Vor einer Woche bestätigte Lederer gegenüber profil, dass er ein offizielles Mandat für Rhomberg innehatte – vom 1. Jänner 2022 bis 30. November 2022. Zufall oder nicht: Die drei dokumentierten Workshops liegen exakt außerhalb dieses Zeitraums. Fragen dazu ließ Rhomberg unbeantwortet.
Null Problem!
Lederer selbst sieht kein Problem. „Alle Beratungsleistungen im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit als Unternehmer und nicht als Aufsichtsrat sind hinsichtlich der Vereinbarkeit mit meiner Funktion im ORF-Stiftungsrat geprüft und stehen in keinem Zusammenhang und schon gar nicht im Widerspruch zu den Interessen des ORF“, erklärte er vergangene Woche in einer Aussendung in Richtung FPÖ, die ihn scharf kritisiert hatte.
Auch andere Nebentätigkeiten Lederers stehen in der Kritik, etwa sein Engagement als PR-Berater beim Österreichischen Skiverband – an den der ORF Millionen für Übertragungsrechte zahlt.
Politisch bleibt es auffällig still. Lederer wurde von der SPÖ in den Stiftungsrat entsandt, doch weder Parteichef und Medienminister Andreas Babler noch andere führende Sozialdemokraten äußerten sich. Rückhalt kommt hingegen aus Wien, insbesondere von Bürgermeister Michael Ludwig. Anders im Burgenland: SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil forderte zuletzt Lederers Rücktritt.
Auch innerhalb des ORF wächst der Unmut. In Redaktionen heißt es, Lederer habe wiederholt über Vorgesetzte Wünsche deponiert. Doch die parteipolitische Logik scheint stärker zu wirken als jede interne Kritik: Wenn ausgerechnet Doskozil – politischer Rivale Ludwigs – den Rücktritt fordert, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass dieser tatsächlich erfolgt.
Zurück zu Lederers zentraler Argumentation: Alles sei geprüft worden. Nur stellt sich die Frage – von wem?
Causa Lederer bitte mit Lederer besprechen
Interimsgeneraldirektorin Ingrid Thurnher sieht die Zuständigkeit jedenfalls nicht bei sich: „Mitglieder des Stiftungsrats sind gemäß Geschäftsordnung dazu verpflichtet, Interessenkonflikte dem Vorsitzenden bzw. seinem Stellvertreter unverzüglich offenzulegen. Es handelt sich also um eine Angelegenheit des Stiftungsrats. Geschäftsbeziehungen zwischen Mitgliedern des Stiftungsrats und Partnern des ORF können grundsätzlich den Anschein von Interessenkonflikten wecken. Ich gehe davon aus, dass auch den Mitgliedern des Stiftungsrats an einer transparenten Aufklärung gelegen ist“.
Zwischen den Zeilen wird klar: Begeisterung klingt anders.
Mit anderen Worten: Zuständig wäre der Stiftungsrat selbst. Ich habe mal im Büro des Stiftungsrates gefragt, ob Lederer etwas gemeldet habe und ob das geprüft wurde. Die Antwort war besonders originell. Ich wurde in der Angelegenheit Lederer wieder an Lederer verwiesen. Also hat er im Stiftungsrat seine Tätigkeiten offengelegt? Wurde der Fall geprüft?
Lederer selbst verneint das. „Es war zu keiner Zeit erforderlich, den Stiftungsrat damit zu befassen, und es bestand keinerlei Einfluss meinerseits auf geschäftliche Entscheidungen von Romberg oder anderen Anrainern“, schreibt er.
Damit bleibt eine einfache, aber entscheidende Frage im Raum: Wenn es keine Befassung gab – wer genau hat dann geprüft?
Die naheliegende Antwort wirkt ebenso schlicht: offenbar niemand.
Hallo, SPÖ, ist da jemand?
Der Stiftungsrat soll den ORF kontrollieren – als unabhängiges, sauberes Aufsichtsorgan. Doch wer kontrolliert die Stiftungsräte selbst? Gerade sie müssten ein leuchtendes Beispiel sein. Dazu kommt ein grundlegendes Problem: Stiftungsrat und PR-Berater in einer Person zu sein, ist keine Grauzone: Das zeigt auch aktuelle Kritik an den Stiftungsräten Gregor Schütze (von ÖVP bestellt) und Thomas Prantner (auf blauem Ticket) – beide beraten etwa Netflix, ein Konkurrent des ORF. Ersterer hat sich laut "Krone" auch eine Party in Alpbach von ORF-Firmen bezahlen lassen. Ich sehe darin eine Unvereinbarkeit an sich. Wir lernen auch gerade, was passiert, wenn gegen Regeln verstoßen wird? Im Moment: nichts.
Statt Konsequenzen zu ziehen wird die Causa offenbar ausgesessen. Das ist das falsche Signal – nach innen wie nach außen. Der ORF stand in der jüngeren Vergangenheit oft in der Kritik, nicht immer zu Recht. In diesem Fall aber schon. Und wenn die Politik hier weiter zusieht, anstatt zu handeln, ist das nicht nur bequem – sondern schlicht verantwortungslos. Momentan zieht sie sich aus der Verantwortung mit dem Argument zurück, dass man ja sonst immer fordere, die Parteien mögen sich nicht einmischen. Stimmt, wenn es um die Berichterstattung und Postenbesetzung im ORF geht. Aber nicht für von ihnen entsandte Aufsichtsorgane. Für die darf man sich schon zuständig fühlen.
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