Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer
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ORF: Die Krönung von Kaisern und Königen steht bevor

Nächste Woche wählt der ORF seinen neuen Generaldirektor. Die Posten-Posse geht damit erst richtig los: Direktorenjobs, rote und schwarze Tickets, neue Aufpasser – und ein Haus, das Millionen sparen muss, aber weiter genug Chefsessel für alle haben soll.

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Nächste Woche wird im ORF der Generaldirektor oder die Generaldirektorin gewählt – es bleibt spannend bis zum Schluss.Folgen die schwarzen Stiftungsräte Kanzler Christian Stocker und wählen Ex-APA-Chef Clemens Pig? Ziehen die roten Stiftungsräte nach, wie es ihr Vorsitzender Heinz Lederer will – am besten einstimmig –, damit das hintenrum politisch paktierte Personalpaket auch für die SPÖ aufgeht? Oder schwenkt man doch noch um, um das Gesicht zu wahren?

Auf Markus Breitenecker zum Beispiel, den ehemaligen ProSiebenSat.1-Chef. Der tat sich zuletzt als zweiter starker Bewerber hervor. Verständlich: Er hat einiges an Qualifikation, die Pig nicht vorweisen kann – Fernseh- und Radioerfahrung etwa. Bei Breitenecker muss ich mich übrigens entschuldigen, ich habe das letzte Mal geschrieben, dass er der Spitzenkandidat der Neos sei. Darüber hat er sich geärgert. „Ich bin nicht Neos“, hat er gesagt – und dann haben wir lange telefoniert. Und okay, er hat mich von seiner Unabhängigkeit überzeugt. Vielleicht mögen ihn die Neos auch deshalb. Außerdem dementiert er glaubhaft, Zusagen für ein Team gemacht zu haben – auch das unterscheidet ihn von anderen.

Auffällig ist jedenfalls: Das Match spitzte sich zuletzt auf einen Kampf der Männer um den GD-Posten zu. Warum eigentlich? Wenn man genauer hinsieht, haben fast alle, deren Namen für Topposten fallen – vom Direktorium abwärts – oder die, die sie vergeben, eines gemeinsam: Sie sind selbst Freimaurer oder haben einen sehr guten Draht zu ihnen. Die sind in Politik und Medien stark vertreten und mischen hier ordentlich mit. Sie schmieden Ränke und zerstören sie.

Ups, habe ich das gerade laut gesagt? Ja. Wurde eh Zeit. Wir schreiben ja auch darüber, wer über Burschenschaften oder den Cartellverband miteinander verbunden ist und welche beruflichen Vorteile diese Netzwerke bringen. Warum also nicht einmal aussprechen, was ohnehin alle wissen? Ich freue mich schon auf ein paar Anrufe, die mich heute wohl ereilen und darauf, dass mir dann erklärt wird, dass das ja alles nicht stimme. Lassen wir es drauf ankommen! Ich hätte da ein paar E-Mails aus einem Leak, die ich bei gegebener Zeit noch aufarbeiten werde.

Männerpartie

Wie auch immer. Das erklärt jedenfalls, warum höchst qualifizierte Frauen trotz angeblich so erwünschter Bewerbung bisher keine große Lobby zu haben scheinen. Da wäre etwa ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer. Sie kennt das Haus wie ihre Westentasche, gilt als innovativ, resistent (eine nicht zu unterschätzende Kompetenz in den Mühlen des ORF) – aber eben auch als nicht steuerbar. Vielleicht wird sie am Ende die lachende Dritte, wenn der Stiftungsrat – erbost über die vielen Wünsche von außen – doch noch rebellisch wird? Zumindest die Frauen im Stiftungsrat scheinen ihr nicht abgeneigt zu sein – die haben nämlich auch zusehends die Schnauze voll von der Männerpackelei.

Der nächste Donnerstag wird jedenfalls ein langer Tag. Zuerst das Hearing aller potenziellen Kandidaten vor dem Stiftungsrat – dann die Wahl. Bis dahin könnten Sie sich die Zeit mit der ersten Folge unserer brandneuen Staffel des profil-Investigativpodcasts „Nicht zu fassen“ vertreiben, die erste Folge erscheint morgen. Wir arbeiten die Causa ORF penibelst auf. Immerhin ist der ORF Österreichs größtes Medienhaus – und seit Jahrzehnten heiß umkämpftes politisches Beutestück. Jetzt wird wieder verhandelt, geflüstert, taktiert. Im Stiftungsrat, in Parteizentralen, in Redaktionen. Es geht um Jobs, Macht, Einfluss – um Protest und Pulverisierung. Alle reden von Unabhängigkeit. Alle greifen hin. Die Staatsanwaltschaft ist dran. Wir auch. Hier unseren Kanal abonnieren!

Wer glaubt, die ORF-Posse sei nach der Generaldirektorenwahl vorerst vorbei, täuscht sich. Es gibt ja noch etliche hoch dotierte Posten zu vergeben. Die Parteien haben ihre Kandidaten längst in Stellung gebracht.

Ein neuer Aufpasser?

