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morgenpost
06/01/2022

Außer Atem: Ist Corona vorbei?

Ab heute gibt es erneuerte Corona-Regeln: Die Maskenpflicht wird in den allermeisten Lebensbereichen aufgehoben.

von Sebastian Pumberger

Guten Morgen!

Wenn Sie diesen Text in der Schnellbahn oder im Bus auf dem Weg in die Arbeit lesen, werden Sie bei ihren Mitfahrenden die Unklarheit schon bemerkt haben. Was gilt denn nun ab heute? Maske rauf oder runter? Und: Ist Corona nicht längst vorbei?

Die Antwort ist: Kommt darauf an.

Gesundheitsminister Johannes Rauch nennt es “Atempause”, andere einfach Sommer. In jedem Fall: In den allermeisten Lebensbereichen - neue Corona-Variante hin oder her - wird die Maskenpflicht aufgehoben. Natürlich ist es nicht so einfach, weil Wien anders reagiert als der Rest des Landes. Eine einheitliche Betrachtung der Pandemie gelingt uns im dritten Corona-Sommer auch nicht. Der Stand ab heute ist:

  • Variante A: Österreich minus Hauptstadt

Maskenpflicht in "besonders vulnerablen Settings" wie Krankenanstalten, Kuranstalten und sonstige Orten, an denen Gesundheits- und Pflegedienstleistungen erbracht werden, sowie in Alten- und Pflegeheimen.

  • Variante B: Wien

In Wien gilt die Maskenpflicht zusätzlich auch weiterhin in Arztpraxen, Apotheken und - wichtig für Schnellbahnfahrer:innen - in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich hoffe, Sie wissen noch, wo die Stadtgrenze verläuft, ab da gilt in den Öffis wieder Maskenpflicht. Im Gesundheitsministerium rechnet man übrigens mit einem Ende der Atempause im Herbst - wenn die Masken nicht wieder früher notwendig werden. Pausieren soll auch weiterhin die Impfpflicht.

Einstweilen beschäftigen wir fleißigen Hobby-Virologen uns mit den Affenpocken. Es ist keine Krankheit aus dem Munde der Tante Jolesch, auch wenn es so klingt. Mein Kollege Alwin Schönberger hat sich das Virus genauer angesehen. Fazit: Pandemie steht da jetzt mal nicht bevor. Eine reicht auch, würde ich meinen. Die ist ja auch nicht weg, sondern nur auf längerem Sommerurlaub. Kurz atmen.

Atemlos zurück hinterließ mich hingegen eine andere Geschichte. Meine Kollegin Christa Zöchling hat sich in ihrer Reportage über den Kinderarzt Franz Wurst und  dem Jahre zurückliegenden Missbrauchsskandal in Kärnten beschäftigt, der nun auch in einem Theaterstück behandelt wird. Es ist einer dieser Zöchling-Texte, die man nicht einfach weglegt oder überblättert - sondern der noch lange in einem arbeitet. Ich muss jedenfalls die letzten Tage öfters daran denken. Wie konnte ein Missbrauch in solchem Ausmaß mit solch prominent handelnden Personen passieren? Erst durch einen Mordfall flog die Sache auf. Lesen Sie die Geschichte (dazu gibt es einen Podcast mit der Historikerin Ulrike Loch auf profil.at) im aktuellen Heft. Ich kann sie nur mit Nachdruck empfehlen.

Kollege Wolfgang Paterno hat es in seiner gestrigen Morgenpost schon angekündigt: Wir wollen uns bei profil vermehrt der Streitkultur widmen. Und dabei auch Sie einbinden, liebe Leser:innen. Bei welchen Themen gehen in ihrem Umfeld die Wogen hoch, was beschäftigt Sie? Schreiben Sie uns unter [email protected], wenn Sie Themenvorschläge haben oder einen Debattenbeitrag beisteuern wollen. Wir freuen uns auf einen regen Austausch!

Kommen Sie gut durch den Tag – und holen Sie tief Luft.

Sebastian Pumberger