Ein Arzt untersucht mit einem Otoskop das Ohr einer Patientin in einer Praxis.
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Zuerst Hausarzt, dann Facharzt: Wann kommt die Überweisungspflicht?

Ein Punkt in der bevorstehenden Gesundheitsreform steht schon länger fest: Die Hausärzte werden ausgebaut. Bei einer Überweisungspflicht würden diese künftig entscheiden, ob Sie einen Facharzt brauchen oder nicht.

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Gehen Sie bei einem Ausschlag zum Hausarzt oder gleich zum Hautarzt? Und bei Ohrenweh? Oder Magendrücken? Ob Sie der Typ Hausarzt oder Facharzt sind, mussten Sie sich bisher gar nicht groß überlegen, weil in Österreich die freie Arztwahl gilt. Ob das so bleibt, wird seit Monaten intensiv diskutiert. 

Startpunkt war ein profil-Artikel über den Aufstand der Fachärzte gegen eine mögliche Überweisungspflicht. Auch die Standesvertreter hatten von einem Expertenpapier erfahren, das den Machern der Gesundheitsreform genau das empfiehlt: eine Überweisungspflicht, um Patienten aktiv zu lenken, anstatt auf ihre Selbsteinschätzung zu vertrauen.

Die Idee ist nicht vom Tisch

Morgen, Dienstag, präsentieren Regierung, Bundesländer, Gemeinden und Sozialversicherung die Eckpunkte der Gesundheitsreform. Dabei steht die Gretchenfrage, aus welcher Hand das Gesundheitssystem künftig finanziert wird, im Vordergrund. Wie heftig darum gerungen wird, zeigt ein profil zugespieltes Geheimpapier der Sozialpartner zur Entmachtung der Länder und Stärkung der Sozialversicherung.

Aber wird auch die Überweisungspflicht Teil einer Gesundheitsreform sein? Die Idee schien vom Tisch. Zu wenig Hausärzte, zu starker Eingriff in Wahlfreiheit, lauteten die Argumente.

Doch es gibt auch andere Stimmen in Verhandlerkreisen: „Die Überweisungspflicht ist nicht vom Tisch. Sie könnte in Fachrichtungen mit sehr langen Wartezeiten über Pilotprojekte starten. Es geht ja nicht um eine Frotzelei. Sondern darum, Selbstzuweisungen und teure Mehrfachuntersuchungen zu verhindern.“

Fachärzte haben ihre Patienten befragt 

Die Fachärzte untermauerten unterdessen ihren Widerstand gegen eine Überweisungspflicht. Am Donnerstag präsentierte der „Berufsverband Fachärzt:innen Österreich“ eine IFES-Studie unter 3200 Patient:innen. Sukkus: 90 Prozent wollen weiterhin eine freie Arztwahl, 88 Prozent vertrauen ihrem Facharzt, 75 Prozent sind auch mit den Wartezeiten zufrieden.

Was alle Modelle zur Patientenlenkung eint: Die Menschen sollen weg von den Spitälern. Denn dort sind Behandlungen am teuersten. Die niedergelassenen Fachärzte drehen deswegen den Spieß um, und wollen mehr Patienten von den Spitälern übernehmen, die dort nicht zwingend hingehören. Denn das würde Kosten sparen.

Überweisungspflicht vertagt?

Die größte Engstelle für eine Überweisungspflicht durch Hausärzte wären Hausärzte selbst. Doch derzeit läuft eine Ausbauwelle bei sogenannten Primärversorgungseinheiten (PVE), das sind erweiterte Hausarzt-Zentren. Derzeit sind es schon über 100. Dass dieser Ausbau durch die Gesundheitsreform verstärkt wird, gilt als ausgemachte Sache. Kommt die Überweisungspflicht also erst am Tag X, wenn es genügend PVE in ganz Österreich gibt? 

Die Fachärzte werden ihre Studie sicher aufheben.

Clemens Neuhold

Clemens Neuhold

ist seit 2015 Allrounder in der profil-Innenpolitik. Davor „Wiener Zeitung“, Migrantenmagazin biber, Kurier-Wirtschaft. Leidenschaftliches Interesse am Einwanderungsland Österreich.