Ein Mann geht durch Trümmer, dahinter ein ausgebranntes, umgekipptes Auto
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Mit seiner Bodenoffensive im Libanon will Israel die islamistische Hisbollah zerschlagen. Doch vieles deutet darauf hin, dass die Regierung unter Premier Benjamin Netanjahu noch andere Ziele verfolgt.

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Für Amirs Familie blieb kaum noch Zeit zu packen. Anfang März erreicht sie und die anderen Bewohner der Dörfer Al-Numairiyah, Ad-Doueir und Kherbet Selem sowie Dutzender weiterer Orte im Süden des Libanon ein Evakuierungsbefehl der Israelischen Streitkräfte (IDF). Mit der Begründung, gegen die radikalschiitische Hisbollah vorgehen zu wollen, beginnt Israel in diesen Tagen mit Bombardements von Wohngebieten in der mehrheitlich von Schiiten bewohnten Region. Nicht einmal eine halbe Stunde bleibt den Menschen, um ihre Häuser zu verlassen.

Zusammen mit Hunderttausenden machen sich Amirs Tanten und Onkel sowie deren Kinder und Enkel auf den Weg Richtung Norden. Auf den Straßen stauen sich endlose Autokolonnen. Nach etwa 24 Stunden kommt die Familie, insgesamt 18 Leute, bei Amir in der libanesischen Hauptstadt Beirut an. So erzählt es der Enddreißiger, der in Wahrheit anders heißt, im Gespräch mit profil.

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Für seine Familie hat Amir eine Wohnung gefunden und rasch das Nötigste zum Leben besorgt. Andere sind ganz auf sich selbst gestellt. Mehr als eine Million Menschen sind innerhalb des Landes, das nicht einmal so groß ist wie Oberösterreich, auf der Flucht. Ein Bruchteil ist in Notunterkünften untergekommen, viele leben auf der Straße. Selbst die Corniche, Beiruts berühmte Promenade am Mittelmeer, ist zum Flüchtlingslager geworden. Unter den Palmen am Straßenrand zelten Familien, am Gehsteig reihen sich Schlafsäcke aneinander.

„Wir sind müde“ – der Satz liegt den Menschen im Libanon in diesen Tagen auf den Lippen. „Wir können nicht mehr“, sagt auch Amir. Er erlaube es sich nicht mehr, auf bessere Zeiten zu hoffen. Für seine Verwandten war es nicht die erste Vertreibung aus dem Südlibanon. Zuletzt mussten sie ihre Dörfer während der Bodenoffensive der IDF von 2024 verlassen, auch während der israelischen Besatzung von 1985 bis 2000 wurden sie mehrmals vertrieben. Diesmal sei das Haus seines Großvaters dem Erdboden gleichgemacht worden, sagt Amir, ein Onkel habe seinen kleinen Bauernhof verloren. Die meisten Vertriebenen rechneten nicht damit, noch einmal in ihre Heimat zurückkehren zu können. „Das ist niederschmetternd“, sagt Amir, „das Land bedeutet uns alles.“

Seine Angst ist alles andere als unbegründet.

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Siobhán Geets

Siobhán Geets

ist seit 2020 im Außenpolitik-Ressort und seit 2025 stellvertretende Ressortleiterin. Schwerpunkt: Europa und USA.