Zu Besuch in der Obdach Sautergasse in Wien
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Ein Tag in der Wärmestube: So treffen Sparmaßnahmen Obdachlose in Wien

Seit 1. Jänner wird in Wiens Sozialbereich gespart – auf Kosten der Schwächsten. In den 13 Notquartieren der Stadt wurde das warme Mittagessen gestrichen. Was das für Obdachlose und andere soziale Einrichtungen bedeutet.

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Die Wärmestube ist Selmas Zuhause. Oder zumindest das, was sich am ehesten danach anfühlt. Seit vier Jahren kommt die 41-Jährige regelmäßig in das Obdachlosenheim in der Sautergasse im 17. Wiener Gemeindebezirk. Der große Speisesaal gehörte früher zu einer Freikirche. Wo heute eine Regenbogenflagge von der Decke hängt, standen einst Altar und Kirchenbänke. Beides ist verschwunden. Anstelle der Bänke reihen sich nun braune Holztische, dahinter schwarze Plastikstühle, an denen obdachlose Menschen Platz nehmen. Von der ehemaligen Kirche ist nur der schwarz-weiß karierte Fliesenboden geblieben. Seit 2021 betreibt der Fonds Soziales Wien (FSW) in diesem Gebäude eine von drei städtischen Wärmestuben, in denen Menschen ohne Wohnung den Winter überleben können. Hier gibt es für sie noch ein warmes Mittagessen, jeden Tag bis 14 Uhr. In den 13 Notquartieren der Stadt, die rund um die Uhr offen haben, wurde hingegen die Essensausgabe mit Anfang des Jahres gestrichen.

Seit rund einer Woche gelten die Sparmaßnahmen, die Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ) angekündigt hat, um das Budgetloch der Stadt zu verkleinern. Im November betonte Hacker im Interview mit profil, dass Wien weiterhin ein Drittel seines Budgets für Soziales und Gesundheit ausgibt – deutlich mehr als jedes andere Bundesland. Gleichzeitig rechtfertigt er damit die Sparmaßnahmen: Wer viel Geld für soziale Leistungen ausgibt, muss auf lange Sicht den Gürtel enger schnallen. Denn Wien häuft Schulden an: knapp 15 Milliarden Euro bei einem geplanten Defizit von rund 2,6 Milliarden Euro für 2026. Ein gewaltiger Batzen, der jede Entscheidung über Ausgaben und Investitionen überschattet. Zusätzlichen Druck erzeugt der Stabilitätspakt zwischen Bund und Ländern. Hacker kritisierte die EU-Budgetregeln, die den Handlungsspielraum der Stadt stark einschränken würden. Er machte klar, dass Wien sich an die Vorgaben halten muss, zugleich aber die Sozialdemokratie in der Stadt nicht bereit sei, die sozialen Standards zu senken.

Daniela Breščaković

Daniela Breščaković

ist seit April 2024 Innenpolitik-Redakteurin bei profil. War davor bei der „Kleinen Zeitung“.