Zu sehen ist der Bäckereiunternehmer Josef Weghaupt, sitzend an einem Gasthaustisch
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Zwei Gänge mit … Joseph-Brot-Gründer Weghaupt

Mit seiner Bäckerei „Joseph Brot“ hat Josef Weghaupt Brot vom Massenprodukt zum Luxus- und Marketinggut gemacht. Die Preise dafür schmecken aber nicht jedem. Schade.

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Das Brotkörbchen braucht heute keiner, das hat die Kellnerin sofort erkannt. „Kann ich mitnehmen, oder?“, fragt sie und schaut mich an, den kleinen Teller mit dem Brotmesser hat sie dabei schon in der Hand. Ich zucke mit den Schultern, drehe mich zu meinem Gast, doch seine Antwort wartet die Kellnerin gar nicht erst ab. „Er nimmt nie Brot“, sagt sie, „wenn er reserviert, dann decke ich das Brotkörbchen gar nicht auf.“ Sie lacht, schaut ihn an, und er nickt nur. Er, das ist Josef Weghaupt, der Gründer und Besitzer von Joseph Brot, und wenn der in einem Lokal kein Brot nimmt, dann ist das schon fast ein Statement. Der Herr Bäcker wird doch am Ende nicht nur sein eigenes Produkt essen?

Das Gasthaus Sodoma in Tulln, exakt 950 Schritte vom Bahnhof entfernt, ist eine Institution der österreichischen Wirtshauslandschaft. Es existiert gefühlt seit immer, drei Hauben hat sich die Eigentümerfamilie in den vergangenen Jahrzehnten erkocht, und auch nach dem Generationswechsel vor ein paar Jahren blieben die Sodomas bekannt für ihre klassisch österreichische Wirtshausküche und die phänomenale Weinkarte. Eine Mischung, die dafür sorgt, dass auch jede Menge Wiener die 45 Kilometer aus der Innenstadt anreisen, und wegen der Weinkarte idealerweise mit dem Zug.

Für Weghaupt ist der Sodoma hingegen so was wie ein Rasthaus, er liegt nämlich ziemlich genau auf halbem Weg zwischen seinem Büro in Wien und seiner Bäckerei im Waldviertel. Mindestens dreimal die Woche fährt er die Strecke, sagt er, um vier Uhr in der Früh geht’s in Wien los, dann hat er Schicht in der Backstube, und am Rückweg bleibt er gerne beim Sodoma stehen. Heute auf Grammelknödel (11 Euro) und dann den Wels mit Roten Rüben und Frischkäseravioli (35 Euro). Ich nehme die Rindsuppe (5,90 Euro) und dann die Ganslfleischknödel (18 Euro), übrigens mit Abstand das Beste, was man vier Wochen nach Martini aus den zähen Resten vom Fest machen kann.

Die gleichen Leute, die sich aufregen, dass ein Kilo Brot bei uns neun Euro kostet, zahlen ohne Probleme für eine Pizza Margherita 13 Euro. Ich meine: ein Kilo Brot gegen eine kleine Pizza, Oida.

Josef Weghaupt

Bäcker (Joseph Brot)

ein Teller mit Rindsuppe und Einlagen
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Markus  Huber

Markus Huber

ist im Hauptberuf Herausgeber des Magazins „Fleisch“ und schreibt für profil alle zwei Wochen die Kolumne „Powerlunch“.