ORF-Stiftungsräte Lederer, Westenthaler und Schütze sowie Generaldirektor Roland Weißmann
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Ausgerechnet um den Weltfrauentag erschüttert ein Fall von mutmaßlicher sexueller Belästigung den ORF. Roland Weißmann, der die Vorwürfe bestreitet, trat zurück. Was das alles für den ORF bedeutet und wie es weitergeht.

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Im August wird die ORF-Spitze neu gewählt. Seit gestern ist mit Roland Weißmann allerdings der aussichtsreichste Kandidat aus dem Rennen ausgeschieden. Am Sonntag, dem Weltfrauentag, kurz vor Mittag, informierte der amtierende Generaldirektor den Vorsitzenden des ORF-Stiftungsrats, Heinz Lederer, dass er mit sofortiger Wirkung zurücktreten werde. 

Öffentlich bekannt wurde alles am Montagvormittag: „In den vergangenen Tagen hat eine ORF-Mitarbeiterin gegenüber dem Generaldirektor Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben“, hieß es in einer Aussendung des ORF. Es soll dabei um Verhalten Roland Weißmanns zu Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2022 gehen – profil berichtete.

Weißmanns Anwalt Oliver Scherbaum teilte mit, dass der ORF-General die Vorwürfe bestreite und es bis dato keine inhaltliche Abklärung gegeben habe. Sein Rücktritt sei erfolgt, um Schaden vom ORF abzuwenden, und weil ihn der Stiftungsrat, der Aufsichtsrat des Rundfunks, dazu gedrängt habe.

Heinz Lederer sprach gegenüber „Ö1“ wiederum von „Schrift, Ton- und Bildmaterial“, das Fehlverhalten nahelegen würde. Eine Task Force solle die Vorwürfe nun untersuchen. 

Dass Weißmann zurückkehren könnte, damit rechnet man wohl nicht: Lederer und sein Vize, Gregor Schütze, bedankten sich in der Aussendung von Montagvormittag bei Weißmann bereits „für seine Verdienste und die 30-jährige Tätigkeit im ORF“. 

Wie geht es weiter?

Am Donnerstag wird der Stiftungsrat wohl Radiodirektorin und Ex-„ZiB-2“-Moderatorin Ingrid Thurnher interimistisch zur Generaldirektorin bestellen, auch wenn etwa der Rundfunkrechtler Hans Peter Lehofer der Ansicht ist, dass auch eine interimistische Bestellung ausgeschrieben werden müsste. 

Die Stiftungsratsspitze will am bisherigen Fahrplan festhalten, wonach der Posten des Generaldirektors im Mai ausgeschrieben und die Abstimmung darüber am 11. August stattfinden soll. Im September wird dann das restliche Direktorium gewählt. 

Es galt als fix, dass Weißmann sich erneut für die Leitung des ORF bewerben würde. Seine Wiederwahl wäre durch eine – von ÖVP und SPÖ getragene – Mehrheit im Stiftungsrat so gut wie sicher gewesen, auch wenn die ÖVP mit Weißmanns Amtsführung nicht immer zufrieden war. Mit seinem unfreiwilligen Rücktritt sind die Karten nun wieder völlig neu gemischt und womöglich werden deshalb weitere Bewerbungen ermöglicht.

Als mögliche Kandidaten und Kandidatinnen gelten bisher Alexander Hofer, derzeit Landesdirektor des ORF-Niederösterreich, und Philipp König, Geschäftsführer von Kronehit-Radio. Denkbar wäre eine Kandidatur von ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer, die sich bereits 2021 um die ORF-Spitze bewarb. Auch der ehemalige ProSiebenSat.1-Manager Markus Breitenecker wird genannt. Spekuliert wird auch über mögliche Kandidaturen des früheren ORF-Sportchefs Hannes Aigelsreiter und des langjährigen ORF-Managers Pius Strobl. Dass sich Thurnher selbst bewirbt, gilt hingegen als unwahrscheinlich. 

Schwierige Phase für den ORF

Der Rücktritt trifft den ORF in einer schwierigen Phase: In wenigen Wochen muss mit dem Song Contest ein Mega-Event organisiert werden. Im Herbst plant das von Andreas Babler (SPÖ) geführte Medienministerium einen Konvent, der sich auch mit der im Regierungsprogramm angekündigten größeren ORF-Reform befassen soll. 

Dementsprechend schnell wurden am Montag schon die ersten Wünsche deponiert: Babler etwa hätte gerne eine Generaldirektorin. Die Neos wiederum forderten einmal mehr einen unabhängigen Aufsichtsrat statt des politisch besetzten Stiftungsrates.

Allen voran ist das mögliche Fehlverhalten Weißmanns aber Wasser auf die Mühlen der Freiheitlichen mit ihrer Frontalkritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die Blauen setzten wie ihre Schwesterparteien in anderen europäischen Ländern schon länger auf das Feindbild „öffentlich-rechtliche Medien“. Attacken auf ORF, BBC, ZDF oder Rai eignen sich zur Mobilisierung der eigenen Wählerschaft – profil berichtete. In der Schweiz fand erst am Wochenende eine Volksinitiative der rechtspopulistischen SVP für die drastische Reduktion der Rundfunkgebühren statt – der allerdings eine Absage erteilt wurde.

Der freiheitliche Mediensprecher Christian Hafenecker forderte nun eine „Totalreform“ des ORF, dem er unterstellte, ein „zwangssteuerfinanzierter Regierungslautsprecher“ zu sein. Der freiheitliche Stiftungsrat Peter Westenthaler forderte bei „oe24“, dass gleich die gesamte Führung des Stiftungsrats zurücktreten solle. Lederer konterte: Es sei  „unseriös“ jetzt „politisches Kleingeld“ zu machen. 

Klar ist aber: Bei der Weißmann-Nachfolge wird man genauer auf die Themen Unternehmenskultur und Gleichberechtigung achten müssen. 

profil wird Sie über die weiteren Entwicklungen in der Causa am Laufenden halten.  

Konstantin Auer

Konstantin Auer

seit 2025 als Projektleiter des „Frühstück“-Newsletters im Digitalteam des profil, davor bei PULS24 und Kurier. In seinen Recherchen geht es meist um soziale Ungerechtigkeiten, menschliche Abgründe und juristische Herausforderungen im Graubereich zwischen Chronik und Politik.