Schulskikurse in Gefahr: Ost-West-Kluft wird immer größer
Elf Skifahrerinnen und elf Skifahrer kämpfen derzeit bei den olympischen Winterspielen in Mailand/Cortina um Edelmetall. Medaillenentscheidungen, die wohl auch die Bundesregierung genau verfolgen wird. Denn ÖVP, SPÖ und Neos haben sich im Koalitionsprogramm darauf verständigt, dass Österreich weiterhin „die Skination Nummer eins“ bleiben soll. Dass in den vergangenen drei Ski-Weltcupsaisonen stets die Schweiz vor Österreich lag, scheint nebensächlich. Langfristig will Österreich an die Spitze und dafür spielen laut Regierungsprogramm auch Wintersportwochen in Schulen eine wichtige Rolle. Doch Anfragen an die Bundesländer zeigen: die Bilanz fällt zum Teil dramatisch aus.
profil hat in allen neun Bildungsdirektionen nachgefragt: Steiermark und Salzburg ließen die Anfrage unbeantwortet, Wien konnte als einziges Bundesland keine genaueren Aussagen treffen. Bei den restlichen Ländern zeigt sich: der klassische Schulskikurs steht unter massivem Druck. Und das Bild zwischen Ost und West könnte unterschiedlicher nicht sein.
Neun Bundesländer, zwei Realitäten
Gemeinsam mit den Mitschülerinnen und Mitschülern für eine Woche wegfahren – wer das in der Schulzeit gemacht hat, weiß um die Wirkung auf die Klassengemeinschaft. Schulklassen in Oberösterreich machen diese Erfahrung nach wie vor. Denn laut Bildungsdirektion florieren Wintersportwochen dort: „Im Schuljahr 2025/26 finden mehr Veranstaltungen statt als vor zehn Jahren“, heißt es aus Linz.
Ganz anders im Burgenland und in Kärnten. Hier haben sich die Preissteigerungen der vergangenen Jahre voll durchgeschlagen: „Insbesondere im Bereich der Mittelschulen ist eine rückläufige Entwicklung zu beobachten“, heißt es aus Kärnten. Im Burgenland hat sich die Zeit im Schnee stark verkürzt: „Schon knapp vor der Jahrtausendwende wurden die Wintersportwochen mit sechs bis sieben Schneetagen seltener. In den letzten 25 Jahren kam es sukzessive zu Reduzierungen, bis zum heutigen Durchschnittswert von vier bis 4,5 Tagen“.
Auch Lehrkräfte fehlen
Damit Schülerinnen und Schüler überhaupt noch gemeinsam wegfahren, brauchen immer mehr Klassen eine Sondergenehmigung. Denn prinzipiell gilt: mindestens 70 Prozent der Klasse muss teilnehmen. „In den Mittelschulen wurden im laufenden Schuljahr für etwa 30 Prozent aller Klassen eine Genehmigung erteilt“, schreibt eine Sprecherin der Bildungsdirektion Burgenland. Teilweise fährt nur noch die Hälfte mit. Und: „Aufgrund zu weniger Anmeldungen wurde bereits vereinzelt die Teilnahme untersagt.“
Aber auch Lehrkräfte fehlen. „Der Begleitskilehrer ist seit 2007 nicht mehr verpflichtender Bestandteil der Ausbildung von VolksschullehrerInnen. Dadurch gibt es immer weniger befugte Lehrpersonen“, heißt es aus Klagenfurt. Die Ausbildung sei regelmäßig ausgebucht, „wodurch Wartelisten entstehen, die sich über mehrere Jahre erstrecken.“ In der Praxis führe auch das zu höheren Kosten, weil Schulen deshalb auf teureres externes Personal zurückgreifen müssen.
Iglubauen statt Skifahren
Ein bekannter Trend setzt sich fort, vielerorts existiert der klassische Skikurs nicht mehr. Denn um Kosten zu senken, mutieren Skikurse schon länger zu „Schneesportwochen“. „Schulen bieten Alternativprogramme an, bei denen kostengünstiger das ‚Erlebnis Wintersport' in Form von Schneeschuhwandern, Iglubau, Rodelfahren vermittelt“ werde, heißt es aus der Bildungsdirektion Niederösterreich.
In Tirol und Vorarlberg setzt man zunehmend auf Tagestrips ohne Übernachtung. Vergleichbar sei das aber nicht, meint eine Sprecherin der Bildungsdirektion Tirol: „Mehrtägige Schulveranstaltungen bieten zweifellos Vorteile für die Klassengemeinschaft sowie das soziale Lernen. Diese Aspekte kommen bei einzelnen Skitagen nicht in gleichem Ausmaß zum Tragen.“
Skikurse sind also längst kein Selbstläufer mehr. Sie finden dort statt, wo das Konzept massiv gestützt wird – etwa durch Gratis-Lifttickets in Tirol oder Oberösterreich. Die Koalition will Österreich zur „Skination Nummer eins“ machen. Doch ohne massive finanzielle Unterstützung wird der Nachwuchs auf den Pisten immer dünner. Und das wird sich früher oder später womöglich auch bei olympischen Medaillenentscheidungen durchschlagen.