Illustration von Trump mit gestrecktem Zeigefinger
Bild anzeigen
Wählen Sie profil als bevorzugte Google-Quelle

US-Operation Anti-EU: „Europa ist ohne die EU besser dran“

Die US-Regierung nimmt die EU-Kommission ins Fadenkreuz, weil diese die Meinungsfreiheit gefährde. Das größere Ziel dahinter: die Abschaffung der Europäischen Union. Interview mit Nile Gardiner, Europa-Beauftragter der Denkfabrik Heritage Foundation.

Drucken

Schriftgröße

Hören Sie sich diesen Artikel an

Dass das US-Außenministerium Oppositionelle und Dissidenten in anderen Ländern unterstützt, hat eine lange Geschichte. Jahrzehntelang finanzierte Washington zum Beispiel Programme, um Demokratiebestrebungen im kommunistisch-autoritären Ostblock zu fördern. Etwas Ähnliches passiert auch heute noch, allerdings mit einer erstaunlichen Neuerung: Das Einsatzgebiet für politische Einflussnahme liegt jetzt in den Ländern des engsten Bündnispartners der USA – der Europäischen Union.

Die Regierung unter US-Präsident Donald Trump hielt in ihrer im Dezember veröffentlichten Nationalen Sicherheitsstrategie fest, dass sie gegen aktuelle politische Trends in Europa „Widerstand fördern“ wolle. Das tut sie jetzt.

Sarah Rogers, Unterstaatssekretärin des US-Außenministeriums, reiste nach Paris, London, Rom und Mailand und führte dort Gespräche mit rechtsgerichteten Thinktanks, die auf derselben politischen Linie wie die Regierung Trump liegen: gegen die EU und vor allem gegen den „Digital Services Act“, die EU-Verordnung zur Regulierung von Online-Diensten. Solche Thinktanks sollen finanziell unterstützt werden, um Stimmung gegen die Politik der Union zu machen. Rogers traf sich bei ihrer Europa-Tour unter anderem mit Politikern der Rechtsaußen-Parteien Alternative für Deutschland (AfD) und der britischen Reform-Partei von Brexit-Promoter Nigel Farage.

Der Vorwurf der vermeintlich fehlenden Meinungsfreiheit in Europa ist ein zentraler Angriffspunkt der US-Regierung gegen die EU. Mit Donald Trump sitzt erstmals ein erklärter Gegner der supranationalen Europäischen Union im Weißen Haus. Als Thinktank, der sich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie man die EU am schnellsten zersetzen und alle Macht wieder an die Nationalstaaten rückführen könnte, dient der Trump-Administration die ihr nahestehende Heritage Foundation. 1973 gegründet, zeichnet sich diese Denkfabrik vor allem dadurch aus, dass sie sich nicht abseits der Politik hält, sondern direkt Einfluss auf die Regierung nimmt – wenn diese ideologisch kompatibel ist. Trump und die Heritage Foundation stimmen in der Europa-Frage überein. Das sagt Nile Gardiner, Europa-Verantwortlicher der Heritage Foundation, im profil-Interview. Seine Botschaft: „Die USA haben das Recht, die Europäische Kommission als Tyrannei zu verurteilen.“

Die Heritage Foundation zeigt deutliches Interesse an der Europäischen Union. Im vergangenen Jahr nahm Kevin Roberts, der Heritage- Präsident, an einem Treffen der Parteien der Patriotischen Fraktion in Madrid teil. Das Motto lautete: „Make Europe Great Again“ („Macht Europa wieder groß“). Unterstützen Sie diese Fraktion?

Nile Gardiner

Die Heritage Foundation leistet keinerlei Unterstützung für politische Parteien oder Gruppen in Europa. Aber sie unterstützt das übergeordnete Ziel eines Europas, das auf Souveränität und Selbstbestimmung beruht. Das deckt sich auch sehr stark mit der Position der US-Regierung heute.

Bitte beschreiben Sie diese Position.

Gardiner

Die Sicht der Trump-Regierung ist, dass die USA besser mit einer Sammlung von Nationalstaaten in Europa zusammenarbeiten würden als mit einer supranationalen Europäischen Union. So sehen wir das heute in Washington. Wir blicken einer anderen Art von Europa entgegen. Vielleicht dauert es zwei oder drei Jahrzehnte. Aber letztlich liegt es im nationalen Interesse Amerikas, ein Europa zu haben, das nicht auf zentralisierter Macht in Brüssel basiert.

Porträt eines Mannes mit Brille: Nile Gardiner
Bild anzeigen

In Österreich vertritt die FPÖ diese Position. Kooperiert die Heritage Foundation mit ihr oder würde sie das tun?

Gardiner

Wir leisten wie gesagt keine direkte Unterstützung für irgendeine politische Bewegung oder Partei oder einen Thinktank in Europa. Aber wir werden mit jenen Parteien in Europa arbeiten, die tatsächlich einen proamerikanischen Ansatz vertreten und die auch an souveräne Selbstbestimmung in Europa glauben. Es gibt eine Vielzahl von Parteien rechts der Mitte in Europa, die so denken. Einige davon sind Teil der Patriotischen Fraktion, andere sind Teil der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR).

Robert Treichler

Robert Treichler

Ressortleitung Ausland, stellvertretender Chefredakteur.

Siobhán Geets

Siobhán Geets

ist seit 2020 im Außenpolitik-Ressort und seit 2025 stellvertretende Ressortleiterin. Schwerpunkt: Europa und USA.