Satellitenbild von Europa bei Nacht. Man sieht vom All die Lichter der Städte leuchten.
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Der neue Weltraumlauf: Europa sucht Unabhängigkeit von USA im All

Ohne US-Space-Tech ist Europa im All derzeit blind. Nun will Europa sich emanzipieren. Auch Österreich baut neue Satelliten.

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Das Luftbild zeigt es deutlich: Russische Panzer stehen einsatzbereit vor der ukrainischen Grenze – und warten. Sofort informiert der Bundesnachrichtendienst die amtierende Regierung von Kanzlerin Angela Merkel. Womöglich plant Russland tatsächlich einen Angriff auf die ukrainische Halbinsel Krim. Noch ist nichts geschehen. Die Stunden verstreichen, die Lage bleibt angespannt. Die Regierung will ein Update: Was hat sich an der Grenze getan? Wo sind die Panzer jetzt? Deutschland weiß es nicht, gibt der Bundesnachrichtendienst zu. Es gibt keinen eigenen Satelliten, der aktuelle hochauflösende Fotos machen könnte. Das letzte Luftbild war zugekauft. Neue Bilder müsse man erst am Markt erwerben. Bis dahin sei die Regierung über die Landesgrenzen hinaus blind.

Das war 2014. Seither hat sich jedoch nicht viel verändert. Europa ist bei seiner Weltrauminfrastruktur in den zentralen Bereichen Militär und Sicherheit weiterhin von fremden Staaten und Unternehmen abhängig – allen voran von Technologien aus den USA. 2023 lieferten die Vereinigten Staaten mehr als drei Viertel aller NATO-Aufklärungsdaten über ihr ausgedehntes staatliches und kommerzielles Satelliten-Netz. Angesichts der angespannten Beziehung zu den Vereinigten Staaten werden das europäische Defizit und die Abhängigkeit von den USA jedoch zum existenziellen Risiko. Das bedeutet: Die Staaten Europas und somit auch Österreich sind schmerzlich auf die USA angewiesen, wenn es um grundlegende Fragen wie Kriegsfrontverläufe oder Flüchtlingsströme geht, die nur aus dem Weltraum fassbar sind. Können wir uns das leisten?

Die Europäer waren zu lange zufrieden auf der Rückbank.

Friedrich Teichmann, Raumfahrtexperte Verteidigungsministerium

„Europa hat sich bei Hochtechnologiethemen wie Weltraumservices sicherheitspolitisch viel zu sehr auf die NATO und insbesondere amerikanische Firmen verlassen – mit dem Ergebnis, dass wir Entwicklungen in diesem Bereich sträflich vernachlässigt haben“, sagt Friedrich Teichmann, Leiter des Instituts Militärisches Geowesen und Space Services im Verteidigungsministerium. Die klaffende Lücke in der Raumfahrt zeigt sich bereits im Space-Budget: Die Raumfahrtausgaben Europas in den vergangenen 40 Jahren entsprechen lediglich 15 bis 20 Prozent dessen, was die USA im gleichen Zeitraum in die amerikanische Raumfahrt investiert haben.

Hannah Müller

Hannah Müller

ist seit September 2025 bei profil.