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Donald Trump bricht mit Europa und kuschelt mit Russland, daheim in Amerika baut er die Demokratie ab. Das ist kein historischer Ausrutscher, sondern die Konsequenz einer Radikalisierung, die vor Jahrzehnten ihren Anfang nahm.

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Elf Monate ist es her, dass Donald Trump erneut als US-Präsident angelobt wurde. Auch beim zweiten Mal fragten sich viele: Wieso wurde Trump, ein verurteilter Sexualstraftäter, mitverantwortlich für den Sturm auf das Kapitol in Washington 2021, schon wieder gewählt? Und wie konnte es eigentlich dazu kommen, dass ein mehrfach konkursreifer Immobilientycoon ohne jegliche politische Erfahrung die komplette Republikanische Partei kaperte?

Seit bald zehn Jahren ist Donald Trump der unangefochtene Anführer der Republikaner. Gegründet wurde die GOP, die „Grand Old Party“, einst, um die Vereinigten Staaten zusammenzuhalten und eine Ausbreitung der Sklaverei zu verhindern. „Freier Boden, freie Arbeit, freie Menschen“ war der Leitspruch des ersten GOP-Präsidenten Abraham Lincoln.

Was ist nur aus dieser GOP geworden?

Heute sitzt ein Mann im Weißen Haus, der die liberalen Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte in rasendem Tempo abbaut. Im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit brach Donald Trump mit so gut wie allem, was Amerika seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ausgemacht hatte. Der US-Präsident zeigt unverhohlene Bewunderung für Autokraten und Diktatoren. Russlands Präsidenten Wladimir Putin nennt er einen Freund, und zu den Verhandlungen für einen Frieden in der Ukraine schickt er alte Geschäftsfreunde, die lukrative Deals mit Moskau aushandeln sollen.

Die Europäische Union erklärt Trump zum Feind, der Kontinent sollte besser als „Gruppe souveräner Staaten“ agieren, so steht es im neuen Papier zur nationalen Sicherheitsstrategie der USA. Patriotische Parteien in Europa – gemeint sind Rechtspopulisten, die die EU abschaffen wollen – möchte Amerika künftig unterstützen. Daheim in den USA hat Trump einen Rachefeldzug gegen seine Gegner gestartet. Er geht gegen liberale Universitäten und Juristen vor, schüchtert Medien mit Milliardenklagen ein und setzt die Justiz unter Druck, um Opponenten zu verfolgen. Einwanderer nennt er „Invasoren“, lässt sie von Vermummten auf offener Straße verhaften und ohne Verfahren abschieben.

Wer wählt so jemanden? Nun: mehr als 77 Millionen Menschen.

Es fühlt sich an, als würden wir in einer Computersimulation leben, die durcheinandergeraten ist.

 

US-Schriftsteller Adam Gopnik nach Trumps erstem Wahlsieg 2016 im „New Yorker“

Als Donald Trump 2016 erstmalig zum Präsidenten gewählt wurde, hielten das viele für eine Art Unfall. Die Realität schien Risse bekommen zu haben. Es fühle sich an, so der US-Schriftsteller Adam Gopnik im Magazin „New Yorker“, „als würden wir in einer Computersimulation leben, die durcheinandergeraten ist“. Doch ein Blick auf die Geschichte der Republikaner zeigt: Donald Trump war kein Ausrutscher, sondern die logische Konsequenz einer jahrelangen Radikalisierung der GOP.

Die Geschichte eines Rechtsrucks in vier Kapiteln.

1960er: Bürgerrechtspolitik und das Ende der „Dixiecrats“

Heute ist das kaum mehr vorstellbar, doch bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren die Unterschiede zwischen Republikanern und Demokraten verschwindend gering. Im Jahr 1950 rieten Politikwissenschafter den Parteien deshalb zur Polarisierung. Den Menschen sollten echte Alternativen zur Wahl stehen.

Es dauerte nicht lange, bis sich dieser Wunsch erfüllte.

Siobhán Geets

Siobhán Geets

ist seit 2020 im Außenpolitik-Ressort und seit 2025 stellvertretende Ressortleiterin. Schwerpunkt: Europa und USA.