Der ORF muss Hunderte Millionen sparen – dennoch war schon im Vorfeld klar: Für alle müssen genug Chefposten übrigbleiben. Interessanterweise waren Kandidaten und Kandidatinnen, die ein kleineres Direktorium vorgeschlagen haben, nicht unbedingt jene, die man bevorzugte. Obwohl alle wissen: Kein Mensch braucht heutzutage vier Direktorenposten. Es ginge eindeutig mit weniger. In der Praxis. Machtpolitisch ist das keine Variante.

Nun gut, also kursieren schon die ersten Namen. Die SPÖ unterstützt das Begehren der ÖVP, einen Generaldirektor ihrer Wahl zu küren. Freilich nicht aus alter großkoalitionärer Freundschaft. Man will etwas dafür: einen neu geschaffenen ORF-Generalsekretärsposten zum Beispiel – einen Aufpasser also für den „schwarzen“ Generaldirektor.

Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer soll dafür auch schon jemanden im Auge haben: Austrian-Power-Grid-Konzernsprecher Christoph Schuh. In der Faymann-Ära war Schuh eine wichtige Figur im Hintergrund der SPÖ. Er hat seine Kontakte – vor allem in die Stadt Wien – bis heute gut gepflegt. Vom Typ her: ein ähnlicher Schlag wie Lederer. Und der weiß, was er an Schuh hätte. Einen loyalen, nicht zimperlichen Genossen.

profil wurde berichtet, dass es bereits Treffen zwischen Schuh und Pig gab, um gemeinsame Vorstellungen auszuloten.*** An sich sollte man meinen, ein neuer Chef stellt sich sein Team selbst zusammen. Aber nicht, wer beim ORF reüssieren will. Der ist anderen Logiken unterworfen. Der muss Vorstellungen vieler entsprechen. Übrigens: Der Job des Generalsekretärs ist einer der wenigen, die nicht ausgeschrieben werden müssen. *** Nachtrag: Clemens Pig dementiert ein Treffen mit Schuh, bei dem es um den Job gegangen wäre. Überhaupt befindet er den Posten des Generalsekretärs für unnötig  und käme in seinem Konzept gar nicht vor. 
Es wird spannend, ob die Politik das auch so sieht und das ohne Murren akzeptieren wird - weil offensichtlich gehen die Vorstellungen hier doch deutlich auseinander.

Ein Kaiser sucht Könige

Anders ist das bei den Direktorenposten. Die Vergabe funktioniert ähnlich wie die Generaldirektorenwahl. Der Stiftungsrat ist verpflichtet, zuerst auszuschreiben und dann die bestgeeignete Person in einem transparenten Verfahren auszuwählen. Und haftet auch dafür, wenn das nicht sichergestellt wird. Theoretisch.

Nach fortgeschriebener Logik wären künftig vier Direktorenposten zu vergeben: zwei für die SPÖ, zwei auf ÖVP-Ticket. Die ÖVP will sich die kaufmännische Direktion sichern und hat dafür bereits eine potenzielle Kandidatin: Helga Berger. Finanzministerium, Leiterin der Präsidialsektion im Rechnungshof, zuletzt Europäischer Rechnungshof – Berger ist mit Sicherheit hochqualifiziert. Ein Aber gibt es aber: Sie war noch nie in einem Medienbetrieb tätig, ja auch noch nie in einem Privatunternehmen. Und schon gar nicht in einem, das nun Hunderte Millionen sparen muss. Programmkosten, Lizenzgebühren, Sportrechte – alles neues Terrain. Ob das gut gehen kann? Die ÖVP braucht jedenfalls einen Job für sie, denn ihrer wurde zuletzt an den Neos-Abgeordneten Gerald Loacker verteilt. 

Auf dem zweiten „schwarzen Ticket“ bleibt Harald Kräuter. Er ist technischer Direktor und genießt als solcher einen tadellosen Ruf.

Die SPÖ will die Radiodirektion – und zynisch gesagt: Irgendwo muss auch eine Frau bedient werden. Gewünscht ist Dodo Roščić, derzeit FM4-Chefin. Der Sender steht momentan nicht unbedingt glänzend da und wird von der Politik immer wieder als Streichkandidat diskutiert. Bisher schützt ihn der gesetzliche Auftrag davor. Übrigens gilt auch der Posten der Radiodirektion insgesamt als obsolet.

Dann wäre da noch die Programmdirektion. Am häufigsten genannt wird Werner Herics. Er diente lange am Küniglberg und ist derzeit als Chef des ORF-Landesstudios Burgenland geparkt. Lederer läuft für ihn, wälzte auch schon die Idee, ihn zum kaufmännischen Direktor zu machen. Das wird aber eher nichts. Herics hat zwar beim ORF gearbeitet, aber noch nie in seinem Leben etwa Unterhaltungsprogramm gemacht. Was ihn also qualifiziert? Ich werde versuchen, das bei der SPÖ zu erörtern.

Aber noch ist nichts in Stein gemeißelt. Das Postenkarussell dreht sich munter weiter, der ein oder andere wird wohl noch rausfliegen - oder einsteigen.

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Anna Thalhammer

Anna Thalhammer

ist seit März 2023 Chefredakteurin des profil und seit 2025 auch Herausgeberin des Magazins. Davor war sie Chefreporterin bei der Tageszeitung „Die Presse“.