Geld aus Plastik: Aus dem schillernden Leben einer Tupper-Lady
In einem engen weißen Kleid, die Augen dramatisch geschminkt, das lange dunkle Haar über die Schultern wallend, tritt Conchita Wurst auf die Bühne. Die Damen im Publikum johlen beim Anblick des Stars. Ein Jahr zuvor hat Conchita den Eurovision Song Contest gewonnen und es zu internationaler Berühmtheit gebracht. Doch an diesem Tag im Frühjahr 2015 singt sie in einem Festsaal in Salzburg exklusiv für ein paar hundert Leute – beim Frühlingstreffen von Tupperware Österreich, zu dem nur die erfolgreichsten Verkäuferinnen der bunten Plastikboxen eingeladen sind.
Daniela M. war eine von ihnen. Solche Events und Benefits waren ein wichtiger Teil der Motivation, die die Burgenländerin 2007 dazu bewog, als Nebenbeschäftigung in das Tupper-Geschäft einzusteigen. Jausenboxen, Kochlöffel, Salatschüsseln, Pfannen, Schmortöpfe – das alles und mehr konnte man von Daniela auf den
berühmt-berüchtigten Tupperpartys erwerben. Seit 2025 ist Tupperware insolvent, von Danielas schillernder Tupper-Zeit zeugen nur mehr die beachtlichen Vorräte an Küchengeschirr und Erinnerungsfotos, die sie in ihrem Zuhause im Mittelburgenland aufbewahrt.
Für profil öffnet Daniela M. ein Jahr nach dem Tupper-Ende ihre Küchenkästen und führt uns in jene Parallelwelt aus Plastik, in der sich fast 20 Jahre lang ihr Leben abspielte.
Die goldene Zeit
„Tuppergeld“, verkündet Daniela grinsend und zeigt auf den Pool in ihrem Garten. Mit ihrer Beraterinnenprovision konnte sie auch größere Anschaffungen für Haus und Freizeit finanzieren.
Der US-amerikanische Konzern Tupperware etablierte zum Vertrieb seiner Waren eine Art Pyramiden-system. Selbstständige Verkäuferinnen, vorwiegend Frauen mittleren Alters, kassierten Provision, wenn sie auf den sogenannten Tupperpartys – Verkaufsveranstaltungen in Privathaushalten – Küchengeräte an ihre Gäste verkauften oder neue Verkäufer anwarben. Vor allem in ländlichen Regionen entstanden durch diese Partys oft neue Gemeinschaften. Im Rekordjahr 2014 machte die österreichische Tupperware-Tochter auf diese Weise 13,6 Millionen Euro Umsatz.