profil-Morgenpost

Magnus Carlsen will Weltschachtitel aufgeben: Langeweile siegt!

​​​​​​​Eine abgelegte Krone ist nicht dasselbe wie ein Sieg. Warum Schachweltmeister Magnus Carlsens Langeweile berechtigt ist. Plus: Kampf gegen die Hitze.

Drucken

Schriftgröße

Der beste Schachspieler der Welt hat genug – vom Gewinnen. Magnus Carlsen sagte diesen Mittwoch, am internationalen Tag des Schachs, dass er seinen Titel im nächsten Jahr nicht verteidigen wird. Ein neuer Weltmeister wird auf die Bühne treten. Carlsen zu ersetzen, wird jedoch keine leichte Aufgabe.

Fehlende Motivation

Der 31-jährige Norweger sagt in seinem neuen Podcast „The Magnus Effect“, er fühle sich mit seiner Entscheidung, seinen Weltmeistertitel nicht zu verteidigen, wohl. Er finde nicht, dass er viel zu gewinnen habe, auch wenn er sicher sei, „dass ein Spiel aus historischen Gründen und so interessant wäre“.

Was treibt einen Schachspieler seiner Liga an, die klassische Weltmeisterschaft des internationalen Schachverbands (FIDE) am Höhepunkt seiner Karriere zu verlassen?

Carlsen wurde mit 13 Jahren Schach-Großmeister und mit 19 Jahren der bestbewertete Spieler der Welt. Chess.com wählte ihn dieses Jahr zum zweitbesten Spieler aller Zeiten, hinter Garry Kasparow und einen Platz vor Bobby Fischer. Er gewann den Weltmeistertitel 2013 gegen Viswanathan Anand und verteidigte den Titel viermal, wobei er erneut Anand, dann Sergey Karjakin, Fabiano Caruana und zuletzt Jan Nepomniachtschi besiegte.

"Magnus ist nicht müde, aber ich glaube, er ist von zu vielen Partien gelangweilt", sagte Garry Kasparow, Weltmeister von 1985 bis 2000, Anfang des Monats gegenüber des St. Louis Chess Club.

Den offiziellen Weltmeisterschaftstitel muss Carlsen nicht verteidigen, um seine Position als bestbewerteten Spieler der Welt zu halten. Solange er weiterspielt, was er laut seiner Ankündigung vorhat, kann er also dennoch alle anderen in den Schatten stellen. Außerdem schließt er eine Rückkehr nicht aus: „Aber ich würde mich auch nicht besonders darauf verlassen“, fügt er hinzu.

2900 – Wie das Elo-Bewertungssystem im Schach funktioniert

Das offizielle FIDE-Ranking errechnet sich seit 1970 aus dem Elo-Bewertungssystem, erfunden von Arpad Elo, Schachmeister und Physikprofessor aus den USA. Dieses errechnet den wahrscheinlichen Ausgang der Partien einer Person gegen andere Spieler.

Bei der Weltmeisterschaft arbeiten der Herausforderer und der amtierende Weltmeister monatelang mit Teams von Schachexperten zusammen und studieren mit Hilfe leistungsfähiger Schachcomputer unterschiedliche mögliche Spielkonstellationen. 

Von der Bewertung hängt vieles ab: ist sie eher niedrig, bedeutet das, dass die Wahrscheinlichkeit, eine höher eingestufte Person zu besiegen, auch niedrig ist. Gewinnt ein Spieler trotzdem, wird diese Leistung als viel bedeutender angesehen, und er bekommt umso mehr Punkte. Der höher bewertete Spieler wird bei einem Verlust jedoch entsprechend bestraft.

Das Ergebnis ist, dass beide Spieler oder Spielerinnen im Grunde genommen für fast jede Position am Schachbrett die vom Computer generierten besten Spielzüge anwenden. Das führt oft zum Gleichstand.

Zurück zu Magnus Carlsen. Er erklärte es zu seinem Ziel, eine Elo-Zahl von 2900 zu erreichen. Carlsens Spitzenbewertung von 2882 ist die höchste jemals erreichte. Um jedoch auf 2900 Punkte zu kommen, müsste er immer und immer wieder gegen einige der besten Spieler der Welt siegen, ohne viele Unentschieden oder Niederlagen. Das ist eine große Herausforderung, zumal viele Schachspiele, wie oben beschrieben, in ein Unentschieden enden – nicht so unklug von Carlsen also, seine Punkte bei der nächsten FEDA-Weltmeisterschaft nicht aufs Spiel zu setzen.

Schach ist auf diesem Niveau höchst technisch. Möglicherweise ist Carlsens Ausstieg ein guter Anlass, um das Bewertungssystem zu überdenken. Wenn der beste Spieler der Welt etwas Besseres zu tun hat, als seinen Titel zu verteidigen, könnte die Öffentlichkeit irgendwann auch das Interesse verlieren.

Make chess cool again

Soviel zu Magnus Carlsens Können. Nebenbei hat er Schach auch gesellschaftlich aufgewertet und für die junge Zielgruppe attraktiv gemacht.

Carlsens Abwesenheit werde eine große Lücke an der Spitze der Schachwelt hinterlassen, schreibt “New York Times”-Autor Victor Mather: “Sein Name ist wahrscheinlich einer der wenigen, die jenen etwas sagen, sie sich nur gelegentlich für Schach begeistern.”

Dieser Bekanntheitsgrad hat es dem Weltmeister ermöglicht, sich eine eigene Marke zu schaffen: Er gründete ein börsennotiertes globales Schachunternehmen (Play Magnus), war Model für eine angesagte Bekleidungsmarke (G-Star Raw) und war sogar in einer norwegischen Reality-Fernsehshow zu sehen. In seiner Heimat Norwegen hat die Faszination für Carlsen viele dazu veranlasst, selbst mit dem Spiel zu beginnen.

2022, deine Rekorde

Wir sprechen von Rekorden. An dieser Stelle folgt ein an Sie gerichteter Glückwunsch: Sie haben es bis zum vierten Tag der aktuellen Hitzewelle geschafft. Wir können nun mal dieser Tage nicht an diesem Thema vorbei.

Man sagt, es dauert zirka 14 Tage, bis sich der menschliche Körper an Temperaturveränderungen gewöhnt. Wie lange diese Hitzewelle anhalten wird, wissen wir nicht. In den nächsten Tagen sind punktuell immer noch Temperaturen von bis zu 38 Grad möglich, besonders im Osten wird die Hitze groß.

Hier haben wir einige Tipps im Umgang mit der Hitze für Sie gesammelt und hier können Sie nachlesen, wie Sie Ihre Wohnung kühl halten.

Was würden Sie gern aus Langeweile tun? Ich wünsche es Ihnen dieses Wochenende.

Elena Crisan

Elena Crisan

Elena Crisan

ist im Online-Ressort und in der Fotoredaktion tätig.