++ THEMENBILD ++ JUSTIZANSTALT FÜR JUGENDLICHE AM MÜNNICHPLATZ IN WIEN-SIMMERING
Drogen, Sicherheitslücken, Burnoutgefahr bei Wache: Was ist los im neuen Wiener Jugendgefängnis?
„Ein 17-jähriger Jugendlicher wurde im Gemeindegebiet von Traiskirchen Opfer eines Raubes. Zwei Täter versetzten dem Opfer Faustschläge, entrissen ihm gewaltsam die Jacke und flüchteten im Anschluss. Die Beschuldigten – ein 16-Jähriger aus Wien und ein 17-Jähriger aus dem Bezirk Tulln – wurden festgenommen und auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Wien in die Justizanstalt Münnichplatz eingeliefert“, vermeldet die Polizei vor fünf Tagen.
Am selben Tag vermeldete die Justiz 80 Insassen im neu adaptierten Jugendgefängnis in Wien Simmering. Am ersten Tag des Vollbetriebs vor drei Monaten waren es 35. Angelegt sei dieser „Meilenstein im Jugendstrafvollzug“ für bis zu 72 männliche Straftäter im Alter von 14 bis 18, hieß es bei der Eröffnung im Februar.
Junge Räuber, Jugendbanden, Systemsprenger, „Pädohunter“, Islamisten: Gerade in dieser Altersgruppe stieg die Kriminalität markant und das führt die Haftanstalt am Wiener Stadtrand schon jetzt über ihre Belastungsgrenzen.
Nach einem gemeinsamen Besuch der Haftanstalt vor zwei Tagen schlugen Justizwachegewerkschaft und Volksanwaltschaft Alarm. An manchen Tagen sei nur die Hälfte der vorgesehenen Justizwachebeamten im Dienst. Der eklatante Personalmangel erhöhe sowohl die Burnoutgefahr beim Personal als auch die Sicherheitslücken in der Anstalt. „Die Begleitung zu Therapien, in Werkstätten, oder der tägliche Hofgang könne nur unter erhöhtem Risiko oder gar nicht stattfinden“, hieß es.
Das Drogenproblem am Münnichplatz
Diese angespannte Lage bei Personal und Häftlingen könnte ein Problem verschärfen, das profil aufgedeckt hat. Die Haftanstalt bestätigte auf Anfrage mehrere Funde der Droge Spice. Dieses synthetisch nachgebaute Cannabis kann unsichtbar und geruchlos auf Kleidung oder Briefpapier aufgetropft werden und gelangt viel leichter in Haftanstalten als andere Drogen. Oft hoch dosiert kann es Aggressionsschübe, Psychosen bis hin zu Herz-Kreislaufstörungen auslösen.
Die Justizanstalt lässt drogenaffine Insassen seither verstärkt kontrollieren, Briefe vor Zustellung kopieren und Wäsche von außen waschen. Doch der Kampf gegen die Spice-Schwemme erhöhte die Arbeitslast des Personals, das schon für Hofrunden zu wenig Zeit findet.
JUSTIZANSTALT FÜR JUGENDLICHE AM MÜNNICHPLATZ IN WIEN-SIMMERING
Wirkliche Entlastung nur durch weniger Häftlinge
Der Personalmangel bei der Justizwache ist in ganz Österreich angespannt. Die Rekrutierung läuft auf Hochtouren, die Anforderungen wurden gesenkt.
Das Justizministerium will die Belagsfähigkeit im neuen Jugendgefängnis nun erweitern und hat angeordnet, dass umliegende Anstalten zusätzliches Personal entsenden. Außerdem würden zehn künftige Bedienstete gerade ihre Grundausbildung absolvierenden, heißt es zum „Kurier“.
Die beste Entlastung für den Münnichplatz wäre es freilich, wenn die Jugendkriminalität wieder sinkt und damit der Nachschub an Häftlingen – wie zuletzt aus Traiskirchen.