Mario Kunasek und ein Zitat aus einer Zeugeneinvernehmung
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FPÖ-Finanzaffäre mit Unterstützung aus Kunasek-Umfeld aufgedeckt?

Der Aufdecker des FPÖ-Finanzskandals in Graz, Alexis Pascuttini, behauptet, Unterstützung aus dem Umfeld des steirischen FPÖ-Chefs Mario Kunasek gehabt zu haben.

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Am Dienstag, 9. Dezember 2025 nimmt Alexis Pascuttini Platz bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt und wird erst acht Stunden später wieder aufstehen und gehen. Das, was der verstoßene ehemalige Klubobmann der Grazer Blauen und nunmehriger Überläufer zu den Neos zu Protokoll gibt, bringt die FPÖ gehörig unter Druck: Die Geschichte der FPÖ-Finanzaffäre in Graz, bei der mutmaßlich Millionen Euro an Steuergeld veruntreut wurden, muss neu geschrieben werden. Pascuttini sagt: Er selbst hat den Skandal ursprünglich aufgedeckt. Und enge Vertraute des heutigen blauen Landeshauptmannes Mario Kunasek sollen ihm dabei geholfen haben.

Mario Kunasek in seinem Büro
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Seit über vier Jahren durchforstet die Justiz die Finanzen der FPÖ Graz. Nach Berichten in der „Kleinen Zeitung“ Ende 2021 über finanzielle Ungereimtheiten, die unter anderem aus Excel-Tabellen hervorgingen, hatte sich der damalige Finanzreferent der Stadtpartei, Matthias Eder, selbst angezeigt. Eder behauptet seitdem, er habe im Alleingang bis zu 710.000 Euro veruntreut. Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt vermutet allerdings, dass neben Eder auch Ex-Stadtparteichef Mario Eustacchio und der frühere Klubchef der Grazer FPÖ, Armin Sippel an der Untreue beteiligt gewesen sein könnten. Insgesamt könnten rund 1,8 Millionen Euro an Steuergeld veruntreut worden sein. Und Landeshauptmann Mario Kunasek wird verdächtigt, all das in seiner Rolle als steirischer FPÖ-Chef nicht verhindert zu haben. Die Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Maulwurfsjagd

Zu Beginn der Causa suchte die steirische FPÖ vor allem nach einem: Den „Verräter in den eigenen Reihen“ (Zitat!), der die mutmaßliche Untreue an die Medien gespielt hat. Laut Protokollen der Landespartei nahm sich die FPÖ eine „Interne Reinigung“ vor: „Personen finden, die das alles ins Rollen gebracht haben“. 

Nun ist klar: Einer der Aufdecker war Alexis Pascuttini. Der heute 29-jährige Jurist war 2021 Sippel als Klubchef der FPÖ-Graz nachgefolgt. Pascuttini und seine Mitstreiter wollten die Finanzcausa aufklären, stattdessen wurden sie im Herbst 2022 aus der FPÖ geworfen. Landesparteichef Kunasek wies Pascuttini die Tür, Stadträtin Claudia Schönbacher wurde gar von FPÖ-Parteichef Herbert Kickl höchstpersönlich aus der Partei geschmissen. Die blauen Rebellen blieben als „Korrupiontsfreier Gemeinderatsklub“ (KFG) im Grazer Rathaus. Bei der Grazer Gemeinderatswahl im Sommer treten sie aber getrennt an: Pascuttini kandidiert für die Neos.

Am 9. Dezember 2025, nach mehr als vier Jahren Ermittlungen, packt Pascuttini aus: Er selbst habe die Malversationen ursprünglich entdeckt und angezeigt. Er habe im Sommer 2021 die Finanzen der Grazer Stadtpartei grob zusammengerechnet, rund 500.000 Euro an Förderungen hätten Partei und Klub demnach pro Jahr erhalten. Doch nur rund 200.000 Euro seien für „ordnungsgemäße politische Arbeit“ verwendet worden, sagt Pascuttini gegenüber der Staatsanwaltschaft. Pascuttini erstattete daher schon 2021 Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Graz - und hängte dabei jene Excel-Listen an, die später Grundlage für den ersten Artikel der „Kleinen Zeitung“ sein würden.

Unterstützung aus dem Kunasek-Umfeld?

Laut seinen Aussagen unter Wahrheitspflicht vor der Staatsanwaltschaft hatte Pascuttini bei seinen Recherchen in der FPÖ prominente Unterstützung und belastet damit aktive FPÖ-Politiker schwer: Dominik Hausjell, heute stellvertretender Pressesprecher der blauen Landesrätin Claudia Holzer und FPÖ-Kandidat bei der Gemeinderatswahl in Graz. Hausjell habe „alle möglichen Dinge und Informationen gesammelt“ - darunter auch die Excel-Tabellen, so Pascuttini. Und auch Philipp Könighofer, einst Pressesprecher von Kunasek und heute stellvertretender Klubobmann der FPÖ im steirischen Landtag, soll laut Informationen an ihn weitergegeben haben. Zudem dürfte auch ein im Zuge der Ermittlungen aus der FPÖ ausgetretener Ex-Gemeinderat mit Pascuttini zusammengearbeitet haben. Ihn hatte die Partei ohnehin schon lange in Verdacht.

