Lucy Dacus

© Marin Leong

Aufgedreht
07/02/2021

Slayer im Bibelcamp

Populärkultur & Musik zur Zeit. Teil acht: Die US-Musikerinnen Lucy Dacus und Faye Webster holen die Country-Musik in die Pop-Gegenwart.

von Philip Dulle

Während die halbe Welt auf „Happier Than Ever“, das neue Album des US-Superstars Billie Eilish, wartet (es erscheint am 30. Juli), ist Barack Obama wieder zwei Schritte weiter. In der Jahres-Playlist des Pop-affinen US-Präsidenten a.D. fand sich der Liebeskummer-Song „Better Distractions“ einer jungen Singer-Songwriterin aus Atlanta, Georgia, die bis dato nur eingefleischten Musik-Nerds ein Begriff war. Faye Webster, 23, hat mit ihrem letzten Album („Atlanta Millionaires Club“, 2019) nicht nur die Pedal-Steel-Gitarre wieder in die Popgegenwart geholt, mit ihren zurückgelehnten Miniaturen ist sie auch auf dem besten Weg, good old country music zu entstauben.

„I Know I'm Funny haha“ heißt ihre aktuelle Songsammlung: eine süchtig machende Mischung aus Indie-Country mit einem Hauch R&B. Webster erzählt mit melancholischer Stimme von den alltäglichen Unzulänglichkeiten einer jungen Frau im US-amerikanischen Süden. „You make me wanna cry in a good way“ heißt es im zentralen Song „Good Way“, und er stellt die große Frage, wie viel Traurigkeit in kurzen Glücksmomenten steckt.

Lucy Dacus dreht diese musikalische Coming-of-Age-Erzählung weiter Richtung Vergangenheitsbearbeitung. Die 26-jährige Musikerin aus Richmond, Virginia, rechnet auf ihrem dritten Album („Home Video“) mit ihrer christlichen Heimat ab. Die von Americana und Country geprägte Rockmusik erweitert sie um Synthesizer- und Pop-Akzente, erzählt unnostalgisch und angstfrei von unterdrückter Sexualität, von Gewaltfantasien gegen den abwesenden Vater einer Freundin – und wie sie die Ferien im Bibelcamp nur dank der Musik der Metal-Band Slayer überlebt hat.

Lucy Dacus: Home Video (Matator/Beggars)

Faye Webster: I Know I'm Funny haha (Secretly Canadian)

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