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Am Schauplatz Küniglberg: Untersuchung der Compliance-Stelle hat begonnen

Der gefallene Generaldirektor Roland Weißmann kämpft um Ehre und Millionen. Die Compliance-Stelle des ORF hat mit der Untersuchung der Affäre begonnen. Und die Politik tut zum ersten Mal so, als ob sie der ORF nichts anginge. Ab wann wussten Kanzler & Co von den Vorwürfen?

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Donnerstagvormittag, 19. März: In einer Anwaltskanzlei im 12. Wiener Bezirk beginnt die ORF-Compliance-Stelle mit der Aufarbeitung einer Causa, die keine Sex- und keine Liebesaffäre ist. Denn zu Geschlechtsverkehr ist es nie gekommen, und auch eine Beziehung gab es nicht – auch wenn sich Roland Weißmann offenbar beides wünschte. Das sollen Chats und Gesprächsprotokolle belegen. Nun sieht sich der gefallene ORF-General mit Vorwürfen sexueller Belästigung konfrontiert, die eine Mitarbeiterin gegen ihren früheren Chef erhob. An diesem Donnerstagvormittag wird das Opfer gehört. Zum Termin ist die ORF-Mitarbeiterin in Begleitung ihres Anwalts erschienen. Dieser legt Telefon-Abschriften, Chatnachrichten und Bilder vor, um den Vorwurf sexueller Belästigung zu belegen. Am späteren Nachmittag sagt Roland Weißmann vor der Compliance-Stelle aus.

Einen Tag zuvor, am Mittwoch, hatte die Frau ihren ersten Arbeitstag seit dem Bekanntwerden der Affäre am 9. März, als der ORF um neun Uhr Vormittag Weißmanns Rücktritt als Generaldirektor öffentlich machte. 

Die Angelegenheit entwickelt sich rasant zu einem Drama, das auch andere Beteiligte mitreißen könnte. Die Stiftungsratsspitze gerät wegen fragwürdiger Beratungsmandate unter Druck. Roland Weißmann bringt Strafanzeigen ein. Der ORF versucht seinerseits, Weißmann loszuwerden. Und mittendrin im öffentlich-rechtlichen Unbill steckt die neue Generaldirektorin Ingrid Thurnher, die gleichzeitig die Affäre aufklären, die Belegschaft beruhigen und den ORF neu ausrichten muss. Die Politik hält sich – erstmals – im Hintergrund, ringt von dort allerdings bereits um die neue Machtverteilung im größten Medienkonzern des Landes.

Schwere Worte

Eine Woche ist vergangen, seit der Fall der ORF-Mitarbeiterin öffentlich geworden ist. Eine Woche, in der andere gesprochen haben: Anwälte, Beobachter, Männer in mächtigen Positionen, die den Debattenverlauf bestimmt und die Deutungshoheit über das Geschehen beansprucht hatten. Erstmals seit Tagen erhebt nun sie ihre Stimme. In einer Stellungnahme, die am Dienstag an ausgewählte Redaktionen, darunter profil, verschickt wurde, spricht die Betroffene von „Verdrehungen der Tatsachen“; beklagt, dass sie „diskreditiert, diffamiert“ und ihre „Opferrechte mit Füßen getreten“ worden seien. Ähnliches erklärt sie auch in einem Brief an den Stiftungsrat, das Aufsichtsgremium des ORF, der profil diese Woche zugespielt wurde. Die Vorkommnisse hätten sie „beunruhigt und verängstigt“. Sie habe „jahrelang in der Angst und Sorge gelebt“.

Die Tatsache, dass ich nie sexuellen Kontakt mit ihm wollte und nie eine intime Beziehung zu ihm hatte, wurde mir letztendlich zum Verhängnis.

ORF-Mitarbeiterin

Gernot Bauer

Gernot Bauer

ist seit 1998 Innenpolitik-Redakteur im profil und seit 2025 Leiter des Innenpolitik-Ressorts. Co-Autor der ersten unautorisierten Biografie von FPÖ-Obmann Herbert Kickl.

Daniela Breščaković

Daniela Breščaković

ist seit April 2024 Innenpolitik-Redakteurin bei profil. War davor bei der „Kleinen Zeitung“.