© Udo Titz

Satire
05/04/2021

Rainer Nikowitz: Weil’s wahr ist!

Nationalratspräsident Sobotka findet Wahrheitspflicht für Abgeordnete ein wenig lästig. Und lügt im nie geführten Interview trotzdem nicht. Ehrlich.

von Rainer Nikowitz

profil: Herr Präsident, Sie haben gesagt, dass Sie sich eine Aufhebung der Wahrheitspflicht in Untersuchungsausschüssen vorstellen könnten.
Sobotka: Das habe ich nicht gesagt. 

profil: Doch. 
Sobotka: Niemals.

profil: In einem Interview.
Sobotka: Papier ist geduldig.

profil: Es war im Fernsehen. Man konnte Sie sehen und hören. 
Sobotka: Ich habe ein ziemliches Allerweltsgesicht. Könnte jeder gewesen sein.

profil: Wenn das nicht Sie waren – dann sind Sie also gar nicht dafür, dass Politiker ungestraft lügen dürfen?
Sobotka: Ich würde niemals sagen, dass Politiker ungestraft lügen dürfen. Ich sage nur, dass Politiker nie nicht niemals lügen dürfen nicht müssen. 

profil: Äh … ja.
Sobotka: Das wird man doch noch sagen dürfen! 

profil: Aber sicher. In Österreich darf man als Politiker viel sagen. 
Sobotka: Das stimmt nicht. Ich könnte zum Beispiel niemals behaupten, dass das, was man über mich sagt, wahr ist.

profil: Weil’s wahr ist.
Sobotka: Genau das ist das Problem. 

profil: Aber vielleicht wäre das ja sogar ein Vorteil. Weil es viele dann nicht mehr glauben werden, wenn Sie es sagen.
Sobotka: Diese Anspielung verletzt jetzt aber wirklich die Würde des Amtes, das ich bekleide. 

profil: Warum gewinnt man generell den Eindruck, dass unter der ÖVP die politischen Sitten völlig verrohen? Ohne Not.
Sobotka: Das ist nicht richtig.

profil: Hätte mich gewundert. Warum diesmal nicht?
Sobotka: Nicht ohne Not.

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