Ein Mann macht ein Foto von einem Porträt des getöteten iranischen Führers Ayatollah Ali Khamenei in einer Moschee in Südafrika.
Wie geht es im Iran weiter?
Fast 40 Jahre lang gab Ali Chamenei im Iran den Ton an, am Samstag wurde der Oberste Geistliche Führer des Landes im Zuge der Angriffe Israels und der USA in Teheran getötet. Im Zentrum der Hauptstadt protestierten Tausende gegen die Angriffe auf das Regime, doch es gab auch Jubel. Musik füllte die Straßen, und am Himmel waren Feuerwerke zu sehen.
Arash, ein Iraner, mit dem profil in Kontakt steht – und der eigentlich anders heißt – schickte Videos von Rauchsäulen, die nach einem Angriff auf eine Polizeistation in Teheran aufstiegen. In einer Audioaufnahme ist zu hören, wie Menschen den Tod Chameneis bejubeln, Autos fahren hupend durch die Straßen. „Wir haben keine Angst mehr“, schreibt Arash. „Wir alle hoffen jetzt auf große Veränderungen.“
Mehr als fünf Jahrzehnte hat das islamistische Regime die Menschen im Iran jetzt schon terrorisiert. Allein während der letzten Proteste Anfang Jänner haben die Schergen der Mullahs bis zu 30.000 Menschen getötet. Ist all das nun Geschichte?
Die USA und Israel hoffen, die Fähigkeiten des Iran für Militärschläge nachhaltig geschwächt zu haben. Doch ein geschwächter Iran könnte noch unberechenbarer werden.
Ali Laridschani, der höchste Sicherheitsbeamte des Landes, hat noch am Sonntag einen Sicherheitsrat ins Leben gerufen, der das Land interimistisch regieren soll.
Noch ist völlig unklar, wie sich die Lage entwickeln wird. Der Iran ist ein riesiges Land mit mehr als 90 Millionen Einwohnern und verschiedenen Ethnien und Konfessionen.
Die vergangenen Militärinterventionen des Westens in Ländern wie dem Irak, Afghanistan und Libyen haben gezeigt: So einfach ist es nach der Zerschlagung von Regimen nicht, eine funktionierende Demokratie aufzubauen. Die erwünschte Stabilität haben die Interventionen nicht gebracht.
Das optimistische Szenario
Im optimistischsten Szenario begehren die Menschen im Iran gegen das Regime auf, die Armee und die Revolutionsgarde stellen sich auf die Seite der Bevölkerung und stehen dem demokratischen Wandel nicht mehr im Weg. Volksaufstände gab es in den vergangenen Jahren immer wieder, und der Tod Chameneis könnte eine neue Protestwelle auslösen.
Die pessimistischen Szenarien
Möglich ist aber auch, dass neue, ebenso radikale Köpfe die Führung übernehmen. Die ideologische Ausrichtung des Iran bliebe damit, wenn auch mit weniger starken Figuren an der Spitze, und womöglich würden die gefürchteten Revolutionswächter dann eine noch größere Rolle spielen.
Denkbar ist auch, dass es zu einem Militärputsch kommt. Für den Fall, dass die Revolutionswächter die Macht übernehmen, könnte der Staat noch repressiver und brutaler werden. Beides würde die Situation für die Menschen im Land nicht verbessern, die Lage könnte sogar noch schlimmer werden.
profil wird weiterhin über die Entwicklungen im Iran berichten. Im Zentrum steht dabei auch die Frage, was die Iranerinnen und Iraner hoffen, wünschen und fürchten. Bleiben Sie uns gewogen – und starten Sie gut in die Woche!