Strache kommt zunehmend in Bedrängnis

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Österreich
08/24/2020

profil-Morgenpost: Schwarz auf Weiß

Guten Morgen!

von Clemens Neuhold

Von Reisen nach Ibiza wird seit vergangenem Montag abgeraten. „Für Strache kommt die Reisewarnung drei Jahre zu spät“, kalauert ein früherer FPÖ-Sprecher auf Twitter und bezieht sich natürlich auf Straches weltberühmtem Ibiza-Trip im Jahr 2017. Das siebenstündige Ibiza-Video aus der Ferien-Finca könnte all jene, die nun auf ihren Ibiza-Trip verzichten müssen, entschädigen. Doch ein Public Viewing zum Sommerausklang wird sich zumindest in diesem Jahr nicht ausgehen. Das gesamte Video wird weiterhin wie ein Staatsgeheimnis gehütet.

Dennoch lädt die aktuelle profil-Cover-Geschichte dazu ein, in bisher ungekannte Sequenzen einzutauchen. Christina Hiptmayr, Stefan Melichar und Jakob Winter haben sich durch die polizeiliche Abschrift des gesamten Videos gewühlt, zitieren ausführliche Gesprächspassagen und zeichnen nach, was abgesehen von „Zack, zack, zack“, „Bist du deppert, die ist schoaf“ oder „Novomatic zahlt alle“ noch geschah.

140 von 190 Seiten der Abschrift sind geschwärzt. Dennoch ist es erhellend, mit welchem Bestemm die Lockvögel Strache zu schmutzigen Deals drängen wollen, wie Strache zu Ihnen auf Distanz geht und dann doch wieder ihre Nähe sucht. Werden die bisher bekannten, so anrüchigen Sager aus der Finca im Gesamtkontext entschärft? Eher nicht. Denn aus der Schrift-Version des Videos ist noch klarer herauszulesen, auf welche Gesellschaft sich der spätere Vizekanzler der Republik sieben Stunden lang zurückgelehnt eingelassen hat.

Durch die Ibiza-Affäre, den Zerfall der schwarz-blauen Regierung und schließlich die Corona-Pandemie ist das zentrale Thema der vergangenen Jahre etwas aus dem Fokus gerückt: Zuwanderung und Integration. Ein Buch der bosnisch-stämmigen Journalistin Melisa Erkurt über das Schulsystem verleiht der Debatte neuen Schwung: „Generation Haram – warum Schule lernen muss, allen eine Stimme zu geben.“ Sie zeichnet sehr persönlich nach, wie das Bildungssystem Schüler mit Migrationshintergrund vernachlässigt. Erkurt setzt damit einen Kontrapunkt zum Buch von Susanne Wiesinger: „Kulturkampf Im Klassenzimmer.“ Die Wiener Lehrerin betonte darin die kulturellen Hürden, die Schüler daran hindern, Anschluss an die Mehrheitsgesellschaft zu finden. Edith Meinhart bat für die aktuelle profil-Ausgabe beide zum Streitgespräch - abseits der üblichen Schwarz-Weiß-Muster.

Eine spannende Woche wünscht,

Ihr Clemens Neuhold

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