Ein Mann mit Glatze - Stephen Miller - und Anzug
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Trumps Vizestabschef Miller: Lord Voldemort im Weißen Haus

Stephen Miller ist einer der mächtigsten Männer im Weißen Haus. Er steckt hinter der Gewalt gegen Migranten, dem Vorgehen gegen politische Gegner und der Idee, Grönland den USA einzuverleiben. Wer ist der ideologische Einflüsterer Trumps?

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Wenn Stephen Miller seine Sicht der Welt erklärt, tut er das mit klaren Worten. Missverständnisse sind ausgeschlossen, und das ist meist nicht gerade beruhigend. „Wir können über Nettigkeiten sprechen, so viel wir wollen, aber wir leben in der echten Welt“, sagte der Vizestabschef des Weißen Hauses kürzlich in einem Interview mit dem TV-Sender CNN. „Und die wird durch Stärke regiert, durch Gewalt und Macht.“ Diese „eisernen Regeln“ würden die Welt „seit dem Anbeginn der Zeit“ bestimmen.

Besser hätte man die neue Außenpolitik der USA unter Präsident Donald Trump nicht zusammenfassen können.

Es ging um Grönland, die zu Dänemark gehörende Insel in der Arktis, die sich die US-Regierung unter Präsident Donald Trump einverleiben will. Zuletzt versicherte Trump zwar, dass er nicht mit „Stärke und Gewalt“ vorgehen werde, um Grönland zu erobern. „Ich werde das nicht tun, okay?“, sagte er beim Weltwirtschaftsforum im Schweizer Davos. Doch er betonte auch noch einmal, dass Grönland „unser Territorium“ wäre. Der US-Präsident wollte einen Militäreinsatz gegen das NATO-Mitglied Dänemark lange nicht ausschließen. Die schärfsten – und für Europa beunruhigendsten Aussagen – kamen aber nicht von ihm, sondern von einem seiner engsten Mitarbeiter: Stephen Miller.

Der 40-Jährige ist der radikalste Kopf in Trumps Kabinett. Offiziell ist er Vizestabschef und Sicherheitsberater im Weißen Haus, in Wahrheit geht seine Rolle weit darüber hinaus. Miller leitet de facto das Heimatschutzministerium, er lenkt die Migrationspolitik und hat mitgeholfen, Trump von einem Angriff auf Caracas und der Entführung des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro zu überzeugen. Miller ist wohl der mächtigste Amerikaner, der nicht vom Volk gewählt wurde.

Miller spricht am Podium, Trumps steht hinter ihm, im Hintergrund Fans mit US-Flaggen
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Seine Ideen klingen wie rechtsextreme Fieberträume, lange nahm ihn niemand ernst, und die wenigsten wussten überhaupt, wer er war. Doch in den ersten zwölf Monaten von Trumps zweiter Amtszeit ist Miller ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Seine Fantasien – angefangen mit dem brutalen Vorgehen gegen Einwanderer über ein Ende des Rechts, das jedem in den USA geborenen Kind die Staatsbürgerschaft garantiert, bis hin zur Drohung mit der Annexion von europäischem Territorium – sind zur offiziellen Regierungspolitik geworden.

Miller ist Anhänger der Bewegung des „White Nationalism“, es geht ihm vor allem darum, Amerika weißer zu machen. Doch nun überträgt er seine radikalen Ideen auf die ganze Welt und nimmt auch Europa ins Visier. Das Vorhaben, Grönland zu annektieren, stammt wohl aus seinem Kopf.

Der jugendliche Hassprediger

Geboren wird Stephen Miller 1985 in Santa Monica, Kalifornien, in eine liberale jüdische Familie. Als Kind und Jugendlicher ist er umgeben von Anhängern der Demokraten: Sein privates Umfeld, das Viertel und der Bundesstaat, in dem er aufwächst, die Schule und später die Universität – überall dominieren linke, weltoffene Ansichten. Doch Miller sträubt sich.

Ein Mann steht mit verschränkten Armen und finsterer Miene vor einer US-Flagge
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Als Kind hat er einen besten Freund namens Jason, ein Bub mit mexikanischem Migrationshintergrund, die beiden lieben Science-Fiction und die Fernsehserie „Star Trek“. Doch dann beginnt sich in Miller jene Ideologie zu formen, die ihn bis heute bestimmt. Er liest Waffenmagazine und rechtsextreme Literatur, und bald kommt er zu dem Schluss, dass Amerika von Eindringlingen bedroht werde. Eines Tages, Miller ist etwa 13 Jahre alt, ruft er Jason an, um die Freundschaft zu beenden, schreibt die US-Journalistin Jean Guerrero, die für ihr Buch „Hatemonger: Stephen Miller, Donald Trump, and the White Nationalist Agenda“ mit Jason gesprochen hat. Dessen Eltern seien Latinos, sagt Miller, deswegen wolle er nichts mehr mit ihm zu tun haben.

Siobhán Geets

Siobhán Geets

ist seit 2020 im Außenpolitik-Ressort und seit 2025 stellvertretende Ressortleiterin. Schwerpunkt: Europa und USA.