Irmgard Griss: „Mit Schlacks Kündigung haben wir nicht gerechnet“
Frau Griss, was ändert die Kündigung Annemarie Schlacks für Sie als Vorsitzende der Reformkommission?
Irmgard Griss
Für die Reformkommission ändert sich gar nichts. Wir setzen unsere Arbeit wie bisher fort.
War Schlacks Kündigung für Sie absehbar?
Griss
Nein. Wir haben nicht damit gerechnet. Annemarie Schlacks Arbeit war sehr verdienstvoll. Sie hat verschiedene Prozesse aufgesetzt, die eine gute Basis für die weitere Arbeit der Reformkommission sind.
Hatte Frau Schlack intern mit Widerständen zu kämpfen?
Griss
Das müssen Sie Frau Schlack fragen.
Hat die Kommission bisher Widerstände erlebt?
Griss
Von Widerständen kann keine Rede sein, von Frau Schlack sowieso nicht. In der gesamten Organisation gab es stets eine große Bereitschaft, sowohl über die positiven als auch die negativen Aspekte der Vergangenheit mit uns zu reden. Wir haben bisher mit mehr als hundert Personen gesprochen, wir waren in Kinderdörfern, wir haben immer Unterlagen bekommen.
Wer soll sich den Job von Frau Schlack antun, was erwarten Sie von einer neuen Führung?
Griss
Die Nachfolge von Frau Schlack braucht Kompetenz in Pädagogik. Die Stelle der Geschäftsführung ist jedenfalls ausgeschrieben, bis Juni bleibt Frau Schlack, es sind also keine chaotischen Zustände, es ist so weit alles im Griff, wie ich finde.
Nach Ihren derzeitigen Recherchestand – was sind die größten strukturellen Probleme bei SOS-Kinderdorf?
Griss
Es gab Übergriffe verschiedenster Art, die meisten davon sind Geschichte. Übergriffe aus der jüngsten Vergangenheit sehen wir nicht. Genaueres dazu wird die Kommission noch veröffentlichen.
Was ist die Zukunft von SOS-Kinderdorf?
Griss
Ich gehe davon aus, dass sie eine wichtige Institution bleiben wird. Sie ist gerade dabei sich neu aufzustellen. Ich bin zuversichtlich, dass unsere Empfehlungen dazu beitragen werden.
Unter welchen Umständen würden Sie selbst hinschmeißen und die Leitung der Reformkommission zurücklegen? Was wäre für Sie eine rote Linie?
Griss
In meiner Arbeit gab es bisher keinerlei Probleme, wir haben alles bekommen, was wir wollten. Es ist keine Rede davon, dass wir in der Aufarbeitung behindert werden, im Gegenteil. Es liegt nun an uns, die Lehren für die künftige Organisation zu ziehen.