PG ORF VOR PLENARSITZUNG DES STIFTUNGSRATES: LEDERER
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Der Stiftungsratsvorsitzende Lederer steht wegen der Geschäfte seiner PR-Agentur in der Kritik. Besonders pikant: Er beriet jenen Bauunternehmer, an den der ORF das Funkhaus verkaufte.

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Es war ein trauriger Tag für die Ö1-Mitarbeiter, als sie im Herbst 2022 mit einem vom Marketing organisierten alten Partypostbus von ihrem geliebten Funkhaus in der Argentinierstraße im vierten Wiener Gemeindebezirk auf den Küniglberg verfrachtet wurden. Zum Feiern war niemandem zumute: Jahrelang hatten die Redaktionen von FM4 und Ö1 gekämpft und protestiert, um am Standort bleiben zu dürfen. Aber der ORF hatte das denkmalgeschützte Gebäude 2016 großteils verkauft – und zwar an die Vorarlberger Rhomberg-Gruppe.

Das Haus sollte zu Wohnungen umgebaut werden – oder zu einem Hotel – oder doch zu einem kulturellen Ort? Ganz klar war das nicht, es gab viele Pläne und heftige politische Debatten über die Zukunft des Gebäudes.

Es gab auch nach dem Verkauf des Hauses noch viele Verhandlungen mit dem ORF, der sich einen Teil des Gebäudes behalten hatte, etwa den denkmalgeschützten Radioorchestersaal. Was mit den ORF-Flächen wann und wie passieren sollte – wer welche Flächen, Räumlichkeiten bis hin zu Zufahrten wann und wie nützen darf –, ist bis heute nicht restlos geklärt und wurde in den Jahren 2021/22 auch heftig medial diskutiert.

Dein Haus ist mein Haus

In so einer Situation ist es gut, wenn man einen versierten PR-Berater an seiner Seite hat, der kalmieren kann. Rhomberg fand Heinz Lederer – oder Heinz Lederer fand Rhomberg, so klar ist das nicht. Lederer erhielt jedenfalls ein Mandat von 1. Jänner 2022 bis 30.11.2022, wie er auf profil-Nachfrage bestätigte. Damals war der heutige Stiftungsratsvorsitzende einfaches Mitglied des Stiftungsrates.

Transparent hat er das im Aufsichtsgremium aber nicht gemacht, er befand das offenbar nicht für notwendig: „Es war zu keiner Zeit erforderlich, den Stiftungsrat damit zu befassen, und es bestand keinerlei Einfluss meinerseits auf geschäftliche Entscheidungen von Rhomberg oder anderen Anrainern“, sagt er. Ob Lederer aber Einfluss auf Redaktionen in dieser Frage genommen hat, dazu sagt er nichts.

„Meine Leistung umfasste die Projektbetreuung, und die Inhalte waren Stakeholder-Kommunikation sowie Reputationsmanagement für die genannten Liegenschaftsteile.“ Zuständig sei er für die Bauteile A und AB gewesen (im Wesentlichen die alten, denkmalgeschützten) – sie grenzen an die ORF-Teile.

Kurz gesagt kann man sich das so vorstellen: Beide besitzen das Gebäude gemeinsam, wobei der linke Teil Rhomberg gehört und der rechte dem ORF. Dazwischen ist nicht einmal eine Mauer. Freilich ist ein Gebäude bei Neuentwicklung gesamtheitlich zu betrachten – und selbstverständlich müssen die Eigentümer permanent im Austausch sein.

Lederer, der zwar für die Kommunikation von Rhomberg bezahlt wurde, will aber nicht kommuniziert haben. Im ORF will man auf profil-Nachfrage dazu nichts sagen. Auch von Rhomberg kam keine Antwort. Übrigens stehen schon die ersten Wohnungen im Funkhaus zum Verkauf – schauen auf den Fotos eh ganz fesch aus.

Jobs, Jobs, Jobs

Lederer steht seit dem Aufkommen der Affäre Weißmann (profil berichtete ausführlich) in der Kritik – in seiner Partei, der SPÖ, und ORF-intern –, und zwar wegen seines Krisenmanagements; aber auch für die Geschäfte, die er neben seiner Stiftungsratstätigkeit betreibt; und die eine gewisse Unvereinbarkeit nahelegen. Die „Krone“ brachte den Vorwurf einer möglichen Einflussnahme im Benko-Komplex auf.

Lederer taucht in den Honorarnoten des Anwalts von René Benko auf – übrigens ebenfalls im Jahr 2022, als kritische ORF-Berichte zur Signa für immer größere Probleme sorgten. Außerdem soll Lederer laut Berichten auch Beratungstätigkeiten für den Österreichischen Skiverband (ÖSV) gehabt haben – von dem der ORF freilich Senderechte kauft, da geht es um Verträge in Millionenhöhe.

Apropos Skifahren: Ich habe Lederer in Kitzbühel gesehen. Mit Begleitung, auf der Streif, im VIP-Bereich. So ein Ticket kostet mehrere Tausend Euro. Ich habe Lederer gefragt, ob er das selbst bezahlt hat.

Antwort, die er angeblich aus der ORF-Compliance-Abteilung hat: „Erhalten Mitarbeiter:innen oder Stiftungsräte VIP-Tickets aus einem internen Kartenkontingent, ist das aus rechtlicher Sicht unbedenklich. Diesen Tickets steht auch eine entsprechende Gegenleistung des ORF gegenüber.“

Das wird den einfachen Mitarbeiter des ORF freuen, dass das künftig nicht mehr als geldwerter Vorteil gesehen wird – und auch über die Tickets wird man sich freuen! Lederer weist darauf hin, dass er von Mittwoch bis Sonntag als Vorsitzender des ORF zahlreiche Gespräche mit Tageszeitungen, deren Eigentümervertretern, Regionalmedien sowie weiteren überregionalen Medien geführt habe.

Und ich dachte, ein Unternehmen wird von seiner Spitze repräsentiert – vielleicht von einem Generaldirektor oder einer Programmdirektion, aber nicht vom Aufsichtsorgan. Aber bitte, vielleicht habe ich da ein falsches Verständnis.

Ich habe jedenfalls den Zuschauer repräsentiert. Auf der Couch, mit bestem Blick auf das Geschehen dank der tollen Übertragung des ORF.

Dieser Text erschien zuerst im profil-Newsletter "Das Frühstück". Hier gratis abonnieren. Ich habe meine Ohren offen, morgen hören wir uns wieder. 

Anna Thalhammer

Anna Thalhammer

ist seit März 2023 Chefredakteurin des profil und seit 2025 auch Herausgeberin des Magazins. Davor war sie Chefreporterin bei der Tageszeitung „Die Presse“.