Mädchen bei der Arbeit
Mädchen in der Bauakademie Tirol beim Töchtertag 2019
Zweiter Platz von unten: Vollzeit immer noch Männersache
Österreich hat einen Stockerlplatz bei der Teilzeitarbeitsquote. Über 30 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten keine vollen 40 Stunden. Im EU-Vergleich überholen uns da nur noch die Niederlande, zeigen Eurostat-Daten aus dem Jahr 2024. Auf diesen zweiten Platz können wir aber beim besten Willen nicht stolz sein. Denn er verrät, wie ungleich Österreich noch immer ist.
Woran also liegt das? Nicht etwa an der vermeintlichen Modeerscheinung, einer „Lifestyle-Teilzeit“, wie sie Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) in der Bevölkerung wittert, sondern an der niedrigen Vollzeitquote von Frauen. Laut Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und Statistik Austria waren 2024 ganze 51 Prozent der österreichischen Frauen und im Vergleich nur etwa 14 Prozent der Männer teilzeitbeschäftigt. Auch diese hohe Teilzeitquote bei Frauen beschert uns im EU-Vergleich eine beschämende Silbermedaille. Die Zahlen sind kein Zufall.
Who cares?
Knackpunkt ist die unbezahlte Care-Arbeit, die immer noch zum größten Teil von Frauen übernommen wird. Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, aber auch Tätigkeiten im Haushalt sind weiterhin ungleich zwischen den Geschlechtern verteilt. Frauen leisteten 2021 laut Statistik Austria doppelt so viele unbezahlte Arbeitsstunden wie ihre männlichen Gegenüber. Das liegt zum einen an hartnäckigen Geschlechterstereotypen, aber auch am Mangel flächendeckender Kinderbetreuung. Solange sich diese Strukturen nicht ändern, bleiben auch die Rollenbilder in den Köpfen hartnäckig verankert.
Die Zahlen zeigen eine klare Verbindung zwischen dem Betreuungsangebot und der Vollzeitquote. Regionen mit höherer Dichte und längeren Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen ermöglichen eher eine Vollzeittätigkeit der Eltern. Zwischen den Bundesländern klafft hier eine Lücke: Während zum Beispiel in Wien knapp die Hälfte der Kinder bis zwei Jahre eine Kindertagesstätte besuchen, sind es in der Steiermark nicht einmal ein Viertel. Dieses Stadt-Land-Gefälle schlägt sich in den Teilzeitquoten der Eltern – vor allem der Mamas – nieder.
Voll retro
Das alles ist im Jahre 2026 wirklich beunruhigend. Noch beunruhigender wird es aber, wenn man in die österreichische Vergangenheit blickt und erkennt: Viel Positives hat sich bei der Vollzeitquote in den vergangenen Jahrzehnten nicht getan, wie eine ÖAW-Studie von 2020 zeigt.
In den 1970ern waren noch mehr als die Hälfte der arbeitsfähigen Österreicherinnen als Hausfrauen tätig. Doch – und hier kommt die Überraschung – jene Frauen, die damals schon erwerbstätig waren, arbeiteten zu etwa 73 Prozent in Vollzeit. Während die Frauenerwerbstätigkeit über die darauffolgenden Jahrzehnte stetig zunahm, reduzierte sich der Anteil der Frauen in Vollzeit erheblich.
Wie kann das sein, wenn doch die Betreuungsinfrastruktur heute um ein Vielfaches besser ist als noch vor 50 Jahren? Die Forschenden vermuten, dass Verwandte früher eine stärkere Rolle bei der Kinderbetreuung einnahmen, um Mütter zu entlasten.
Im Jahr 2026 setzen immer noch viele Eltern auf die Unterstützung der Familie beim Kinderschauen. Auch hier trifft es dann meistens die Oma statt den Opa, die Tante statt den Onkel, die große Schwester anstatt des älteren Bruders. Wenn es auch die nicht gibt oder die Distanzen zu Verwandten zu groß sind, wird es eng.
Où est ton papa?
Langjährige Teilzeitarbeit vermindert nicht nur die Aufstiegs- und Weiterbildungschancen, sie erhöht auch das Risiko der Altersarmut, die dementsprechend vor allem Frauen betrifft.
Väter müssen daher mehr tun, um die Arbeit zwischen sich und ihren Partnerinnen auszugleichen. Nach wie vor wird die Elternkarenz von Vätern kaum in Anspruch genommen. Das wäre aber eine gute Chance, um Frauen nach der Geburt eines Kindes den Wiedereinstieg in den Beruf zu ermöglichen.
Ich weiß, nicht alle können sich das leisten. Aber wieso kommen dann trotzdem immer die Frauen zum Handkuss? Und was ich wirklich nie verstehen werde: Wenn man es sich leisten kann – wieso dann als Papa nicht die Elternzeit nehmen und genießen? Wieso ein süßes Wutzi in die Welt setzen und es nicht genauso für sich haben wollen? Wieso nicht eine Auszeit vom Büroalltag wahrnehmen? In diesem Sinne: Hoch der 8. März. Auch noch heute am 9. und an allen anderen Tagen.