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Österreich
03/25/2020

profil-Morgenpost: Finden Sie Trost in Kurvendiskussionen?

Deutschland werde derzeit von Virologen regiert, schreiben „Der Spiegel“ und „Die Zeit“. Nicht weil die Physikerin Angela Merkel gerade in selbst auferlegter Quarantäne ist, sondern weil Professoren wie Christian Drosten (Institutsdirektor in Berlin) und Alexander Kekulé (Institutsdirektor in Halle) in Kolumnen, Interviews und Podcasts den Deutschen breitenwirksam Corona, Covid und die Welt erklären und damit sogar der Politik die Richtung weisen.

von Gernot Bauer

Deutschland werde derzeit von Virologen regiert, schreiben „Der Spiegel“ und „Die Zeit“. Nicht weil die Physikerin Angela Merkel gerade in selbst auferlegter Quarantäne ist, sondern weil Professoren wie Christian Drosten (Institutsdirektor in Berlin) und Alexander Kekulé (Institutsdirektor in Halle) in Kolumnen, Interviews und Podcasts den Deutschen breitenwirksam Corona, Covid und die Welt erklären und damit sogar der Politik die Richtung weisen. In normalen Zeiten würde man Drosten und Kekulé als Mansplainer anprangern, jetzt regieren sie angeblich das Land.

Österreich wird wahrscheinlich nie von einer Virologin regiert werden. Pamela Rendi-Wagner ahnt es schon. Als Generaldirektorin für die öffentliche Gesundheit erklärte uns Rendi-Wagner die Welt der Viren seinerzeit noch besser als Drosten-Kekulé (dieser Tage macht das Elisabeth Puchhammer-Stöckl). Die Welt erklären heißt in diesem Fall Kurven diskutieren. Die öffentliche Gesundheit hängt laut allen Experten davon ab, dass sich die Corona-Wachstumskurve abflacht. Manche Auskenner warnen allerdings, durch die derzeitigen Maßnahmen der Bundesregierung würde diese Kurve nur verschoben. Oder die Kurve bleibe zu steil. Ihr Morgenpostler hatte zwar eine ziemlich gute Note bei der Mathematik-Matura (die damals noch nicht zentral, aber pünktlich stattfand), bei der Corona-Kurve kann er aber nicht mitdiskutieren. Hauptsache wir kriegen sie.

Ihre profil-Morgenpost erhalten Sie seit Monaten werktags portofrei im digitalen Briefkasten. Niemand muss sich die Hände waschen, Handschuhe anziehen oder Abstand halten. Wir profil-Postler sind Tele-Heimwerker. Peter Greiner riskiert da mehr. Er ist Postzusteller in den steirischen Gemeinden Nestelbach und Vasoldsberg bei Graz, Dienstbeginn täglich um 6.20 Uhr. Im aktuellen profil (gratis im E-Paper) widmen wir Herrn Greiner und anderen Landsleuten, die das Österreich-Werkl am Laufen halten, einen langen Artikel. Wie Peter Greiner erzählt, bringt er den Leuten „Abwechslung“. Manche Kunden sehen ihren Briefträger jetzt zum ersten Mal.

Wahrscheinlich empfinden es in beängstigenden Zeiten viele als Trost, wenn der Postler täglich klingelt. Trostspender sind jetzt die wichtigsten Dienstleister, noch wichtiger als die Spaßmacher. Trostspende und Spaßproduktion sind schwierige Disziplinen. Es gibt Ausnahmekönner, die beide Fächer beherrschen. Etwa Dr. Kurt Ostbahn. Oder Armin Assinger. Von Assinger hört man oft den Satz: „Im Leben geht es darum, einmal öfter aufzustehen als hinzufallen.“ Nie war dies so gültig wie heute. Obwohl es genau genommen auch reichen würde, gleich oft aufzustehen wie hinzufallen. Für diese Erkenntnis braucht man keinen deutschen Virologen. Eine gute Note bei der Mathematik-Matura reicht.

Fliegen Sie nicht aus der Kurve!

Gernot Bauer

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