Ohne die Handlungen von Hausjell hätte es die derzeitigen Ermittlungen zum Finanzskandal nicht gegeben.

Anonymer Brief an FPÖ-Funktionäre

Ein anonymer Schreiber enthüllte die „Verräter” nun an die steirische FPÖ: Vier Seiten aus Pascuttinis Zeugeneinvernahme bei der Staatsanwaltschaft wurden an verschiedenste Funktionäre der Partei geschickt, wie die „Kleine Zeitung” zuerst berichtete. In einem Begleitschreiben listet der anonyme Schreiber zudem auf, wie Dominik Hausjell der FPÖ aus seiner Sicht geschadet habe: Hausjell habe gegen seine Verschwiegenheitspflicht gegenüber der FPÖ-Steiermark und FPÖ-Graz verstoßen, die Missstände nicht an die zuständigen Stellen getragen, und: „Ohne die Handlungen von Hausjell hätte es die derzeitigen Ermittlungen zum Finanzskandal nicht gegeben”, so der anonyme Autor.

Reisen auf Parteikosten

Tatsächlich erhielt Pascuttini die Excel-Tabellen offenbar von Hausjell, wie er in seiner Zeugenaussage ausführte: „Diese Excel-Tabellen hat er unter anderem auch mir weitergegeben und als ich mir diese Tabellen damals angeschaut habe, habe ich dem am Anfang keine große Bedeutung beigemessen und mir nur Gedanken darüber gemacht, für was in der Partei alles Geld ausgegeben wird.” 

Gemeinderat und NEOS Graz-Fraktionsvorsitzender Philipp Pointner (l.) und Alexis Pascuttini, Gründer und Klubchef des Korruptionsfreien Gemeinderatsklubs (KFG), am Donnerstag, 09. April 2026, im Rahmen eines Pressegesprächs der NEOS Graz zum Thema "Präsentation von Listenplatz 1 und 3 erste inhaltliche Schwerpunkte" in Graz. - FOTO: APA/INGRID KORNBERGER
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So hatte die FPÖ etwa Gemeinderatsabgeordneten Reisen nach Südamerika finanziert. Offiziell war auch das politische Arbeit gewesen, Pascuttini gegenüber seien sie aber als private Reisen dargestellt worden: „Hintergrund soll auch gewesen sein, dass der Ankauf von Land in diesen Ländern vorbereitet werden sollte, dies falls es in Europa ‘abwärts geht’”. Im Strafverfahren gibt es mittlerweile einen eigenen „Faktenkomplex Südamerika-Reisen“, wie „der Standard” zuerst berichtete.

Könighofer und Hausjell weisen Darstellungen zurück

Erst im Sommer 2021 habe sich für ihn „das Bild der finanziellen Zusammenhänge in der FPÖ Graz immer weiter verdichtet”, sagte Pascuttini - eben auch dank der Informationen von Könighofer. Den heutigen stellvertretenden Klubobmann der steirischen FPÖ hebt der anonyme Schreiber nicht hervor. 

Auf Anfrage von profil betont Könighofer: „An der Erstellung oder medialen Weitergabe von anonymen Strafanzeigen gegenüber aktiven oder ehemaligen FPÖ-Funktionären habe ich niemals wissentlich mitgewirkt.“ Bei entsprechenden Behauptungen behalte er sich rechtliche Schritte vor. Er sei auch nie Mitglied der FPÖ Graz gewesen, habe daher auch keinen internen Einblick gehabt, so Könighofer. Er sei damals lediglich als Pressesprecher mit Pascuttini, wie mit zahlreichen anderen blauen Funktionären, in Austausch gestanden.

Hausjell weist die Inhalte und Vorwürfe des anonymen Schreibens zurück, wie die Pressestelle der steirischen FPÖ an seiner Stelle ausrichtet: „Faktum ist, dass derzeit die Vorwahlphase läuft und hier offenbar mit Auszügen einer Aussage versucht wird, den Fokus auf gewisse gerichtsanhängige Sachverhalte zu lenken, um wohl letztlich der FPÖ zu schaden. Daran werde ich mich keinesfalls beteiligen.“ Pascuttinis „Behauptungen“ seien wohl in seiner nunmehrigen Funktion als Neos-Kandidat einzuordnen, so Hausjell, der rechtliche Schritte prüfen lassen will. Die steirische FPÖ hält an Hausjell als Kandidaten für die Gemeinderatswahl in Graz fest.

Pascuttini erklärt auf Anfrage von profil, er habe bei seiner Aussage „einen Überblick gegeben, was ich alles weiß und auch die Übergabe von Tonbandprotokollen zugesichert“. Aufgrund des Umfanges werde er zudem weitere Ergänzungen machen. Auf die Fragen, welche Rollen Hausjell und Könighofer gespielt haben, reagiert Pascuttini nicht: „Interne Machtkämpfe in der FPÖ Graz kommentiere ich nicht.“

Max Miller

Max Miller

ist seit Mai 2023 Innenpolitik-Redakteur bei profil. Schaut aufs große Ganze, kritzelt gerne und mag Grafiken. War zuvor bei der „Kleinen Zeitung“.