profil-Chefredakteurin Anna Thalhammer fotografiert Egisto Ott vor Beginn des Prozesses wegen des Verdachts der Russland-Spionage. Ott hat sämtliche Vorwürfe immer bestritten, es gilt die Unschuldsvermutung.
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Mundtot klagen: Polit-SLAPPe beim Journalisten-Schutz

Gesetzeslücken sorgen dafür, dass in Österreich kritische Journalistinnen und Journalisten besonders leicht mit sogenannten SLAPP-Klagen eingedeckt werden können. Erst jetzt kommt die Regierung in die Gänge.

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Praktisch jeden Tag eine neue Hiobsbotschaft vom Gericht: Dauertelefonate mit dem Anwalt. Kosten, Zeit, fruchtlose Mühe. profil-Chefredakteurin Anna Thalhammer kennt das. „Falter“-Chefredakteur Florian Klenk lernt es gerade kennen. Aber es kann in Wahrheit jeden treffen, der in sozialen Medien unterwegs ist. Während die Politik zusieht, bergen Lücken im Mediengesetz und in „Hass im Netz“-Regeln ein immenses Risiko.

Bei kritischen Journalistinnen und Journalisten kann das in Richtung sogenannter SLAPP-Klagen („strategic lawsuits against public participation“) gehen. Darunter versteht man landläufig das unverhältnismäßige Ausnutzen rechtlicher Möglichkeiten, um Medien oder auch NGOs mundtot zu machen. Gängiges Beispiel auf internationaler Ebene wäre, dass ein Konzern oder eine vermögende Person eine Klage mit so hohem Streitwert einbringt, dass bereits die Verfahrensführung für Betroffene nicht leistbar wird. Das österreichische Rechtssystem bietet jedoch auch deutlich niederschwelligere Optionen.

Stefan Melichar

Stefan Melichar

ist Chefreporter bei profil. Der Investigativ- und Wirtschaftsjournalist ist Mitglied beim International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ). 2022 wurde er mit dem Prälat-Leopold-Ungar-Journalist*innenpreis ausgezeichnet.