Das beste Muttertagsgeschenk, das Männer den Müttern ihrer Kinder machen können, ist Zeit für mehr bezahlte Arbeitsstunden. Eine Mutter, die sich auch finanziell um ihre Familie kümmert, ist kein schlechtes Vorbild.

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Was sagen Sie eigentlich der Mutter Ihrer Kinder, wenn sie einmal auf Mädelsurlaub fahren möchte? Der österreichische Snowboarder und Olympiasieger Benjamin Karl richtete seiner Partnerin dazu neulich in einem Podcast Folgendes aus: „Das geht nicht, weil ich finanziell der Verantwortliche für diese vier Mäuler bin.“ Das Ehepaar hat zwei Töchter, und er ist eben ein sehr beschäftigtes, gut verdienendes Familienoberhaupt.

Liebe geht vielleicht irgendwann durch den Magen. Gleichberechtigung geht jedenfalls immer durch die Geldbörse. Das ist eine bittere Erfahrung, die viele Frauen spätestens nach dem ersten Kind machen. Es geht nicht um die Frage, wer in einer Partnerschaft mehr oder weniger verdient. Aber es geht sehr wohl darum, wer sich ohne das Einkommen des anderen ein Leben in Würde leisten kann – nicht nur für sich selbst, sondern auch für seine Kinder. Und in Österreich ist das viel zu oft nicht die Mutter.

Im Alltag vieler Frauen sieht das so aus: Sie bittet ihn, ein paar Monate in Karenz zu gehen, damit ihr der Wiedereinstieg in den Job leichter fällt und sie wieder Geld verdienen kann. Er erinnert sie daran, dass sein Job deutlich mehr einbringt und es ökonomisch unklug wäre, wenn er weniger arbeiten würde. Was er nicht dazusagt: Wenn sie jetzt zurücksteckt, bleibt das ihr Leben lang so. Sie bittet ihn, mehr im Haushalt zu übernehmen. Er erinnert sie daran, dass er doppelt so viel arbeitet wie sie und deshalb auch nur halb so oft die Wäsche aufhängen müsse.

Im ökonomischen Fachjargon nennt man dieses Phänomen „Motherhood Penalty“. Gemeint sind Einbrüche im Lebenseinkommen von Frauen, die durch eine Kombination aus Karenzunterbrechung, Teilzeit und Karriereeffekten nach der Mutterschaft entstehen.

Im Jahr 2024 errechnete der dänische Ökonom Henrik Jacobsen Kleven mit seinen Forschungskolleginnen und Forschungskollegen in einer Studie für Österreich: Die Einkommen von Frauen fallen nach der Geburt dauerhaft auf durchschnittlich 50 bis 60 Prozent ihres Einkommens vor dem Kind. Während sich die Einkommen von Müttern über Jahre hinweg halbieren, bleiben die Einkommen von Vätern weitgehend unverändert.

Eine Mutter, die es sich leisten kann zu gehen, wenn ihr Partner sie oder ihr Kind schlecht behandelt, ist ein gutes Vorbild.

Im europäischen Vergleich schneidet Österreich da nicht besonders gut ab. Wenig überraschend sind die Einkommenseinbußen von Müttern in Ländern mit besser ausgebauter Kinderbetreuung beziehungsweise einer höheren Teilzeitquote von Männern nämlich deutlich geringer.

Vieles ist allerdings Kopfsache: In Österreich wird der Erfolg einer Mutter noch immer daran gemessen, wie kurz ihre Kinder im Kindergarten bleiben „müssen“. Werden Kinder ganztägig betreut, hat sie schon versagt – zumindest ein bisschen. Dabei gibt es mehr als genug empirische Evidenz dafür, dass frühkindliche, pädagogisch begleitete Förderung die Bildungschancen von Kindern deutlich verbessert. Gebildete und erfolgreiche Mütter ziehen häufiger gebildete und erfolgreiche Töchter groß und bringen ihren Söhnen bei, dass es normal ist, wenn beide Eltern Geld verdienen und sich gleichermaßen um die Kinder kümmern – auch das wurde in zahlreichen Studien untersucht.

Weil am Sonntag Muttertag ist, eine kleine Anregung für die Geschenkkarte: Eine Frau, die arbeitet, um ihren Kindern eine gute Ausbildung und ein finanziell abgesichertes Leben zu ermöglichen, ist keine schlechte Mutter. Eine Mutter, die es sich leisten kann zu gehen, wenn ihr Partner sie oder ihr Kind schlecht behandelt, ist ein gutes Vorbild.

Marina Delcheva

Marina Delcheva

leitet das Wirtschafts-Ressort. Davor war sie bei der „Wiener Zeitung“.