Karl Habsburg zeigt sich amüsiert beim profil-Interview.
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„Ich bin ein besserer Demokrat als viele andere“

Karl Habsburg, 65, ist das Oberhaupt seiner Dynastie und Medienunternehmer. Ein Gespräch über den heiß diskutierten Juwelenfund, Europas Fehler und die Tatsache, dass sein Familienname 56 Mal in den Epstein-Files vorkommt – und ob eine Kandidatur als Bundespräsident für ihn vorstellbar wäre.

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Herr Habsburg, bei einer viel beachteten Europa-Rede anlässlich Ihres 65. Geburtstags zitierten Sie den Bibelspruch „Habt keine Angst.“ Die antieuropäische FPÖ, die auch sonst viele gesellschaftspolitisch rückschrittliche Werte vertritt, führt in allen Umfragen. Macht Ihnen das Angst?

Karl Habsburg

Angst habe ich überhaupt keine. Ich bin Demokrat. Wie auch immer Wahlen ausgehen: Man muss diesen Ausgang respektieren.

Aber welche Rückschlüsse lässt das auf Österreich zu, auf die Psyche unseres Landes?

Habsburg

Ich glaube, dass das auch mit einer unbestimmten Haltung gegenüber Europa zu tun hat. Es ist unglaublich, was wir erreicht haben, aber natürlich sind auch Fehler und Mängel der EU klar sichtbar. Es gibt kein europäisches Konzept, das heute wirklich tragfähig ist. Nicht nur, wenn es um Außenpolitik geht, sondern auch bei der Sicherheitsfrage. Europa muss mit einer Stimme sprechen. Die Probleme Europas führen zu einer Überbewertung des Nationalstaats. Das sehen wir nicht nur in Österreich, sondern auch in anderen Ländern.

In Ihrer Rede haben Sie auch die FPÖ-nahe rechte EU-Fraktion „Patrioten für Europa“ als „fünfte Kolonne Moskaus“ bezeichnet. Das hat unter anderen den ehemaligen blauen Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer und die frühere FPÖ-Politikerin Ursula Stenzel so erzürnt, dass sie den von Ihrem Vater Otto und Ihnen 2008 reaktivierten St.-Georgs-Orden verlassen haben.

Habsburg

Das ist zu akzeptieren. Aber das Recht auf freie Meinungsäußerung muss selbstverständlich auch für mich gelten. Es gibt keine Politiker und keine Partei, die nur schwarz oder nur weiß sind. Ich habe aber generell ein Problem damit, wenn man nationale, nationalistische und uneuropäische Ideen heranzieht.

Norbert Hofer wurde bei seinem Präsidentschaftswahlkampf von prominenten Mitgliedern des St.-Georgs-Ordens offen unterstützt. In jener Zeit posierte Hofer auch mit Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus in Moskau auf einem Selfie, nachdem die FPÖ mit der Putin-Partei „Einiges Russland“ einen Freundschaftsvertrag abgeschlossen hatte. Warum gab es damals keine Kritik von Ihnen als Großmeister dieses Ordens?

Habsburg

Dass einzelne Personen einen Kandidaten unterstützen, finde ich in Ordnung, aber das ist nicht institutionell geschehen. Man kann also nicht sagen, dass der Orden per se irgendwen unterstützt hat.

Wie wird man eigentlich Mitglied in diesem Orden, in dem sich ja auch prominente ÖVP-Politiker wie Thomas Stelzer oder Reinhold Lopatka finden? Funktioniert das so wie bei den Freimaurern?

Habsburg

Also die Freimaurer sind wir nicht. Aber es gibt, wie in vielen Organisationen, gewisse Empfehlungen von Mitgliedern und dann – nach einer Phase des gegenseitigen Kennenlernens – wird darüber entschieden.

Stimmt es, dass Sie innerhalb des Ordens auch als „kaiserlich-königliche Hoheit“ angesprochen werden?

Nina Brnada

Nina Brnada

ist Redakteurin im Österreich-Ressort. Davor Falter Wochenzeitung.

Angelika Hager

Angelika Hager

leitet das Gesellschafts-Ressort