Ein Priester steht vor der Sakristei in der Wiener Paulanerkirche
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Katholisches Wien: Die letzte Bastion des Glaubens

Die Zahl der Katholikinnen und Katholiken in Wien ist auf ihrem historischen Tiefstand. Doch das Leben in so mancher Gemeinde ist so bunt wie selten zuvor.

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Selbst wenn man wüsste , was die lateinischen Verse bedeuten, die der Priester mit dem Rücken zum Kirchenvolk Richtung Hochaltar aufsagt – sie sind kaum zu verstehen. Manches gesprochene Wort schluckt seine Soutane, an der der Erwachsenenministrant immer wieder zupft, manches verliert sich im Gewölbe der barocken Wiener Paulanerkirche. Trotz schlechter Akustik wissen die Gläubigen dennoch ganz genau, an welcher Stelle sie niederknien müssen, wann das Amen kommt und wann das lateinische „Und mit Deinem Geiste“. Ein junger Mann mit gescheitelten blonden Haaren und Barbour-Jacke intoniert mit der Inbrunst eines Burgschauspielers jedes „T“ durch die kalte Kirchenluft – „Et cum spiritu tuo“.

Akkuratesse hat hier einen hohen Stellenwert, nichts ist improvisiert, nichts ist neu – im Gegenteil. Hier soll, zumindest wenn die Petrusbruderschaft, die hier zu Gast ist, die Messen hält, alles sein, wie es war, als die Paulanerkirche vor Jahrhunderten gebaut wurde; als auf der Wieden nicht an jeder Ecke die Reklamen von Bars lockten, als von draußen Kutschen und nicht die Badner Bahn zu hören war. Zumindest, wenn in der Paulanerkirche die Tridentinische Messe gefeiert wird, auch bekannt als alte Messe. Hier gibt es keine Gitarren und kein Kumbaja. Hier ist die Welt so, wie sie dereinst war.

Nina Brnada

Nina Brnada

ist Redakteurin im Österreich-Ressort. Davor Falter Wochenzeitung.