Irans Oberster Führer Mojaba Chamenei
Irans Oberster Führer Mojaba Chamenei
Iranischer Regime-Gegner: „Sie glauben, dass Gott sie immer retten wird“
Eine Woche lang war es still um Arash, jenen Mann in Teheran, mit dem profil seit Kriegsbeginn in Kontakt steht und der in Wahrheit anders heißt.
Anfang vergangener Woche schrieb der iranische Schriftsteller, das Internet sei nun komplett abgeschaltet worden. „Es bleibt nur noch das nationale Intranet. So sollen diejenigen ermittelt und festgenommen werden, die Starlink nutzen. Das könnte zwei Tage dauern. Danach melde ich mich bei dir.“
Es dauert deutlich länger als zwei Tage, bis Arash sich wieder meldet. Der Endvierziger weiß, wie man die Sperren des Regimes umschifft. Doch er setzt sich damit einem Risiko aus. Starlink, das Satellitennetzwerk von Elon Musks „Space X“, macht es möglich, die Internetzensur im Iran zu umgehen, weil damit eine direkte Verbindung zu Satelliten hergestellt wird. Bis zu 50.000 portable Empfänger wurden laut Schätzungen ins Land geschmuggelt.
Der Besitz eines Receivers ist illegal und wird hart bestraft – mit Gefängnisstrafen, Peitschenhieben oder Geldbußen. Sogar Todesstrafen sollen verhängt worden sein. Immer wieder machen sich die Behörden auf die Suche nach Starlink-Empfängern, um diese zu beschlagnahmen. Und vergangene Woche war es offenbar wieder einmal so weit.
Eine Woche nach der Ankündigung, offline gehen zu müssen, meldet sich Arash schließlich per Chatnachricht. „Frohes Nouruz!“, schreibt er. Drei Tage zuvor feierten die Perser Neujahr. Viele Menschen hätten die Hauptstadt verlassen, sagt Arash. Es gebe kaum Verkehr, die Luft sei frischer als sonst, es regne viel. „Die Bombenangriffe in Teheran haben abgenommen, aber das Geräusch von Explosionen ist weiterhin jeden Tag und jede Nacht zu hören.“
„Es wird nicht zum Regimesturz kommen“
Arash klingt fast fröhlich in diesen Tagen. Und am anderen Ende der Leitung ist die Erleichterung darüber groß, dass es ihm gut geht und die Behörden ihn nicht bei der Umgehung der Internetsperre erwischt haben.
Wegen der Feiertage seien die Menschen guter Laune, sagt Arash, „doch alle machen sich Sorgen wegen der wirtschaftlichen Lage und dem weiteren Verlauf des Krieges“. Kurz zuvor hatte US-Präsident Donald Trump sein Ultimatum zurückgenommen. Dieses hatte ursprünglich gelautet, dass die USA Kraftwerke und Ölanlagen im Iran bombardieren würden, sollte das Regime die Straße von Hormus nicht bis Dienstag für den Schiffsverkehr freigeben. Doch kurz vor Ablauf des Ultimatums zeigte sich Trump dann gesprächsbereit, behauptete gar, es habe bereits „sehr gute Gespräche“ mit der Führung in Teheran gegeben. Plötzlich schien es, als wolle der US-Präsident den Krieg so rasch wie möglich beenden.
Was macht das Hin- und Her mit den Menschen im Iran?
„Wir alle wollen die Regierung stürzen“, schreibt Arash. „Da aber keine Infanterieeinheiten ins Land einmarschieren werden, wird es nicht zu einem Sturz kommen. Auch Trump hat verstanden, dass eine Einigung erzielt werden muss.“
Das Regime ist widerstandsfähiger, als Washington vermutet hat. Es ist nicht, wie erhofft, in sich zusammengebrochen. Die getöteten politischen und militärischen Anführer kann die Führung in Teheran als Märtyrer inszenieren – und sie rasch durch andere ersetzen. Die Botschaft: Wir überleben alles, wir sind stärker als die Waffen unserer mächtigsten Gegner.
Lage in Gefängnissen „besorgniserregend“
Für oppositionelle Iranerinnen und Iraner hat sich die Lage damit noch einmal verschärft. Sie sind gefangen zwischen den Bomben Israels und der USA auf der einen und einem repressiven Regime auf der anderen Seite. „Wir sind sehr besorgt“, schreibt Arash, „denn wir wissen, dass die Regierung den Druck auf die Menschen erhöhen wird, sobald sie die Möglichkeit dafür sieht“. Die Islamische Republik sei eine religiöse Diktatur, geprägt von abergläubischen Vorstellungen. „Sie glauben, dass Gott sie immer retten wird.“
In den Gefängnissen habe sich die Lage verschlimmert, sagt Arash, die Situation sei „äußerst besorgniserregend“. Oppositionelle verschwänden in den Kerkern des Regimes, die Bedingungen sind miserabel. Er habe gehört, dass in jeder 30 Quadratmeter großen Zelle 20 Personen eingepfercht seien.
Hat er keine Angst davor, selbst festgenommen zu werden? Was, wenn die Behörden seinen Internet-Empfänger finden?
„Es gibt jeden Tag Meldungen über neue Festnahmen“, schreibt Arash. „Ich mache mir Sorgen, aber es gibt keine andere Möglichkeit.“ Er müsse informiert bleiben – und über die Ereignisse in seinem Land berichten.