst Täubl überhaupt die Rede? profil-Recherchen haben ergeben, dass Täubl Gründer einer Firma war, die in Deutschland unter der Marke „trendtours Touristik“ als großer Reiseveranstalter tätig wurde. 2018 verkaufte man diesen Geschäftsbereich, was der Firma in diesem Jahr einen Konzerngewinn von rund 200 Millionen Euro bescherte. 160 Millionen Euro wurden damals als Dividende an die Gesellschafter ausbezahlt. Täubl hielt 25 Prozent der Anteile, dürfte also einen ordentlichen Batzen Geld bekommen haben.
Damit dürfte aber noch gar nicht alles aufgebraucht gewesen sein. Ende 2019 machte das Konzerneigenkapital immer noch mehr als 47 Millionen Euro aus. Per 1. September 2020 ging Täubls 25-Prozent-Anteile an die „Horst Täubl Stiftung“, die bald darauf zum Vermögens-Anhängsel von „libertatem“ werden sollte. Die ehemalige Trägerfirma des Reisekonzerns wurde zwischenzeitlich in die Liquidation geschickt. Wie hoch der Erlös für „libertatem“ daraus war, blieb auf Anfrage unbeantwortet.
Was macht nun „libertatem“ mit dem Stiftungsvermögen? Unter anderem gründete man im Jänner 2021 gemeinsam mit mehreren Mitgesellschaftern – darunter Richard Schmitt und eine Firma von Eva Schütz – die „web eXXpress Medien Holding GmbH“, also die Plattform „Exxpress“. „libertatem“ war mit 25,1 Prozent der Anteile damals – nach Schütz – zweitgrößter Gesellschafter. Mittlerweile ist der Anteil auf fünf Prozent gesunken. Schmitt ist in der Zwischenzeit ausgestiegen.
Im Mai 2024 war „libertatem“ dann mit 38,4 Prozent bei der Gründung der „Libratus Media GmbH“ an Bord. Hauptgesellschafterin des Portals „Libratus“ sowie Herausgeberin und Chefredakteurin ist Gudula Walterskirchen.
profil hat in der Vergangenheit durchaus kritisch über die rechte Schlagseite beim „Exxpress“ und über Falschbehauptungen von Walterskirchen berichtet. Wie beurteilt man bei „libertatem“ die Berichterstattung von „Exxpress“ und „Libratus“?
Man nehme „keinerlei Einfluss auf die Berichterstattung“, erachte aber „beide Produkte (…) als Bereicherung für die Medienvielfalt“, wird mitgeteilt. In Österreich habe man auch noch das Magazin „International“ unterstützt. Nicht gelungen sei es, „trotz konkreter Gespräche“, die von Dietrich Mateschitz gegründete Plattform „Addendum“ zu retten. In der Schweiz fördere man unter anderem ein Jugendradio (Radio4TNG), den „Schweizer Monat“ und „Edito“. Die Stiftung sei „nicht auf eine bestimmte ideologische Ausrichtung fixiert“, wird mitgeteilt.
Gemäß Stiftungsurkunde der „libertatem Stiftung“ kann übrigens ein Beirat bestellt werden, der den Stiftungsrat berät und unterstützt. Auf profil-Anfrage wird mitgeteilt, man verfüge „über einen Beirat von renommierten Journalisten aus dem deutschsprachigen Raum“. Wer konkret diesem Gremium angehört blieb – auf Nachfrage – bis Redaktionsschluss unbeantwortet.