Ein Mann im Anzug sitzt bei einer Veranstaltung mit Männern in traditioneller arabischer Kleidung.
René Benko und die Scheichs. Das Foto entstand auf einer Reise Benkos mit dem damaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz im März 2019 bei einer Aufführung der Spanischen Hofreitschule in Abu Dhabi.
Benkos Familien-Schatz: Laura Privatstiftung meldet Insolvenz an
Es war eine der letzten großen Bastionen des Familienvermögens der Benkos. Die Laura Privatstiftung – benannt nach der ältesten Tochter des mittlerweile in U-Haft sitzenden Signa-Gründers René Benko – ist pleite. Der Stiftungsvorstand hat einen entsprechenden Insolvenzantrag beim Landesgericht in Innsbruck eingebracht. Zuvor wurde die Stiftung eigenen Angaben zufolge in zwei Schiedsverfahren zu Zahlungen von rund einer Milliarde Euro verurteilt.
„Da die Laura Privatstiftung wirtschaftlich nicht imstande ist, die sich aus diesen Schiedsurteilen ergebenden Zahlungspflichten zu erfüllen, und da die Urteile zudem ihre rechnerische Überschuldung bewirken, sieht der Stiftungsvorstand die Insolvenzgründe der Zahlungsunfähigkeit und der Überschuldung als gegeben an“, wird der Vorstand in einer Aussendung, die an mehrere Medien ging, zitiert.
Zur Vorgeschichte: Im Zuge der Signa-Pleite hatten der Staatsfonds aus Mubadala und die „Am 1 Real Estate Investment Management SCSP“, die einem katarischen Investor zugerechnet wird, vor einem Internationalen Schiedsgerichtshof geklagt; nicht nur gegen mehrere Signa-Gesellschaften, sondern auch gegen René Benko als Person und gegen mehrere Stiftungen.
Im Fall von Mubadala bekam die Klägerin aus Abu Dhabi Recht und das Schiedsgericht des International Chamber of Commerce (ICC) mit Sitz in der Schweiz sprach dem Staatsfonds mehr als 680 Millionen Euro zu, samt üppiger Zinsen. profil berichtete ausführlich. Ob der Schiedsspruch auch im Fall der „Am 1 Real Estate Investment Management SCSP“ zugunsten der Klägerin ausging, ist bisher nicht bekannt.
In der Stiftung soll noch Vermögen zwischen 300 und 400 Millionen Euro liegen – dazu gehören Zinshäuser in Innsbruck, wie profil Anfang 2024 aufdeckte, aber auch Kunstwerke. Dennoch dürfte das Stiftungsvermögen für die Forderungen aus dem Nahen Osten bei weitem nicht ausreichen. Neben der Laura Privatstiftung, die nun Insolvent ist, gibt es in Liechtenstein eine weitere, noch solvente Familienstiftung der Benkos – die INGBE Stiftung, die nach einer erfolgreichen Klage allerdings vorerst wichtige Teile ihres Vermögens nicht ausschütten darf.
Offen ist nun, ob die hunderte Millionen Euro schweren Forderungen der Emiratis im Fall der Insolvenz zu klassischen Gläubiger-Forderungen neben vielen anderen werden. Vertreter der Laura Privatstiftung waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
In einer Aussendung bezeichnet der Kreditschutzverband KSV1870 die Insolvenz der Stiftung als ,,eines der komplexesten Insolvenzverfahren in der österreichischen Wirtschaftshistorie". Und weiter: „Die Insolvenzverwalter erwartet eine Herkulesaufgabe. Nach einer ersten Analyse des Konzernorganigramms sind hunderte Gesellschaften der Einflusssphäre der Laura Privatstiftung zuzuordnen. Dies nicht nur in Österreich, sondern auch im Ausland. Dementsprechend umfangreich stellt sich die Situation dar“, wird Klaus Schaller vom KSV1870 in Innsbruck zitiert.