Geflüchtete auf einem Schlauchboot vor Libyen
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Asylzentrum in Albanien: Kann auch Österreich Migration auslagern?

Österreich will Rückführungszentren für Migranten in Uganda errichten. Kann das funktionieren? Besuch in einem kleinen Dorf auf dem Balkan, wo Italien seit zwei Jahren Ähnliches versucht.

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Andi Marku tut so, als gäbe es das Camp gar nicht. Dabei ist es unübersehbar. Ein hoher, grauer Eisenzaun mit Sicherheitskameras, eine Schleuse, dahinter weiße Container, in denen die Migranten ihre Fingerabdrücke abgeben. Am Eingang flattert die grün-weiß-rote Flagge Italiens. „Keine Fotos und Videos bitte“, mahnt Marku, während er am Zaun vorbeigeht.

Wie viele Männer sich derzeit im Camp aufhalten? Diese und weitere Fragen perlen an Marku ab wie das Wasser von der Öljacke der Fischer, die im Hafen ihre Netzte putzen. „Das müssen Sie die Italiener fragen“, sagt er.

Camp im albanischen Hafen von Shëngjin
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Marku war früher Polizist, dann Bürgermeister und schließlich Anwalt. Seit wenigen Monaten ist er der Direktor des Hafens von Shëngjin, einer kleinen Küstenstadt im Norden Albaniens. Das Areal ist so klein, dass ein Rundgang nicht länger als zehn Minuten dauert. Ein paar Fischerboote, bröckelige Ziegelsteinbarracken aus der Zeit des Kommunismus. Ein einziger Industriekrahn für die Ein- und Ausfuhren, vornehmlich Stahl, Schotter und Schrott.

Im albanischen Hafen von Shëngjin hat Meloni ein Experiment mit weitreichenden Folgen für ganz Europa gestartet.

Luftaufnahme des von Italien errichteten Camps im Hafen von Shëngjin in Albanien
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Mittendrin: Ein hochmodernes Camp für Migranten, das vom italienischen Staat für viel Geld aus dem Boden gestampft und im Sommer 2024 offiziell eröffnet wurde. Hier werden die Daten der Ankömmlinge aufgenommen, bevor sie in das eigentliche Camp kommen, das 30 Minuten entfernt hinter einem Karstberg liegt. Das Besondere: In beiden Lagern gilt nicht albanische, sondern italienische Rechtsprechung. Wer durch die Schleuse geht, befindet sich rechtlich gesehen in der EU. Selbst Marku darf dort nicht ohne Pass hinein. Indirekt gibt in seinem Hafen jetzt eine Frau den Ton an: Giorgia Meloni, Italiens weit rechts stehende Ministerpräsidentin.

Teuer und logistisch aufwändig 

In Shëngjin hat Meloni ein Experiment mit weitreichenden Folgen für ganz Europa gestartet. Ihr Plan: EU-Staaten sollen Asylwerber künftig nicht selbst aufnehmen, sondern in einen Drittstaat überstellen. Dort sollten diese dann ihr Asylverfahren durchlaufen.

Um das wahr zu machen, hat Italien Hunderte Millionen Euro an Steuergeld ausgegeben und eine logistisch aufwändige Operation gestartet. Melonis Idee: Migranten und Geflüchtete werden noch auf hoher See von der Küstenwache aufgegriffen und nach Albanien gebracht. In Shëngjin gehen sie an Land, werden registriert und kurz darauf in ein größeres Lager im Hinterland gebracht.

Die italienische Opposition sprach von einem „Mini-Guantanamo“ auf dem Balkan. Menschenrechtsgruppen hielten im Hafen Proteste mit Plakaten ab, auf denen Meloni „Neokolonialismus“ vorgeworfen wird. Am Ende waren es italienische Gerichte, die das Albanien-Experiment vorerst beendeten. Seitdem ist es ruhig im Hafen von Shëngjin, die Camps leer.

Das könnte sich jetzt ändern.

Franziska Tschinderle

Franziska Tschinderle

schreibt seit 2021 im Außenpolitik-Ressort. Studium Zeitgeschichte und Journalismus in Wien. Schwerpunkt Südosteuropa / Balkan.